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Fotos: Gasthaus Weißenbeck

Gasthaus Weißenbeck

Ludwig-Thoma-Str. 56
85232 Dachau (Unterbachern)
08131-72546

aktualisiert: 04 / 2022
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mi-Fr ab 17.30 Uhr, Sa u. So von 11.30-14 Uhr u. ab 17.30 Uhr, Mo u. Di Ruhetag
Hauptgerichte: 16-33 €, Menüs: 50-55 €

Das pittoreske Lokal von Familie Weißenbeck im beschaulichen Unterbachern in der Nähe von Dachau ist für uns so etwas wie der Prototyp eines anspruchsvollem Landgasthofs, wie man sich ihn als Feinschmecker eigentlich immer wünscht, aber leider nur allzu selten findet: bodenständig, aber trotzdem mit gehobenem gastlichem und kulinarischem Anspruch, heimatlich und regionalbetont, aber trotzdem weltoffen. Hier bieten Gastgeberin und Küchenchefin Elisabeth Weißenbeck und ihr Team seit vielen Jahren in schönster Beständigkeit eine nicht nur äußerst fundiert und mit Fingerspitzengefühl zubereitete, sondern auch recht einfallsreich komponierte Küche, die ohne preistreibenden Firlefanz, aber nicht ohne gewisse Finessen daherkommt.

Was hier im Sommer im hübsch angelegten Innenhof, wo es immer opulent grünt, blüht und duftet, und in der kalten Jahreszeit in den behaglichen Gasträumen, von denen der vordere Bereich auf geschmackvolle Art ländlich-rustikal und der hintere etwas gehobener anmutet, so alles aufgetischt wird, macht uneingeschränkt Freude. Und erreicht selbst bei vollem Haus – was nicht selten vorkommt – ein beachtliches Niveau. Das haben die Gerichte nicht durch überbordende Kreativität und kunstvolle Basteleien auf den Tellern, sondern durch die starke Substanz und die handwerkliche Präzision der Zubereitungen.  

Das Kulinarium reicht von herzhaft zupackender Heimatküche à la gefüllte Kalbsbrust mit Kartoffel-Gurkensalat, Zwiebelrostbraten, Wiener Schnitzel oder halbe Freilandente mit Blaukraut und Kartoffelknödel bis hin zur federleichten Italianità. Ein Klassiker aus letztgenanntem Genre, der eigentlich gar nicht mehr aus der Speisekarte wegzudenken ist, wäre beispielsweise der lauwarme Oktopussalat auf Kartoffel-Kräuterstampf. Wobei wir dessen Zubereitung aus der Vergangenheit immer etwas mediterraner und auch facettenreicher in Erinnerung hatten als beim letzten Mal, als vor allem der Kartoffelstampf mehr an einen kräuterlastigen Kartoffelsalat erinnerte. Geschmeckt hat’s trotzdem auch diesmal wieder sehr gut.

Voll auf der Höhe und mit mehr Hintergrundfinessen ausgestattet präsentierte sich aber eine andere Vorspeise, bei der Sashimi von der bayrischen Lachsforelle in taufrischer Art zum Besten gegeben wurde. Die schön dick geschnittenen Tranchen mit festem Biss und klarem Geschmack fanden sich mit Avocadotatar, säuerlich mariniertem Rettich und verschiedener Kresse als lockerflockiges Arrangement auf dunklem Teller wieder und wurden nicht nur von Sesam und Koriander behutsam auf Fernost gedreht.

Solch dezent exotische Exkurse gelingen zwar sehr gut, sind aber eher selten. Meist setzt die Küche auf verfeinerte Regionalität, so wie etwa bei der formidablen Rehpastete mit Schwammerlsalat und Quittengelee oder den unter ihrer dünnen Teighülle prall und süffig mit zart geschmortem Rehfleisch gefüllten Ravioli, die sich nebst ausgesucht kleinen Pfifferlingen in einer geschmeidigen Salbei-Buttersauce suhlen. Ein schönes Beispiel für gelungene mediterrane Gerichte wäre etwa das kross auf der Haut gebratene Filet von der Dorade, die zusammen mit hausgemachten sepiageschwärzten Spaghetti in einem maritimen Bouillabaisse-Sud.   

Ihr gutes Händchen für wohlgelungene Fleischgerichte, die meist deutlich feingestrickter daherkommen, als man es ob der Speisekartenlektüre vielleicht vermuten mag, bewiesen die Herdverantwortlichen bei unserem letzten Besuch zum Beispiel mit der butterzart geschmorten flachen Schulter vom Bayrischen Ochsen, dessen begleitendes Wintergemüse auf den Punkt knackig und sehr aromatisch, der Serviettenknödel wiederum verblüffend locker und fluffig daherkam. Zusammen mit der perfekt beschaffenen reduzierten Sauce auf Kalbsknochenbasis ein wunderbarer Hauptgang.

Der wurde nur noch getoppt vom sehr zart und saftig gebratenen Rücken eines Wildhasen, der neben etwas Schwammerlgröstl und dem Wildfleisch adäquat zuarbeitenden Preiselbeeren schön pointiert von hauptsächlich grünem Gemüse (Bohnen, Rosenkohl, wilder Brokkoli, Grünkohl…) begleitet wurde. Der heimliche Star auf dem Teller war aber eigentlich ein kleiner und wolkengleicher, mit einer Schmelze aus Nussbutterbröseln überzogener Topfenknödel, der mit seiner feinen laktischen Säure ebenfalls perfekt mit dem Fleisch und der dunklen Wildsauce harmonierte.             

Beim Dessert gab’s zuletzt als Kontrast für ein schön saftiges, kakakoherbes Stück Schokoladentarte etwas Mangotatar und Passionsfruchtsauce sowie ein Sorbet aus beidem. Als harmonisierendes Bindeglied, das die Bitterschokolade und die säuerliche Frucht sanft zu verbinden vermochte, fungierte ein rahmiges Sesameis. Und sonst: Professioneller Service, gute internationale Weinauswahl, vorbildliches Preis-Genussverhältnis.

Um die Pins anklicken zu können, müssen Sie den Zielort näher heranzoomen.



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