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Fotos: Fien tu Huus

Fien tu Huus

Strandallee 14
23730 Neustadt in Holstein (Pelzerhaken)
04561-5598996

aktualisiert: 04 / 2022
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Di-So ab 12 Uhr durchgehend, Mo Ruhetag
Hauptgerichte: 14-36 €, Menüs: 55-79 €

Solche Konzepte mögen wir ganz besonders, denn sie sind quasi der Gegenentwurf zu den mittlerweile äußerst zahlreichen Fine-Dining-Veranstaltungen, wo an wenigen Abendenden in der Woche einer Handvoll Gästen ein einziges Menü ohne Auswahlmöglichkeit zelebriert wird, das oft noch nicht mal so herausragend gut ist, dass es das ganze exklusive Getue rechtfertigen würde. Hier, im hübsch herausgeputzten neuen Bistro von Sina und Mario Büsch an der Strandpromenade von Pelzerhaken bei Neustadt in Holstein, also am nördlichsten Zipfel der Lübecker Bucht, wird an sechs Tagen in der Woche von mittags an durchgehend sehr gut gekocht. Zum Lunch zwar etwas einfacher und bodenständiger, aber dennoch mit gehobenem Anspruch an Produkt und Handwerk, ab 16.30 Uhr mit der normalen Speisekarte und dem fünfgängigen Menü dann sogar Gourmet-like. Auch wenn sich der erfahrene Küchenchef und sein Team bei aller Gestaltungsfreude auf den Tellern nicht allzu sehr verkünsteln und lieber die relevanten Dinge im Auge behalten.

So wie sich beim Interieur von der Terrasse bis zu den Toiletten ein roter Gestaltungsfaden durchzieht, wirkt vom Restaurantnamen über die plattdeutsche Mundart in der Speisekarte bis zu den Ergebnissen auf den Tellern auch das kulinarische Konzept wie aus einem Guss. „Fien tu Huus“ steht für feine Heimatküche und so bedient sich der Chef fast ausschließlich guter Produkte, die vor der Haustüre gedeihen und deren Erzeuger allesamt in der Speisekarte genannt werden. Von der „Meddaadskaart“ zum Beispiel der Glückstädter Matjes von der Fischmanufaktur Plotz, die Galloway-Bratwurst von der Bioland Fleischerei Burmeister, die auf Schmandsauerkraut, Kartoffelpüree und Jus serviert wird, oder der vom Fischer Bruno in der Lübecker Bucht gefangene Ostseedorsch, den es als Fisch und Chips mit Limetten-Chimichurri, Pommes Frites und Deichkäse vom Backensholzer Hof gibt. Klingt alles nicht nur fien, sondern schmeckt auch so.

Ziemlich fien ließ sich auch schon die Vorspeise vom aktuellen Menü an, die sich um gebeiztes und abgeflämmtes Filet von der Forelle der Fischerei Reese aus Sarlhusen drehte. In Kombination mit dem eigenen Kaviar machte das festfleischig-glasige, sauber und klar schmeckende Fleisch des Fischs schon an sich viel Spaß, wurde mit marinierter Gurke und einem Sud von Buttermilch und Rapsöl – beides selbstredend aus regionaler Produktion – aber auch pointiert und erfrischend leicht umspielt. Einen schönen Temperaturkontrast und adäquate Süße lieferte zudem eine Nocke Meerretticheis, die jedoch in der Blindprobe auch einfach nur als mildes Rahmeis hätte durchgehen können: ätherische Meerrettichschärfe leider absolut Fehlanzeige. Mit einem solchen markanten Akzent hätte man diesen Gang auch fast schon mit 7 Pfannen bewerten können.

Sehr schön ausgewogen – und zwar sowohl aromatisch als auch haptisch – war das mit einem Limetten-Olivenöl akzentuierte Schaumsüppchen von Erbsen und Minze, welches die bei der Vorspeise vermisste ätherische Frische dann in anderer Form mitbrachte. Und damit auch gut mit dem begleitenden laktisch-säuerlichen „Tatar“ von holsteinischer Quinoa und Jahnckes Ziegenkäse aus Sörup korrespondierte. Besagter Fischer Bruno aus der Lübecker Bucht lieferte sodann natürlich auch den Ostseedorsch, dessen gebratenes Filet beim Menü-Fischgang nicht bloß herrlich zart und saftig, sondern auch schneeweiß und klararomatisch auf dem Teller lag. Und zwar im Verein mit jungen Kartoffeln, Schafskäsewürfeln vom Bioland-Hof Volquardsen, Babyblattspinat, Frühlingslauch und einer süßlich-vanilleduftgrünen Tomaten-Marmelade – allesamt rahmig eingelullt (aber nicht überlagert) von Crème frâiche aus der Produktion der Meierei Horst.

Den mit mildem Speck bardierten und darauf knusprig angebratenen Medaillons vom Bandorfer Hirschrücken assistierten sodann pures Selleriepüree, säuerlich-fruchtig aromatisierte Kieler Austernpilze, knackiger gebratener wilder Broccoli, ein nicht bloß kross-fluffiger, sondern dank herzhaftem Deichkäse auch sehr aromatischer Kartoffelkrapfen und (etwas redundant zum vorherigen Gang…) Tomaten-/Speck-Marmelade. Unterm Strich schon aufgrund der allesamt schön auf den Punkt gebrachten Komponenten ein angenehm differenziert und nicht diffus schmeckender Hauptgang, der zeigt, wie konzentriert hier gekocht wird.

Und ein sehr schmackhafter Abschluss war „Sinas Zitronentarte mit Basilikum“ in Kombination mit „Geesas Salzkaramelleis“: ein mit Zitronencreme, Baiser und Basilikum bestückter knuspriger Mürbteigboden und ein mutig salziges und dennoch harmonisch rund und voll schmeckendes Karamelleis mit schönem Schmelz – wie eigentlich alles hier sehr dekorativ mit essbaren Blüten, Kresse und Kräutern ausgestaltet. Die solide Weinauswahl, die unkomplizierte, freundliche Gangart sowie die moderaten Preise sind weitere gute Gründe, gerne hierher zu kommen.

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