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Fotos: Gasthaus Müller

Gasthaus Müller

Golterner Str. 2
30890 Barsinghausen (Göxe)
05108-2163

aktualisiert: 07 / 2025
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Do-Sa ab 18 Uhr, So von 11.30-14.30 Uhr u. ab 18 Uhr, Mo-Mi Ruhetag
Hauptgerichte: 27-50 €,
Menüs: 65-90 €

Seit elf Generationen und über drei Jahrhunderte befindet sich das traditionsreiche Gasthaus Müller nun schon im Familienbesitz. Diese beispiellose Kontinuität allein ist bemerkenswert und insbesondere in Norddeutschland mit seiner deutlich weniger lebendigen Gasthauskultur als beispielsweise in Bayern, eine absolute Rarität. Wenn wie in diesem Fall zur langen Tradition auch noch ein gehobenes Qualitätsbewusstsein und Konstanz bei den Küchendarbietungen hinzukommt, wundert es wenig, dass der charmante Familienbetrieb in der Region Hannover und darüber hinaus eine ausgezeichnete Reputation genießt.

Für die Kulinarik zeichnen Chefkoch Rolf Müller und sein älterer Bruder Frank verantwortlich, während der herzliche und zugewandte Service von deren Ehefrauen geleitet wird. Aushängeschild des Hauses ist das zu gastfreundlichen Preisen kalkulierte viergängige Menü, daneben finden sich aber noch weitere traditionelle und leicht zugängliche Gerichte à la carte. Das schafft viel Flexibilität bei der Auswahl und ist ein weiterer Grund dafür, dass die sympathische Adresse sich auch als Ausflugsziel für die Familie großer Beliebtheit erfreut. Für einen Besuch am Sonntagmittag sollte man unbedingt rechtzeitig reservieren...

Stilistisch sind die substanzstarken Gerichte meist ähnlich schnörkellos gehalten wie das rustikale Ambiente, dabei aber alles andere als einfallslos, denn sie können vor allem bei den ambitionierteren Kreationen mit gut durchdachten Akzenten punkten. Das zeigte, nach einem Olivenküchlein mit Parmesancreme, auch das nach klassischer Rezeptur interpretierte Rindertatar mit dezenter Senfnote. Angerichtet wurde dieses allerdings eher ungewöhnlich als Quader, quer über einer Scheibe knuspriger Brioche, ergänzt von Saiblingskaviar, zurückhaltend milder Blumenkohlcreme und einem fluffig ausgebackenen Parmesanbällchen. Ein paar Bittersalatblätter lieferten dazu noch auflockernde Frische und rundeten den mit seiner klaren Struktur und kraftvollem Geschmack erfreulich leicht zugänglichen Auftakt ab.

Etwas fordernder wurden es bei dem folgenden, im Repertoire eines Landgasthofs schon fast gewagten Kohlrabi-Wan-Tan mit einer Farce von Krustentierragout. Flankiert wurde die zarte Kohlrabitasche von außen knackigen und innen minimal glasigen Garnelen und unterlegt von einer zarten Schnittlauchsauce mit Kräuteröl, die beide Komponenten schlüssig zusammenbrachte. Und das solche weltläufigen Gerichte hier genauso selbstverständlich und souverän umgesetzt auf die Tische kommen wie beispielsweise ein Cordon Bleu vom Duroc-Schwein mit Pommes Frites und gemischtem Salat, macht das Gasthaus Müller nur noch sympathischer…

Den üppigen Höhepunkt unseres letzten Besuchs bildete, dramaturgisch sinnvoll, das praktisch zweiteilige Hauptgericht mit einer saftigen Tranche von der Poularde an Sauce Béarnaise als dominantem Mittelpunkt. Üppig ergänzt wurde das auch qualitativ begeisternde Geflügel von einer Entourage aus grünem und weißem Spargel, gebratenen Shiitake-Pilzen und Polenta – alles mustergültig auf den Punkt zubereitet. Als wäre das allein noch nicht genug, fanden sich auf demselben Teller aber auch noch eine gebackene Praline vom Landhuhn unter cremigem Eigelb und schwarzer Trüffel auf etwas Erbsenstampf. Auch das war souverän umgesetzt und zeigte gekonnt weitere Produktfacetten des Geflügels. Für größere Trennschärfe und einen klareren Eindruck wäre es an dieser Stelle jedoch besser gewesen, die beiden Teile separat voneinander zu servieren.

Den süßen Part leitete ein Cheesecake mit Mangochutney und saisonalem Exotic-Sorbet ein, bevor es ähnlich leichtfüßig weiter zu einer Pavlova mit marinierten Erdbeeren, Basilikumsorbet und Vanille-Chantilly ging. Einmal mehr bestätigte die Küche auch hier mit feiner Balance zwischen Fruchtfrische, Kräuterduft und schmeichelnder Süße ihr Gespür für makellos umgesetzte Klassiker. Nur der Anteil an Baiser war hier ein wenig überproportioniert.

Solche Kleinigkeiten ändern aber nichts am durchweg positiven Gesamteindruck. Tatsächlich wurde das Niveau in den letzten Jahren sogar kontinuierlich immer noch ein bisschen weiter angehoben, so dass wir für diese stetige Verbesserung auf ganz unaufgeregte Art erstmals wohlverdiente 6 Pfannen vergeben. Und dabei sicher sind, dass diese als weiterer Ansporn dienen werden.

Um die Pins anklicken zu können, müssen Sie den Zielort näher heranzoomen.



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