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| Mi ab 18 Uhr, Do von 12-14 Uhr u. ab 18 Uhr, Fr u. Sa ab 18 Uhr, So von 12-14 Uhr u. ab 18 Uhr, Mo u. Di Ruhetag |
| Hauptgerichte: 15-44 €, Menüs: 89-119 € |
Trotz, oder vielleicht gerade wegen der beschaulich-ländlichen Lage, eine gute halbe Autostunde nordwestlich von München, ist es dem Gasthof Heinzinger in den knapp zehn Jahren unter der Ägide seines Gastgebers und Küchenchefs Denis Michael Kleinknecht gelungen, eine treue Schar an Stammgästen zu gewinnen. Es sind zumeist bodenständige Feinschmecker, die einfach wissen, was sie an diesem außergewöhnlichen bayrischen Gasthaus haben. Natürlich kann man es sich als ein solches nicht einfach erlauben, auf traditionelle Klassiker wie Wiener Schnitzel, Kässpätzle oder Kaiserschmarrn zu verzichten – die es hier in Referenzklasse gibt! Doch schon die Steakkarte verdeutlicht, welch hoher Eigenanspruch hier allein bei den verwendeten Produkten gehegt wird.
Das kulinarische Aushängeschild des von außen unscheinbaren, schon seit 1389 bestehenden Hauses ist aber das bis zu sechsgängige Gourmetmenü, mit dem der bei Münchner Institutionen wie dem Acquarello oder seinem Mentor Otto Koch gereifte Chef zeigen kann, was er alles auf der Pfanne hat. Zwei Grüße aus der Küche ließen das Potential dessen auch gleich erahnen: eine mit Matjestatar gefüllte Croustade erhielt sowohl durch gepickelte Rote Bete als auch durch Gel von Passionsfrucht verschiedene Säuregrade zur Auflockerung – waldig-erdige Aromen dominierten dagegen beim Zweierlei von Pfifferlingen (gebraten und als Espuma), dem mit einem dünnen, krossen Speckstreifen vom Cornwallschwein wohldosiert deftig zugearbeitet wurde.
Die Vorspeise imponierte ebenfalls, denn was Kleinknecht hier mit viel Fantasie aus der Schweinshaxe zauberte, verdiente den Namenszusatz „2.0“ auf der Karte allemal! Gebettet auf mariniertem Rettich und begleitet von einem mit Wasabi ätherisch angeschärften Erbsenpüree sowie zart knackigen halbierten Edamame, kam das ausdrucksstarke Fleisch unter einem Topping aus Bonitoflocken nicht nur bestens zur Geltung, sondern war auch attraktiv in Szene gesetzt. Den asiatischen Touch der Vorspeise unterstrich auch ein ausgewogener Sojasud und ein Gelee, das mit japanisch anmutender Essigsäure auf sich aufmerksam machte.
Es folgte eine kalte geschäumte Kartoffelsuppe, der schon wenige Tropfen Petersilienöl belebende Würze und mehr Charakter verliehen. Einen markigen kräuterwürzigen Akzent und Temperaturkontrast lieferte auch das „Maggikraut“ Liebstöckel, was in frittierter Form sehr gut harmonierte, als Eis aber mit zu viel dominanter Süße daherkam und somit recht plakativ wirkte. Eine sehr gute Grundidee also, die nur noch etwas mehr Feinschliff gebraucht hätte, um voll einzuschlagen.
Von Denis Michael Kleinknechts Blutwurst waren wir schon in der Vergangenheit begeistert. Und auch diesmal konnten die „Pralinen“ von selbiger mit ihrer durchaus markanten, aber den typischen Blutwurstgeschmack nicht überladenden Würze sowie einer schön cremigen, fülligen Textur unter knackig dünner Hanfnuss-Panierung wieder überzeugen. Dazu brauchte es dann auch nicht mehr Beiwerk als etwas Selleriecreme, ausdrucksstarke Rotweinjus und ein paar Tupfen heller, milder Schaumsauce als kongenial komplementäres Element. Der Chef weiß einfach, wann ein Gericht perfekt ist – nämlich dann, wenn man nichts mehr weglassen kann.
Das funktionierte auch auf dem Teller des Hauptgerichts ganz wunderbar, auf dem ein nicht nur wegen seiner Pulverbeschichtung aus Steinpilzstaub erstaunlich ausdrucksstarkes, saftig rosa gebratenes Kalbsfilet mit bilderbuchmäßigen (kleinen, festen) gebratenen Steinpilzen und erfreulich fettarmem Kartoffelrösti einen klassischen Drei-Komponenten-Akkord hinlegte. Zwar hätte sich hier vielleicht auch noch eine vegetabile Komponente gewinnbringend einbauen lassen, um dem Hauptgang auch noch eine frische, knackige Facette zu geben – er wirkte aber auch so ausgewogen. Und auch dieses Schichtwerk fußte wie zuvor die Blutwurst auf einem süffigen, hell-dunklen Saucenduett.
Zum kreativen Höhenflug setzte die süße Abteilung abschließend mit einer Art Millesfeuilles von Strudelteigschichten und Schokolade an, zwischen die frische Himbeeren und Mascarponecreme geschichtet war – appliziert mit Blüten von Wiesenkräutern und Himbeercrumbles, umgeben von Schokoladenerde und Himbeerstaub. Der eigentliche Clou war hier aber das Eis aus Spargelasche und Kardamom (!), was geschmacklich einem Vanilleeis verblüffend nahekam und dem Dessert die Krone aufsetzte.
Angesichts der makellosen Qualität der Produkte und des souveränen Handwerks, hier und da garniert mit einer wohldosierten Prise Kreativität, vergeben wir heuer den wohlverdienten Bonuspfeil und freuen uns schon jetzt auf weitere Besuche im nordwestlichen Münchner Vorland.
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