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| Di-Sa ab 18 Uhr, So u. Mo Ruhetag |
| Hauptgerichte: 15-75 €, Menüs: 53-80 € |
Im Duisburger Innenhafen, wo zwischen Rheinbrücke und Museum Küppersmühle einiges an unterschiedlicher Gastronomie angesiedelt ist, macht seit dem Frühjahr 2025 die Wiedereröffnung der Faktorei21 unter der Ägide seines neuen Inhabers und Küchenchefs Christian Krüger sehr positiv von sich reden. Schon seinerzeit im Restaurant Axt in Mannheim hatte uns dieser von seinen Fähigkeiten überzeugt. Hier, an der neuen Wirkungsstätte, setzt er ganz bewusst auf eine sehr legere, unkomplizierte und demokratische Version des Fine dining, was bei der lockeren Gangart des Service und dem unprätentiösen Ambiente anfängt und über die leichte Zugänglichkeit der Gerichte bis zum äußerst einladenden Preis-Genuss-Verhältnis reicht.
Um die günstigen Preise – jedes Gericht kostet nur superschlanke 15 Euro – realisierten zu können, ohne wirtschaftlichen Bankrott zu riskieren, setzt der erfahrene Chef auf eine Produktpalette, für die bewusst auf kostspielige Luxus-Viktualien verzichtet wird. Und auch das passt ja irgendwie sehr gut zum Konzept, mit dem ein möglichst breites Publikum angesprochen und die Hemmschwelle niedrig gehalten werden soll. Denn dass Christian Krüger weder Gänseleber noch Steinbutt noch Rehrücken braucht, um auf überdurchschnittlichem Niveau zu kochen, und das auch vegetarisch, merkt man sofort, wenn die ersten Gerichte auf dem Tisch stehen.
In unserem Fall war das zuletzt ein unter dem Titel „Ackergold“ aus den Leitprodukten Rote Bete, Ziegenfrischkäse und Beurre blanc zusammengestellter Auftakt, bei dem ein gewürfeltes Bete-Ragout mit cremigem karamellisiertem Ziegenfrischkäse unter einer dünnen Folie aus Rote-Bete-Gelee als warmes Löffelgericht daherkam. Aromatisch akzentuiert und süffig eingerahmt von einer milden Meerrettich-Beurre-Blanc, mit dienlicher fruchtiger Süße in stimmiger Dosierung von etwas Heidelbeergel getoppt. Das war nichts Abgedrehtes oder besonders Originelles, bot aber dennoch Gaumenkitzel.
Auch „Asia pur“, eine etwa gleichberechtigte Gegenüberstellung von Hokkaido-Kürbis (als Püree, noch zart knackiges Ragout und Chips) und mit einer pikanten Sauce glasierten gebratenen Riesengarnelen, war ein mit ganz einfachen Mitteln raffiniert gestaltetes Gericht, mit dem sicherlich jeder etwas anfangen kann. Seinen etwas harmlosen asiatischen Twist bekam es wieder von Gel- und Cremetupfen, diesmal Kokos, Mango und Chilimayonnaise.
Ein Kalamansisorbet, auf Zwergorangen im Sud von Holunderblüten-Kombucha erfrischte vor dem Hauptgang mit knackiger, aber wohldosierter und gut eingebundener zitrischer Säure – war aber in punkto Größe und Ausgestaltung fast schon so etwas wie ein Vordessert. Vom mit Koji-Schimmelpilzkulturen gereiften Hähnchen gab’s schließlich ein schön rösch und knusprig gebräuntes, saftiges Stück mit viel Geschmack, das nebst zart knackigem Wirsing und verschiedenen kleinen gebratenen Pilzen von Pfifferling bis Buchenpilz in einer hellen, schaumigen Geflügelrahmsauce baden durfte, die hier und da noch mit etwas Kräuteröl akzentuiert war. Ein gutes Hauptprodukt, ausgewogene Proportionen, natürliche, gut herausgearbeitete Aromen: da blieben keine Wünsche an solch ein gegenständlich umgesetztes Gericht offen.
Auch nicht beim feinfühlig umgesetzten Dessert „Mein Bienenstich“, für das in homogen schaumig-cremiger Konsistenz mit ein paar knusprigen Unterbrechungen die Aromen von Mandel, Honig und Vanille zu einem leichtfüßigen und doch vollmundigen Abschluss verbunden wurden. Auch hier – genau wie bei allen anderen Gängen – eher harmonisch, natürlich und mild als kontrastreich, markant und dynamisch. Aber als solches eben sehr souverän umgesetzt.
Je nach persönlichen Präferenzen könnte man sich also sicherlich ein paar mehr Ecken und Kanten hier und da wünschen, aber nach objektiven Gesichtspunkten bieten Christian Krüger und sein Team hier sehr stimmige, souverän umgesetzte Gerichte auf überdurchschnittlichem Niveau. Und das zu einem bemerkenswerten Preis-Genuss-Verhältnis, was auch auf die individuell zu jedem Gang ausgewählten und glasweise ausgeschenkten Weine zutrifft.
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