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Gasthof Hasen

im Hotel Hasen
Hasenplatz 6
71083 Herrenberg
07032-2040

aktualisiert: 05 / 2020
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mo-Fr 12-14 Uhr u. ab 17.30 Uhr, Sa u. So ab 12 Uhr durchgehend, kein Ruhetag
Hauptgerichte: 11-28 €,Menüs: 35-50 €

In Zeiten, in denen Landgasthöfe mangels Nachfolge schließen müssen, kann man beim Hasen in Herrenberg von einem Glücksfall sprechen. Der Gasthof von Familie Nölly besteht seit mehr als 400 Jahren, drei Geschwister der jungen Generation sind nach sehr guter Ausbildung ins elterliche Haus zurückgekehrt: Gerhard Nölly als Küchenmeister, sein Bruder Arnold als Restaurantleiter und deren Schwester Margit als Rezeptionsleiterin – der Hasen ist nämlich auch ein Hotel mit 66 Zimmern. Die großen Gasträume wurden im vergangenen Herbst behutsam modernisiert, ohne den alten Charakter des Hauses zu kaschieren.

Neben Klassikern der regulären Speisekarte, auf der in Schwaben Maultaschen, Rostbraten und Schweinelendchen nicht fehlen dürfen, gibt es eine ambitionierte Monatskarte, die insbesondere Gourmets anspricht. Mit welchem Anspruch und Knowhow in der Küche gearbeitet wird, sieht man schon beim Start in den Abend, wenn etwa eine Lauchterrine mit Paprikadip, Schinkenchip und gepickeltem Gemüse sowie ein Apfel-Gurken-Chutney mit Schwarzwurzelchip zu Brot und Butter auf den Tisch kommen.

Wie schon in den vergangenen Jahren waren wir auch heuer besonders von den Vorspeisen angetan. Hier eine gebratene Garnele zu einem knusprig gebackenen Krustentierbällchen, umrahmt von allerlei asiatischer Power in einem Rondell aus Mango und Passepierre-Algen mit kräftigem Ponzu-Kick und Ingwer-Vinaigrette. Dort eine sanftere Variation von Fenchel und Orange: geschmort, als Mousse und Salat. Ein Sorbet sorgte zudem für Frische, aufgepopptes Getreide für den Crunch und Aromapower verlieh dem Ganzen mit Curryschärfe präparierter Schafskäse.

Fielen die Hauptgerichte früher manchmal profaner aus, konnte man dies zuletzt nicht feststellen. Jedoch wirkten die Teller etwas überladen und die Kompositionen somit recht komplex. Der Winterkabeljau zum Beispiel kam als großes, saftiges, lockeres Stück, schön abgeflämmt und in einem nicht zu dominanten Liebstöckelöl, das von einer quer über den Teller gelegten Spur von Kalamansi-Gel in Zaum gehalten wurde. Auf der anderen Hälfte des Tellers tummelten sich spanische Kroketten mit saftiger Kabeljaufüllung und gerauchten Aromen, Lauch (geflämmt und püriert), Fischrogen und Erdnüsse. Hier wäre etwas weniger mehr gewesen…

Wie auch beim Fleischgericht mit zweierlei vom Lamm: ein etwas zu lang gebratenes, aber deshalb noch lange nicht trockenes Stück Rücken unter eine Kruste aus Schafskäse und Pinienkernen sowie – in einem Schälchen unter Schaum – ein sehr kräftig gewürztes Ragout aus der Keule. Auf dem Teller: ausreichend Topinambur-Knollen, sautierte Pilze, ausgestochene und aromatisierte Kügelchen vom Granny Smith-Apfel sowie eine Kartoffel-/Heubutter-Espuma. In einer kleinen Sauciere wurde außerdem eine hocharomatische Jus dazu gereicht.

Auch beim Dessert durfte man selbst angießen: eine leicht kräuterige Buttermilch zur Délice von Banane mit Passionsfrucht als Eis, Mousse und Ragout; dazu Biskuit und Crumble mit Schokolade, Petersilie und Kresse garniert. Eine in sich stimmige Komposition, wie uns überhaupt beeindruckt, dass selbst bei vollem Haus samt Nebenräumen mit stark gefragter gutbürgerlicher Küche so „nebenbei“ auch aufwendigere Gerichte gelingen.

Wenn sich die Präzision konsequent durchziehen würde, so wie bei manchen (erklärungsbedürftigen) Kreationen, die sich schon jetzt annährend in Richtung 6-Pfannen-Niveau bewegen können, stünde einer Aufwertung nichts im Wege. Aber auch so kann man im Hasen immer wieder schöne Abende verbringen. Im „Haus der Baden-Württemberger Weine“ gibt es zudem nicht nur solide Tropfen zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis, sondern auch Weine darüber hinaus; zuletzt einen knackigen Veltliner aus dem Kamptal und eine würzige Cuvée aus Okzitanien. Kein Wunder, ist doch Arnold Nölly nicht nur sympathischer Gastgeber, sondern auch staatlich geprüfter Sommelier.



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