| Mo | Di | Mi | Do | Fr | Sa | So | Mittags |
| Abends |
|
|
|
|
|
||
| Di-Sa ab 17 Uhr, So u. Mo Ruhetag |
| Hauptgerichte: 20-40 € |
So einen Gasthof wie das von Gastgeber-Familie Große seit 2013 im Wulfsen am nördlichen Rand der Lüneburger Heide geführte Exemplar samt Hotelbetrieb und Eventlocation wünscht man sich in jeder Ortschaft. Erst recht in der eigenen Nachbarschaft, denn was das Team um Til Große hier engagiert auf die Teller bringt, ist eine unkomplizierte Küche für jeden Tag, die sich jedoch nicht bloß durch Regionalität und Saisonalität vom Durchschnitt unterscheidet, sondern auch durch Einfallsreichtum und sorgfältiges Handwerk.
Die Lieferanten der Küche werden in der Speisekarte aufgeführt, das Angebot selbst ist vertrauenerweckend klein, die Auswahl tendiert zwischen bodenständigen Traditionsgerichten wie Jägerschnitzel mit Bratkartoffeln, Champignonrahmsauce und Gemüse und kreativer zusammengestellten eigenen Ideen des Chefs, zuletzt etwa einem Vorspeisen-Duett von Lachs und Forelle. Erstere kaltgeräuchert und als Tatar zubereitet, letztere als Mousse, kombiniert mit Apfel und Rote Bete, aromatisiert mit Dill und Meerrettich, knusprig ergänzt von Kartoffelcrunch.
Überhaupt achtet Til Große auf seinen Tellern sehr auf eine gewisse Ausgewogenheit der Texturen. So wird die Beschaffenheit der durch Apfel säuerlich-fruchtsüß gestalteten Sellerie-Cremesuppe etwa mit knusprigen Pancetta-Stückchen und Walnusskernen aufgelockert, Lauchöl fügt zudem noch eine feine würzige Note bei. Schon davor zeigte ein kleiner Kraut-Fleischsalat mit getrockneten Tomaten und Röstzwiebeln, dass hier auch aus wenig viel rausgeholt wird. Und eine schön herzhaft aromatische und nicht bloß sahnige Crème brûlée vom Ziegenkäse bekommt durch mit Granatapfelessig marinierter Feige, gerösteten Pinienkernen und Birnensorbet nicht nur fruchtige Gegenspieler und was Nussiges für den Biss mit, sondern auch einen lebhaften Temperaturkontrast.
Für unkompliziertes Soulfood mit Pfiff hat der Chef ebenfalls ein Händchen, was zum Beispiel nicht nur ein Burger mit hausgemachtem Briochebrötchen, Trüffelmayonnaise und Gurkenrelish zeigt, über dessen Rindfleisch-Patty herzhafter Raclette-Käse schmilzt, sondern auch eine saftige Garnelentoast-Schnitte: mit Garnelenfleisch und einer entsprechenden, mit Sesamkörnern beflockten Farce überbackenes Toastbrot. Für Freunde des gepflegten Fleischgenusses gibt es diverse Steak-Cuts vom getreidegefütterten Black Angus Rind aus Uruguay mit traditionellen Beilagen.
Zu den etwas originelleren Fleischgerichten zählte zuletzt ein Duett von der Heidschnucke, nämlich rosa gebratener Rücken und saftig-zart geschmorte Schulter, die in Begleitung von mit Ratatouille gefüllten Gnocchi-Knödelchen und Blattspinat auf einer Artischockencreme angerichtet waren. Wenngleich uns dieses Gericht ohne die recht plakative Gewürzmischung auf dem Lammrücken und etwas weniger Knoblauch an der Ratatouille-Füllung noch besser gefallen hätte. Zumal auch hier die schön natürlich schmeckende und ausgewogene Lammjus einmal mehr von den sehr soliden handwerklichen Fähigkeiten des Chefs zeugte.
Zu hundert Prozent begeistert waren wir vom Nachtisch „Franzbrötchen Cookie Dough“, quasi einer in der kleinen Cocotte frisch gebackenen und saftig, cremig, duftig, heiß darin aufgetischten Franzbrötchen-Schnecke, gefüllt mit Birnenragout und flankiert von einer Nocke Sauerrahmeis und etwas Schlagsahne. Alleine dafür würden wir jederzeit immer wieder gerne hier einkehren. Wobei Til Große sicher auch aus einer etwas uminterpretierten Birne Helene etwas sehr Schmackhaftes zaubert. Und dass es das alles zu einem bemerkenswert günstigen Preis-Leistungsverhältnis gibt, macht den Gasthof Große nur noch etwas sympathischer.
Um die Pins anklicken zu können, müssen Sie den Zielort näher heranzoomen.