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Fotos: TIM´s KITCHEN

TIM´s KITCHEN

Friedrichstr. 22
90762 Fürth
0911-740560

aktualisiert: 09 / 2020
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mo-Sa ab 17.30 Uhr, So Ruhetag
Hauptgerichte: 20-50 €,Menüs: 39-89 €

Positive Überraschung in Tims Kitchen, jenem zu Werners Boutique-Hotel gehörenden Restaurant in Fürths Innenstadt, das wir schon seit ein paar Jahren in unserem Guide empfehlen. Hier wurde unter der Ägide von Küchenchef Tim Reinwald zwar schon immer sehr gut gekocht und auf ausgewählte Produkte engagierter Erzeuger wertgelegt, inzwischen wirkt das alles aber noch um einiges feingeschliffener und organisierter.

Die Küche scheint sich im Laufe der vergangenen Monate seit unserem letzten Besuch etwas stärker in Richtung Fine dining spezialisiert zu haben und hat die Speisekarte auf ein Zwei-Menü-Konzept hin gestrafft – jedoch, und das ist eigentlich das Schöne: ohne dadurch ihre unkomplizierte Lockerheit verloren zu haben. Es gibt eine betont weltoffene Speisefolge mit Fisch und Fleisch und ein rein vegetarisches Menü, die beide als Weltreise konzipiert sind, so dass jeder Gang thematisch in ein anderes Land führt. Als Zugeständnis an jene Gäste, die hier eben doch nur einen Hauptgang essen wollen, gibt es aber nach wie vor zwei oder drei Alternativen: Steak-Cuts vom US-Premium-Beef und Original Wiener Schnitzel.

Vorneweg ging es mit ganz erstaunlich gutem Brot los: schmeckbar lang gereifter Teig, tolle Kruste und saftig-schwere, trotzdem aber lockere und großporige Krume mit feinem Aroma. Dazu ebenfalls sehr feine gesalzene Rohmilchbutter, davon eine naturell und eine als mit Purple Curry aromatisierte Variante. Als Gruß aus der Küche folgte eine kleine, dicke kräuterwürzige Waffel, die beherzt mit Schmand und Saiblingskaviar beladen war. Ein ebenso schlichter wie wirkungsvoller Start, ganz nach unserem Geschmack. Und viel überzeugender als irgendwelche bemüht filigranen Gebilde ohne Ausdruckskraft.

Die erste Etappe der Weltreise führte nach Griechenland und bescherte uns mit gebackenem und fermentiertem Kohlrabi zwei recht unterschiedliche Facetten dieses Gemüses. Einmal als dicke Stücke und eher von seiner erdigen und sanften Seite und einmal als dünne, knackig-säuerliche Scheiben, die als kleine, mit Kalamata-Olive und Schafskäsecreme gefüllte Täschchen drapiert waren und mit frittierter Petersilie dekoriert in einem von Orangenöl fruchtig aromatisierten Buttermilchsud schwammen. Leicht, erfrischend, klar, aber nicht karg.

Im Anschluss wurde Japan von einer Shabu Shabu-Interpretation repräsentiert, die nicht nur Dank des hervorragenden Rindfleischs aus Nebraska von der Dan Morgan-Ranch zu überzeugen wusste, sondern auch mit einem in heller Shiro Shoyu-Sojasauce perfekt wachsweich gebeizten Eigelb und einer sehr guten Ramen-Suppenbasis mit Frühlingslauch. Auf sonstige Einlagen-Exzesse wurde wohltuend verzichtet und so konnte das zarte, buttrige Fleisch, das in den nicht zu heißen Fluten der harmonisch vollmundig-umamiwürzigen Suppe mehr temperiert als gegart wurde, voll wirken.

Auch die Steinbutt-Schnitte in dem thematisch nach Frankreich führenden Fischgang war ein schönes Produkt, dem allerdings von einer großen, im getreidig-flockigen Knuspermantel ausgebackenen Garnele ein wenig die Show gestohlen wurde. Ansonsten blieb auch diese Komposition mit etwas Mangold, Artischocke und Krustentiernage erfreulich puristisch.

Ein großartiger Hauptgang rund um das gute Geflügel von Züchter Lars Odefey aus dem niedersächsischen Uelzen führte schließlich in die Länderküche Mexikos und bescherte uns die Brust, die gefüllte Keule, eine Creme aus der Hühnerleber (als Füllung eines Tortilla-Tacos) und eine fantastische Geflügelsauce. Kraftvoll und doch transparent, in Kombination mit Mais, Avocado und einem gegrillten Steinpilz, stark untermalt von den Aromen einer fruchtig-pikanten Tomaten-Salsa, markanter grüner Jalapeno-Schärfe und Limettenfrische. Das ist auf attraktive Art rustikal und herzhaft zupackend, aber in keiner Weise grob oder plump.

Ähnlich durchdacht wirkte auch der Nachtisch, der mit einem exotischen Aromenmix von Kokos, Limette, Rum, Ananas, Banane, Mango und Tonkabohne an die Gefilde Trinidas und Tobagos erinnern sollte – allein handwerklich war das auf einem Bananenblatt angerichtete Dessert mit allzu hartem Parfait und unreifen Ananas-Würfeln etwas spröde und fiel gegenüber den anderen Gerichten etwas ab. Konnte aber den guten Gesamteindruck nicht schmälern. Klarer Fall: Aufwertung!

In der kleinen, aber sehr ansprechenden Getränkekarte findet man fast alle Weine auch im Offenausschank – darunter mit ausgesuchten Preis-Leistungs-Knallern aus dem Sortiment der K&U-Weinhalle sogar einige interessante Gewächse mit Individualstil. Und wer sich lieber alkoholfrei begleiten lässt, dem kredenzt die Chefin auch mal erfrischend leichte, mit Kräutern aromatisierte Getränke.



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