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| Mo u. Di ab 18 Uhr, Mi-So von 11.45-14 Uhr u. ab 18 Uhr, kein Ruhetag |
| Hauptgerichte: 17-36 €, Menüs: 32-75 € |
Seit mehr als 400 Jahren schon ist der Hasen im Zentrum von Herrenberg ein Ort der Gastlichkeit. Seit 1985 ist er in den Händen der Family Nölly, die das Glück hatte, dass drei der Kinder top ausgebildet in den Betrieb zurückkehrten, um ihn seit 2019 gemeinsam zu führen. Die Drillingsbrüder Gerhard und Arnold verantworten Küche und Service, die ältere Schwester Margot die Rezeption. Das weitläufige Restaurant bietet seit der Renovierung zwischen viel dunklem Holz auch moderne Akzente und ist stets gut besucht. Das liegt daran, dass die Küche für die vielen Stammgäste einerseits verlässlich Klassiker wie Rostbraten, Kalbsschnitzel und Kässpätzle anbietet, sich im „kulinarischen Spaziergang“ aber auch immer wieder ein bisschen neu erfindet.
Nach einer Einstimmung zu zweierlei Brot und Butter mit einem Schälchen Mozzarella und mediterranem Gemüse hielten wir uns bei unserem jüngsten Besuch erneut an die moderne Abteilung. Erfreulich elegant, weil nicht zu dickflüssig, war die Maiscremesuppe im Weckglas mit Croutons; ordentlich Schmackes hatte sie durch eine rauchige Note dennoch. Dazu wurde auf einer feinherben Paprika-Joghurt-Espuma eine knusprig im Kartoffelnest gebackene Garnele präsentiert.
Eine schöne Vielfalt auf dem Teller war zur geräucherten Entenbrust geboten: Rund um die großen Scheiben mit einer hellen Sauce waren nämlich gleich drei Chutneys arrangiert, in denen die Süße von Ananasstückchen mit der extremen Säure eines Kalamansigels kontrastiert wurde. Spannend auch die zwei Nocken Champignonmousse, deren erdige Würze mit Ingwer aufgefrischt war. Für Süße und Nussigkeit sorgten dazwischen ein schwarzes Sesameis und helle Sesamcracker.
Mit abgewandelten Akzenten spielte das Fischgericht rund um zwei akkurat auf der Haut gebratene Lachsfilets. Prägend war hier das Apfelaroma, das relativ pur in einem Apfel-Chutney, aber auch in einem Calvadosschaum auftauchte und zudem zwischen erdigen und ätherischen Tönen changierend in einem Püree zusammen mit Karotte und Ingwer, das dem Gericht durch seine orange leuchtende Farbe auch optisch guttat. Eine Miso-Chili-Mayonnaise hätte aus unserer Sicht ruhig noch etwas mehr Schärfe vertragen, viel saftig-knackige Power gab es durch eine halbierte Knolle geschmorten Gewürzfenchel. Schade nur, dass die zwei gebackenen Risottobällchen im Inneren etwas klumpig waren.
Dafür waren ähnlich aussehende frittierte Kartoffel-Nussbutter-Bällchen schön fluffig. Sie gehörten zu einem Hauptgericht, das es in sich hatte, denn zum mürbe geschmorten Rinderbäckle breitete sich eine kräftige Madeirajus über alles vereinheitlichend aus. Darin versammelten sich geröstete Sonnenblumenkerne, gebratene Zucchini und Aubergine, am Rand einfasst von einer Spitzpaprikamousse. Nicht zuletzt durch die warme Süße von am Stil geschmorten Kirschen und die gelegentlich aufblitzende Säure von Limonenstückchen gab es daneben aber auch überraschende Aromenkicks.
Mehr Ton in Ton war die aufwendige „Dessertüberraschung“: eine Schwarzwälder-Kirsch-Variation mit einem Sorbet und einer falschen großen Kirsche mit Schoko-Mousse-Füllung, dazu eine weiße Schokoladencreme, karamellisierte Schokolade und ein Törtchen, auf dem manche Komponenten in klein noch einmal aufgenommen wurden – schön!
Immer wieder bemerkenswert ist im Hasen, wie flink und aufmerksam der Service selbst im größeren Trubel agiert. Arnold Nölly, der nicht nur staatlich geprüfter Sommelier ist, sondern inzwischen auch einen kleinen Weinberg bewirtschaftet, öffnet aus dem gut bestückten Weinkeller korrespondierend zum „kulinarischen Spaziergang“ gerne Weine jenseits des Mainstreams, wie zuletzt einen spontanvergorenen „Let it flow“ von der Domaine Flo Busch im Languedoc. Ein Grund mehr, immer mal wieder in diesem Familienbetrieb vorbeizuschauen, in dem man einfach gut versorgt wird.
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