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| Mi-So ab 18 Uhr, Mo u. Di Ruhetag |
| Hauptgerichte: 16-42 €, Menüs: 42-89 € |
Eine knappe halbe Stunde vom Bodensee entfernt, mit nur ein paar Dutzend Häusern in der Umgebung, ist der Hirsch in Goppertsweiler einerseits ein typischer Landgasthof. Das Ambiente im Hauptraum ist wintergartenähnlich mit bodentiefen Fenstern freundlich-hell, im hinteren Bereich mit Holzboden noch heimeliger. Andererseits unterscheidet sich die Kulinarik von Artur Frick-Renz dann aber doch deutlich von den Standards der einfachen Landküche. Obwohl der Küchenchef durchaus altmeisterliches Handwerk vertritt, ist er beim Entwickeln von überraschenden Geschmacksbildern mit viel Aroma immer wieder aufs Neue kreativ.
Das Konzept wird mit dem Aufstellen einer Tafel am Tisch erklärt. Referenz ist das „Lass mi mache Menü“, eine Überraschung in vier oder sechs Gängen. Des Weiteren gibt es ein viergängiges vegetarisches Menü, aber im Gegensatz zu manch anderen Restaurants sind auch die À-la-carte-Gerichte hochwertig genug für ein repräsentatives Erlebnis – mit dem verschmerzbaren Unterschied, dass es keinen vielteiligen Gruß aus der Küche gibt, sondern es nach warmem Brot mit Tomatencreme gleich losgeht. Die erste Vorspeise hätten wir uns allerdings auch als Dessert vorstellen können, denn sie war recht lieblich bis süßlich. Das lag an marinierten Erdbeeren zu einer Papaya-Creme, die eine gewisse Fruchtsüße ausstrahlten, was von einer gemäßigten Vinaigrette nur bedingt aufgefangen werden konnte. Als „Neutralisator“ lag im Zentrum eine große Kugel Burrata, die bestreut mit der nordafrikanischen Gewürzmischung Zatar dann aber doch ein bisschen kantige Würze zur allgemeinen Milde mitbrachte. Auch Pistazien und Basilikumblätter waren gewinnbringend mit von der Partie.
Im Anschluss ging es habhafter zur Sache, nämlich mit einem sehr gut zwischen Würze und Säure ausbalancierten und selbstverständlich akkurat von Hand geschnittenen Kalbstatar. Das blitzsaubere rohe Fleisch war zu einem hohen Zylinder geformt, der neben einem großen Röschen gebackenem Blumenkohl und einem gebackenen Eigelb mit panierter und halbierter Hülle platziert war. Aufgefrischt wurde diese erdige Kombination von einem fruchtig-milden Birnen-Miso-Kompott. Frittierte Kohlrabiblätter und ein Kräuteröl setzten dazu auch noch sehr willkommene grüne Akzente.
Die Knolle der Kohlrabi wurde dann in Form von knackigen Stiften zu zwei kross auf der Haut gebratenen Filets vom Wolfsbarsch eingesetzt. Das Gericht hatte eine gewisse Grundschärfe, die aber eher im Hintergrund steckte. Viel präsenter und belebender war die „Umami-Bouillon“ in einem flirrenden Wechselspiel aus Frische und Tiefe, die uns so auch noch nicht begegnet ist. Als Komponenten geschrieben waren Nori-Alge, die vielleicht für eine gewissen Dashi-Effekt verantwortlich war, sowie Fenchel und kandierter Ingwer, die auch als Brunoises im Sud auftauchten. Nicht annonciert waren Kirschtomaten, deren frittierte Haut für einen spaßigen Knuspereffekt sorgte. Die Früchte selbst waren mit Vanille geschmort, was ihnen in diesem sehr aromenstarken Fischgericht eine besondere Tiefe mit auf den Weg gab.
Eher klassisch standen dem gegenüber kurzgebratenes Nüssle und geschmortes Schäufele vom Reh, wobei auch hier zum gebratenen grünen Spargel samt kleinem Ragout ein paar „Special Effects“ im Spiel waren. In einer nicht zu dichten Jus zum Beispiel das Aroma von Holunderblüte, dazu das Knusprige von frittierten roten Zwiebelringen und das Herzhafte eines sautierten Steinchampignons. Ein großer Riegel Brioche war recht kompakt gebraten und mit Tupfern von geräuchertem Selleriepüree versehen.
Danach hätten uns zwar die bayerischen Strauben mit Crème patissière und Erdbeeren interessiert, aber aufgrund der doch relativen Üppigkeit der Hauptgerichte entschieden wir uns gegen die Mehlspeise und für einen – trotz Geleeschicht mit Wackelfaktor – wirklich leichten Schaum aus Campari und Blutorangen. Die Fruchtsäure und Bitterstoffe wurden hier kongenial von einem Holunderblüteneis ausgeglichen. Obwohl es somit eigentlich nur zwei Komponenten im Glas gab, bot das Dessert überraschend viel Raffinesse und machte bis zum letzten Löffel Spaß.
Das machen im Hirsch von Familie Renz auch die Weine. Die Positionen auf der Karte bewegen sich zwar noch im zweistelligen Bereich, und bei den offen ausgeschenkten handelt es sich mehr um ordentliche Viertele. Aber auf Nachfrage macht der herzliche, von Ulrike Frick-Renz geleitete Service gerne auch die eine oder andere Besonderheit von weiter her auf – wie zum Beispiel einen Sauvignon Blanc „Seaspray“ aus Marlborough, Neuseeland. Und die, wie im Grunde alles im Hirsch Goppertsweiler, zu einem sehr genussfreundlichen Preis-Leistungs-Verhältnis.
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