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Fotos: Gasthof Heinzinger

Gasthof Heinzinger

Weiherhauser Str. 1
82216 Maisach (Rottbach)
08165-9942763

aktualisiert: 02 / 2020
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mi-So 12-14 Uhr u. ab 18 Uhr, Mo u. Di Ruhetag
Hauptgerichte: 10-36 €,Menüs: 39-59 €

Nach unserem ersten Besuch in diesem authentischen Dorfgasthaus, das in der Nähe von Maisach im nordwestlichen Umland Münchens liegt, müssen wir uns schon etwas verwundert die Frage stellen, weshalb wir dieses wunderbare Lokal bislang noch nicht kannten. Gastgeber Denis Kleinknecht, der einst in der Brigade von Otto Koch im legendären Le Gourmet die Feinheiten des Kochens verinnerlicht hat, ist hier nämlich immerhin schon seit 2016 am Start und sein traditionsreicher Gasthof Heinzinger vor allem wegen seiner ebenso nachhaltigen wie genussreichen Küche, die irgendwo zwischen regionalverwurzelter Bodenständigkeit und gehobenem kulinarischem Anspruch liegt, ganz nach unserem Geschmack.

Für den Chef sind Regionalität und Authentizität nicht bloß Modeworte. Er bezieht einen Großteil seiner Viktualien aus dem Umland und legt größten Wert auf natürliche, frische Zubereitung. Weder im Gastraum mit seinem Schanktresen und den schlichten Holztischen- und Stühlen noch auf den Tellern geht es in irgendeiner Weise exklusiv zu, aber die Gerichte haben bei aller Bodenständigkeit klar überdurchschnittliches Niveau und oft sogar das gewisse Etwas. Allein für so seltene Schmankerl wie ein gebratenes Kalbsherz in Senfsauce mit Marktgemüse oder gebackenen Kuheuter mit Bratkartoffelsalat lohnt sich die Landpartie hierher.

Man kann hier traditionelle und eher handfeste Gerichte der besseren Art bekommen, die vom aufg‘schmalzten Brotsupperl über einen Schweinsbraten mit Dunkelbiersauce und Kartoffelknödel bis zum „Almschnitzel“ mit einer Panierung aus Gewürzbrot, Bergkäse und Speck reicht. Man kann aber sowohl à la carte als auch im Rahmen des fünfgängigen Gourmetmenüs noch etwas ambitioniertere, zum Glück aber nicht gestelzt und bemüht wirkende Gerichte bekommen. Etwa ein fantastisches Kalbskopf-Carpaccio mit attraktivem Verhältnis von (mehr) saftigem Fleisch und (weniger) gelatinösem Fett, das von seiner Vinaigrette fein zwischen straffer fruchtiger Säure und milder, weicher Nussigkeit (Kernöl, Kürbiskerne…) eingebettet war. Etwas Portulak mit Hanfnuss-Schrot gab dieser schlichten, aber raffinierten Vorspeise noch eine frische Facette.

Wie man mit einfachen Mitteln für bodenständige Finesse und Prägnanz sorgen kann, zeigte auch das vollmundige Sauerkrautsüppchen mit Kartoffelcreme und dünnen krossen Speckkrusteln auf der Tellerfahne. Noch etwas stärker – und in seiner wohlproportionierten und ausdrucksstarken Art locker 6 Pfannen wert – waren die elegant dünnteigigen und mit einer saftig-aromatischen Wildschweinfarce gefüllten Nudeltaschen auf einem Bett aus mit kleinen Birnenwürfeln fruchtig aufgelockerten Rahmsauerkraut, eingefasst von dunkler Jus und heller milder Schaumsauce. Das ebenfalls annoncierte Mokka-Aroma blieb leider sehr im Ungefähren, tat der Sache aber keinen Abbruch. Stark!

Doch das Team Heinzinger kann auch Fisch: Die properen Saiblingsfilets überzeugten schon allein durch ihre gute Qualität und machten neben lockeren Süßkartoffel-Gnocchi und knackigem Romanesco auf ihrer spritzigen Prosecco-Schaumsauce eine gute Figur. Und weil hier so viel Wert auf gute Produkte gelegt wird, ist auch das perfekt gereifte Filet vom Bio-Simmentaler Rind unter einer nussigen Hanfsamenkruste ein Volltreffer, zumal die begleitende Rotweinsauce, die prima zwischen herzhafter Schmorwürze und fruchtiger Säure ausgemittelt war, ebenfalls herausstach. Da spielte es überhaupt keine Rolle, dass das Selleriepüree nach unserem Gusto schon etwas zu salzig und die Selleriechips etwas zäh waren.

Von der eindeutig besseren Sorte ist hier auch der Kaiserschmarrn, der fluffig-zart mit knackiger Mandel-Karamellkruste und aromatischem Apfelkompott in einer gusseisernen Pfanne aufgetischt wird – und notfalls auch für Drei reicht. Wem das zu mächtig ist, der bekommt mit smarten Desserts wie der ebenso luftigen wie kakaosatten Schokoladenmousse im Baumkuchenmantel aparten Abschluss in Slimline-Format. Fürs nächste Mal haben wir uns aber schon die verheißungsvollen Dampfnudeln vorgenommen: Die gibt’s nur donnerstags, werden nach dem „Dampfnudel-Reinheitsgebot“ fabriziert und versprechen höchsten Genuss.

Zu vielen Gerichten passt freilich prima das gute Maisacher Bier, das zurecht bis über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt ist. Die Weinkarte ist aber für einen Landgasthof ebenfalls respektabel bestückt und bietet sogar glasweise eine schöne Auswahl von Deutschland über Österreich bis nach Italien.  



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