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Fotos: Gasthof Alex

Gasthof Alex

Gösserdorf 25
96369 Weißenbrunn
09223-1234

aktualisiert: 06 / 2025
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mi-Sa ab 18.30 Uhr, So-Di Ruhetag
Menüs: 178 €

Auch wenn es auf den ersten Blick naheliegt, beschreibt „Understatement“ das Konzept im Gasthof Alex gar nicht so treffend. Denn wenngleich hier das „Gasthof“ im Namen Bodenständigkeit suggeriert und der dörfliche Standort in Oberfranken wirklich bemerkenswert abgelegen ist, zielt das Konzept mit einem einzigen Menü rund um größtenteils exklusive Produkte ganz klar auf Fine Dining ab. Und auch die Atmosphäre in diesem Gasthof ist zwar lässig und entspannt, aber weit entfernt von dem, was man in einem typischen oberfränkischen Wirtshaus im Off erwarten würde. Eine Ausnahme stellt da vielleicht nur der Sonntag da, an dem bodenständigere und traditionellere Gerichte vom Holzofen auf dem Programm stehen.

Aber wie auch immer – sicher ist jedenfalls: Domenik Alex hat hier im abgeschiedenen Weißenbrunn gemeinsam mit seiner Partnerin Madelin Häcker als charmante Gastgeberin einen ganz besonderen Genussort geschaffen, an dem sich in behaglich schlicht-elegantem Ambiente auf unkomplizierte Art eine Küche erleben lässt, die man sonst eher in einem deutlich exklusiveren Ambiente erwarten würde. Und genau dieser Kontrast trägt entscheidend zum eigenen Charme des Gasthaus Alex bei.

Ganz in diesem Sinne hat es immer wieder einen verblüffenden Effekt, wenn die ersten, auffallend akkurat und ästhetisch in Szene gesetzten Kostproben als Einstimmung auf dem Tisch landen. Darunter zuletzt beispielsweise eine hauchdünne Tartelette, befüllt mit Langoustinen-Tatar, Krustentiergelee und Bittersalaten, sowie – noch präziser! – ein Cornetto mit Füllung aus Sellerie, Apfel, Walnuss und Rumrosine als federleicht zwischen Würze, Säure und Frucht spielende Miniatur.

Beendet wurde der eindrucksvolle Ouvertüren-Reigen gleichermaßen beschwingt von einem zartsäuerlichen Ceviche von der Forelle, das unter einigen Perlgraupen in einem tiefen Gläschen noch von duftiger Holunderblüten-Espuma und Minzkresse ergänzt wurde. Und von einem auf Eiweißcreme platzierten, soft in Butter confierten Eigelb unter Speckschaum, Croûtons, Speckcrunch und Schnittlauch!

Richtig los ging es dann, in der für die Alex-Küche typisch fokussierten und puristischen Manier, mit kurz geflämmtem Lachs aus Schottland von Loch Duart, der von mild nussiger Maronencreme und Maronen-Couscous ergänzt und von kandiertem Ingwer und einem vibrierend zwischen straffer Frische und Kräuterduft balancierten Vinaigrette auf Trab gebracht wurde. Und der auf diese Art genauso überzeugte, wie das bereits zum Signature Dish avancierte „Bamberger Hörnla“ unter Trüffelquark, eingelegten roten Zwiebelstreifen und frischgrünen Kräutern in einer sanften, erdig-würzigen Trüffelvinaigrette als augenzwinkernd feine Reminiszenz an die Region.

Vom frischen Beginn hin zu einer ganz anderen Charakteristik, ging es dann bei dem auf Kürbisschaum und unter einer papierdünnen knackigen Kürbisscheibe angerichteten Schweinebauch. Mariniert in Honig und Bockshornklee und serviert in einem Gewürzsud mit mundfüllend warmer Spicyness, hatte das deutlich mehr aromatische Wärme und Fülle, ohne dabei aber an Präzision und Klarheit zu verlieren. Generell ist es bemerkenswert, wie abgeklärt und souverän der noch junge Chef seine Gerichte mit verhältnismäßig wenigen Komponenten auf den Punkt bringt. So wie auch beim saftig zart gedämpften und kurz abgeflämmten Zander auf warmem Spitzkohlsalat mit Senfsaat und Schnittlauch, der von einer Nocke Schmand und einer samtigen Beurre blanc mit feinem straffem Säurekern gewinnbringend ergänzt wurde.

Der Hauptgang stellte dann eine gleichmäßig rosa gebratene Tranche vom Onglet mit dessen typisch charakterstarkem und kräftigem Eigengeschmack in den Mittelpunkt – locker beflockt mit knusprigem Panko und Schnittlauch, unterstützt von einer transparent eleganten Jus. Handwerklich typisch akkurat, ja geradezu kunstvoll ergänzt, wurde das Rindfleisch von einem kleinen Mohn-Grießknödelchen mit einem dünnen Knusperchip und eingelegter Topinambur obenauf, sowie von einem Rondell aus kräuterfrischem Tatar von Topimambur und einer seidigen Topinamburcreme, das eher helle, feine nussige Noten beisteuerte. Stark!

Was dann am Ende genauso auch für das markant mit dem Kontrast aus „Black and White“ spielende Dessert galt, bei dem eine helle Schokoladencreme mit zartem Vanilleduft quasi das Tableau für die sehr konzentrierten und puren Aromen eines dunklen Schokoladeneises bildete. Und dessen feine Würze und eigene Säure genügte hier auch vollkommen, um für genügend Spannung zu sorgen.

Ein weiteres Mal zeigte das Team um Domenik Alex damit eine rundum souveräne Performance und lieferte starke Argumente für einen baldigen neuen Besuch. Dann vielleicht auch gleich verbunden mit einer Übernachtung in den hauseigenen Gästezimmern, um noch etwas entspannter den einen oder anderen Tropfen aus der Weinkarte probieren zu können. Auch wenn diese, insbesondere was den offenen Ausschank angeht, durchaus noch ein bisschen ausbaufähig wäre.

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