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Fotos: Gasthof Zufriedenheit

Gasthof Zufriedenheit

Steinweg 26
06618 Naumburg
03445-7912051

aktualisiert: 06 / 2022
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Di-So ab 11.30 Uhr durchgehend, Mo Ruhetag
Hauptgerichte: 19-36 €, Menüs: 19-148 €

Das geschmackvoll zeitgemäß gestaltete und schon von daher nicht ohne Understatement bescheiden „Gasthof“ genannte Hotel und Restaurant Zufriedenheit im Herzen der Stadt Naumburg ist und bleibt ein lohnenswertes Ziel im Mittelpunkt des nördlichsten deutschen Weinanbaugebietes Saale-Unstrut. Und zwar nicht nur, um in der Stadt mit dem UNESCO-Weltkulturerbe Naumburger Dom komfortabel zu nächtigen, sondern auch aus kulinarischer Sicht. Denn die Küche von Alexander Frömel, der hier seit Juli 2019 als Küchenchef verantwortlich ist, bewegt sich mit ihrem gehobenen Anspruch an Handwerk, Produkt und Frische ganz klar oberhalb des regionalen Durchschnitts.  

Was hier in dem ebenso schick wie schlicht designten Lokal in modernem gehobenem Bistrostil, das quasi Restaurant, Rezeption und Lobby in einem ist, auf die Teller kommt, ist eine zeitgemäße, einfallsreiche Frischeküche, die sich von verschiedensten lokalen Gemüsen über Wild aus thüringischen Wäldern bis zu heimischen Fischen wie dem Saibling oder dem Wels verstärkt der regionalen Produktvielfalt widmet. Allerdings betreibt das Team die kulinarische Heimatpflege nicht dogmatisch und so findet man auch mal einen Seeteufel im Programm, der mit Rote Bete, Macadamianuss und Lakritzaromen umspielt auf schön bissfest-elastischen Tagliatelle liegt.

Oder eben ein von Belper Knolle pfeffrig und schmelzig unterstütztes Carpaccio vom Wagyu-Rind mit Rucola, dem von Yuzu-Creme zitrisch herbe Frische und von Togarashi-Perlen verwegene Würze zuteilwurde. Die Stärken des Teams liegen aber nicht unbedingt in weltumspannender Kreativität, sondern eher in der Solidität, mit der hier gearbeitet wird. So gelingen scheinbar simple Sachen, an die man keine hohen Erwartungen legt, deutlich überzeugender. Zuletzt beispielsweise ein Ceasars Salad in natürlicher und sorgfältiger Machart, bei dem sich das charakteristisch von Parmesan und Knoblauch geprägte Dressing eher leicht (und nicht als dicke Creme) an die knackigen Salatherzen schmiegte. Ergänzt von rustikal knusprig gebratenem Speck und Brioche-Croûtons mit gut passender buttriger Süße, die allerdings fluffig aufgekrosst noch besser gewirkt hätten als in der verwendeten eher durchgetrockneten Form.

Weil sorgfältig gearbeitet wird, gelingt auch ein Feldsalatsüppchen sehr überzeugend, das sauber passiert und mit schön seidig-cremiger Konsistenz sowie überraschend kraftvoll verdichtetem, angenehm herbem Feldsalataroma viel guten Geschmack auf den Teller bringt. Und das mit dem unaufdringlich milden Kokosschaum on top sogar einen ganz originellen Akkord anstimmt. Da fiel auch nicht ins Gewicht, dass die annoncierten Kartoffelcroûtons zumindest in unserem Fall ganz normale Brotcroûtons waren.

So wie bei den getrüffelten Linguine mit Zuckerschoten, jungem Mais und Wilden Kräutern das völlige Fehlen von Trüffelgeschmack gar nicht spielentscheidend war. Denn erstens machten die in eine milde Butter-/Sahnesauce eingelullten bissfesst-elastischen Nudeln im Zusammenspiel mit feinstreifig geschnittenen, kurz ansautierten Zuckerschoten, noch leicht knackigen kleinen Maiskolben und vielen verschiedenen sehr frischen und sehr aromatischen Wildkräutern auch so eine gute Figur – und zweitens waren wir letztendlich froh, dass hier nicht versucht wurde, die fehlende Trüffel mit penetrantem Trüffelöl zu kaschieren. So war es nämlich eine natürliche und schmackhafte Sache.

Voll auf der Höhe zeigte sich das Team zuletzt auch beim Hauptgang rund um zartrosa gebratenes Filet vom Thüringer Duroc-Schwein, dünn und nicht zu dominant ummantelt mit Chorizo, deren pikantes Aroma sich auch prägnant in einem luftigen Saucenschaum wiederfand. Aromatisch gut daran anknüpfend ergänzten ein dezent orangenwürziges Kürbisgratin aus hauchdünnen, leicht bissfest gegarten Scheiben und würzige lila Karotten das Gesamtbild, das ebenfalls auf unkompliziert klare Art überzeugte.

Dort, wo sich die Küche wie beim Nachtisch um Waldmeister-Gelee, Basilikumrahm, Zitrusschmand, Fenchel und Staudensellerie besonders kreativ präsentieren will, lauert wieder Fehlerpotential. Jedenfalls hatten wir uns das in jeder Komponente recht zurückhaltend aromatisierte und mit nahezu naturbelassenen Fenchel- und Selleriestücken auch recht spröde anmutende Dessert etwas expressiver und geschmeidiger vorgestellt. Dennoch pendelt sich das Niveau unterm Strich auch in dieser Saison wieder bei soliden 5 Pfannen ein. Und damit ist der Gasthof Zufriedenheit, der neben sehr vielen guten Tropfen aus der Saale-Unstrut-Region und anderen Anbaugebieten auch ein paar alkoholfreie Alternativen jenseits der handelsüblichen Softdrink-Palette zu bieten hat, weiterhin das erste Haus am Platz und in der gesamten Region.

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