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Fotos: Gasthaus Lege

Gasthaus Lege

Engenser Str. 2
30938 Burgwedel (Thönse)
05139-8233

aktualisiert: 11 / 2025
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Do-Sa ab 18 Uhr, So von 12-14 Uhr u. ab 18 Uhr, Mo-Mi Ruhetag
Menüs: 60-111 €

Dürften wir uns einen reizenden Landgasthof in unmittelbarer Nähe zum eigenen Wohnort zusammenfantasieren – dieser Vorzeigebetrieb am südlichen Rand der Lüneburger Heide käme dem Idealbild schon verdammt nah. Claudia und Hinrich Schulze – sie charmante Gastgeberin, er souveräner Küchenchef – leiten ihr Schmuckstück seit Jahrzehnten mit jeder Menge Herzblut und setzen in kulinarischer Hinsicht auf eine gehobene, aber vollkommen schnörkellos inszenierte klassische Küche, für die ausgezeichnete Grundprodukte selbstverständlich und sorgfältiges Handwerk Ehrensache sind.

Einen souveränen Beleg für die hier zelebrierte unaufgeregte Ästhetik lieferte auch bei unserem jüngsten Besuch schon der Auftakt des sechsgängigen Menüs, für das zugunsten eines hervorragenden Preis-Genuss-Verhältnisses komplett auf aufwendige Apéros oder meist ohnehin obsoletes süßes Naschwerk am Ende verzichtet wird und das ohne Umschweife zur Sache kommt.

Als Begleitung für eine propere, handwerklich präzise zubereitete Fasanenterrine reichte ein nur dezent süßes, federleichtes Quittengelee samt hocharomatischer, ideal temperierter Mousse von Foie gras und etwas Feldsalat völlig aus. Wo andere Köche tief in die Kiste mit den Spezialeffekten greifen würden, setzt Hinrich Schulze hier zum Wohle des Geschmacks souverän auf Frische, Transparenz und natürliche, unverfälschte Aromen – mit eindrucksvollem Ergebnis!

Selbiges lässt sich auch über die Muschelsuppe sagen, deren kräftige, natürliche Basis gewinnbringend subtil mit Safran abgeschmeckt war. So bereitete sie ihrer Einlage aus zarten Venusmuscheln und deutlich jodigeren Miesmuscheln eine angemessene Bühne, und lediglich ein paar Streifen von geschmortem Fenchel setzten dazwischen unaufdringlich mit pikanter Würze und etwas Biss sanfte Akzente.

Zu unserem persönlichen Höhepunkt des Menüs avancierte der sehr saftige Seeteufel, der dank leichter Röstaromen bei gleichzeitig noch glasigem Kern perfekt auf den Punkt gebracht und so mit seiner arttypisch fleischig-elastischen Konsistenz unverwechselbar in Szene gesetzt war. Nordisch flankiert wurde das sonst meist in mediterranem Kontext präsentierte Hauptprodukt von blanchiertem und sanft gedämpftem Grünkohl sowie einer fast etwas zurückhaltenden Dijon-Senfsauce, die nach unserem Gusto durchaus noch etwas zupackender hätte sein dürfen. Doch dieses leise, zarte, elegante ist in gewisser Weise auch die Handschrift des Chefs.

Was dann in der Karte ganz schlicht und einfach als „Schwein“ annonciert war, entpuppte sich auf dem Teller als Duett von ausdrucksstarkem und leider selten verwendetem verstecktem Schulterstück vom Ibérico-Schwein, das auch unter der spanischen Bezeichnung „Secreto“ bekannt ist, sowie geschmolzener Blutwurst. Das besondere Teilstück mit der besonders kräftigen Marmorierung konnte in dünnen Streifen seinen schmelzigen Charakter voll ausspielen, genau wie die erfreulich subtil gewürzte, knusprig-schmelzige Blutwurst, die sich als kongenialer Partner erwies. Ein Stück Zwiebelkuchen und eine zupackende Thymiansauce waren eine sehr adäquate Begleitung und Hinrich Schulze bewies, dass er mühelos auch kraftvoll zupackende Gerichte elegant in Szene setzen kann.

Mit mehr Begleitkomponenten als alle anderen Gänge, aber keineswegs überfrachtet, kamen im Hauptgang zwei saftige, tiefrote Tranchen vom Hirschrücken auf einem Bett aus verschiedenen Wintergemüsen von Rosenkohl bis Sellerie daher. Dem typischen leicht bitteren Nachhall des ausdrucksstarken Wildbrets stellte der Chef eine hervorragende markante Schlehensauce gegenüber, die im Hinblick auf ihre kernige Säure und zurückhaltende Süße überraschend voll und körperbetont war. In Gestalt zarter Mohn-Schupfnudeln wurde noch eine weitere unkonventionellere Komponente eingebaut, die sich organisch einfügte und den Teller äußerst schmackhaft abrundete.

Mit einer knalligen Glasur aus Zwetschgensaft präsentierte sich im süßen Finale eine locker-cremige Panna Cotta, auf der eine Nocke Pistazieneis und eine mit Streuseln ummantelte Praline aus Zwetschgenpaste ohne plumpe Süße platziert waren. Das wirkte vermeintlich harmlos, doch auch hier sorgte das tadellose Handwerk einmal mehr für ein vorzügliches Ergebnis. Und genau dieses viel mehr Sein als Schein macht schon so lange den besonderen Reiz dieser Küche aus. Die ausgesprochen moderaten Preise, die beachtliche Weinkarte und der überaus herzliche, zugewandte Service tun das Übrige. Kein Wunder also, dass sich das Gasthaus Lege ungebrochen großer Beliebtheit erfreut.

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