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Die-Räucherei

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Fotos: Gasthaus Lege

Gasthaus Lege

Engenser Str. 2
30938 Burgwedel (Thönse)
05139-8233

aktualisiert: 05 / 2022
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mi-Fr ab 18 Uhr, Sa u. So von 12-13.30 Uhr u. ab 18 Uhr, Mo u. Di Ruhetag
Menüs: 44-89 €

Auch auf die Gefahr hin, dass wir uns wiederholen, aber das warmfarbig und wohltuend schnörkellos eingerichtete Lokal von Claudia und Hinrich Schulze im beschaulichen Thönse bei Burgwedel, einige Kilometer nordöstlich von Hannover gelegen, ist für uns wirklich so etwas wie ein Vorzeige-Landgasthaus. Natürlich keines von der rustikalen Sorte, sondern ein elegantes und anspruchsvolles, in dem zu allem Überfluss auch noch richtig gut und auf hohem Niveau gekocht wird. Daran hat sich auch während und nach der Coronakrise nichts geändert, wenngleich der Chef sein Programm etwas gestrafft hat und mittlerweile kein à la carte, sondern nur noch zwei unterschiedliche Menüs anbietet, von denen eines vegetarisch ist.

Und während fortan das Menü „Gaumenfreude“ den gewohnten schnörkellos klassischen Stil von Hinrich Schulze mit Fisch und Fleisch interpretiert, mal als gehobene ländliche Regionalküche, mal in Gestalt französischer Gourmandisen daherkommen kann und immer ganz konsequent auf alles Modische und Verspielte verzichtet, widmet sich die Speisefolge „Gartenliebe“ voll und ganz dem fleischlosen Genuss. Unser ausdrückliches Lob der letzten Jahre, dass die größte Stärke des Chefs die durchwegs überraschend guten und präzise zubereiteten Hauptprodukte sind, sowohl bei „einfacheren“ Dingen als auch bei Exklusivem wie Steinbutt oder Hummer, widerspricht sich nicht mit der aktuellen Feststellung, dass die vegetarischen Gänge vergleichsweise etwas karg anmuten können. Gar nicht unbedingt deshalb, weil hier das klassische Hauptprodukt in Gestalt von Fleisch, Fisch oder Krustentier fehlt, sondern weil die Ausarbeitung noch Luft nach oben lässt.

So fanden wir beispielsweise die Vorspeise um schön aromatische Schafskäse-Mousse mit Radicchio, Malzessig und Einkorn-Cracker von der Idee her sehr stimmig, doch ging die eigentlich spielentscheidende transparente Vinaigrette mit wenigen Punkten des Malzessigs auf dem flachen Teller nahezu unter. So wirkte die Käsenocke mit ein paar Salatblättern drumherum etwas profan und vielleicht hätte man das Tableau auch noch mit etwas Fruchtigem erweitern können. Beim Schwenk ins omnivore Menü waren mit Hummersuppe und Brokkoli-Nocken zwar auch nur zwei Komponenten auf dem Teller, aber das subtanzstarke schaumig-cremige Süppchen und die wolkenzarten aromatischen Nocken hatten so viel Ausdruckskraft, dass man nichts vermisste.                 

Schon vor zwei Jahren hatten wir geschrieben, dass wer die Küche von Hinrich Schulze voll und ganz auf der Höhe erleben will, unbedingt auch Fisch und Fleisch einplanen sollte. Und dieser Feststellung können wir uns diesmal wieder uneingeschränkt anschließen, denn auch der vegetarische Gang mit Stängelkohl, Roten Zwiebeln und Graupen auf einem Sud von geräucherter Zwiebel und Öl aus der Zwiebelasche war zwar durchaus sehr schmackhaft und leicht, blieb in seiner schlichten Art aber relativ unspektakulär. Deutlich mehr Begeisterung konnten wir für den blättrig-zarten Skrei aufbringen, der auf einer sehr guten, subtil mit rotem Curry gewürzten Melange aus Pak Choi, Aubergine und Kokosmilch angerichtet war.

Und so war auch der Hauptgang um rosa gebratene Entenbrust mit schön knuspriger Haut auf Stängelkohl, Belugalinsen und Trüffelsauce rundum befriedigend – und das obwohl die Sauce gar nicht nach Trüffel geschmeckt hat. Doch erstens war das ein wirklich hervorragendes, leichtes, elegant dünnflüssiges und doch kraftvolles Natursößchen von der Ente, wie man es sich für ein dunkleres Geflügel nicht besser wünschen kann, zweitens waren wir heilfroh, dass hier nicht mit Trüffelöl oder Trüffelbutter nachgeholfen wurde.

Die eigentlichen Highlights des letzten Besuchs waren aber die Desserts, die sich beide auf 7-Pfannen-Niveau präsentierten und harmonisch runden Dessertgenuss mit Raffinement boten. Zum einen war da ein Nachtisch um hauchdünn karamellisierte Banane, die sich den Teller mit weißem Schokoladeneis und dunkler Schokoladenmousse teilte und vom spannenden Spiel einer kraftvollen Karamellsauce mit ebenfalls ausdrucksstarken Yuzu-Fruchttupfen profitierte. Zum anderen ein kalt-warmes Dessert um mit einem souffléartigen Mohnschaum gratinierte Blutorangenfilets mit einem Rahmeis von Milchreichs. Köstlich!

In der kleinen Weinkarte sind viele gute Flaschen zu fairen Kursen gelistet. Preistreiber sucht man hier genauso vergeblich wie im sonstigen Angebot, denn das Gasthaus Lege gehört nach wie vor zu den Restaurants mit hervorragendem Preis-Genussverhältnis. Im Offenausschank gibt es gute Einstiegsqualitäten, aber wer der sympathischen, stets strahlend gut gelaunten Gastgeberin Claudia Schulze einfach freie Hand lässt, bekommt zu jedem Gang einen garantiert treffsicher ausgewählten individuellen Tropfen.

Um die Pins anklicken zu können, müssen Sie den Zielort näher heranzoomen.



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