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Fotos: erasmus bio fine dining

erasmus bio fine dining

Nürnberger Str. 1
76199 Karlsruhe
0721-40242391

aktualisiert: 05 / 2022
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Di u. Mi ab 18.30 Uhr, Do u. Fr von 12-13.15 Uhr u. ab 18.30 Uhr,  Sa ab 18.30 Uhr, So u. Mo Ruhetag
Hauptgerichte: 28-42 €, Menüs: 104-139 €

Auch wenn Andrea und Marcello Gallotti sicher keine ruhmsüchtigen Titelsammler sind, listet ihre eigene Vita und die ihres individuellen Restaurants doch so einige eindrückliche Wegmarken. Denn nicht nur das Label „erstes BIO-Fine-Dining-Restaurant“ schmückt diese Liste, sondern auch die vielzähligen Aus- und Weiterbildungen an anerkannten Landwirtschaftsschulen im In- und Ausland machen deutlich, dass im denkmalgeschützten Gebäude aus der traditionsreichen Bauhaus-Schule Gastronomie auf einem fachlich höchst kompetenten Level geboten wird.

Dass das Ganze nicht zu hochtrabenden kulinarischen Wissenschaftsdebatten führt, sondern ganz bodenständig mit viel Liebe zum jeweiligen Lebensmittel umgesetzt wird, liegt an der herzlich-charmanten Art von Gastgeberin Andrea und Küchenchef Marcello Gallotti. Die kleine Anekdote zu jedem Gang ist da dann auch viel mehr als bloße Information, sondern zeigt auch immer wieder, mit welchem Aufwand und Engagement hier nicht nur gekocht, sondern bereits eingekauft wird.

Denn auch wenn hin und wieder örtliche Lieferanten wechseln, ist beispielsweise die rote sizilianische Garnele aus Wildfang Dauergast auf der Karte und setzt weiterhin Maßstäbe in puncto Produktqualität. Heuer unterstrich deren Vorzüge ein schmelziges, fast schon cremig-seidiges, satt jodig schmeckendes leicht gekühltes Carpaccio als Menüauftakt vehement – mehr Eigendynamik geht fast nicht! Der klug komponierte Kontrast von herrlich phenolischem Olivenöl als Unterbau und flirrender Säure von handverlesenen Zitrusfrüchten sowie ein Feldsalatstrauß on top lieferten dem Krustentier letztlich noch einen vegetabilen Frischepunch und vollendeten diesen puristischen Auftakt in typischer Erasmus-Manier.

Überladene Teller oder dekorativen Tand sucht man hier ohnehin vergebens – das Produkt ist immer der Star! So auch beim gegrillten Bauch vom biodynamischen schwäbisch-hällischen Landschwein, dessen saftigem Fleisch die Küche ein röstig-krosses Äußeres verpasst hatte und der mit einem imposanten Fettanteil pushenden Umamischmelz verbreitete. Für ätherisch-grüne „Belüftung“ sorgten da lediglich wilde gemahlene Fenchelsamen als dezente Würze sowie etwas Creme und gebratene Stängel vom Broccoletto, die dem Fleisch zurückhaltend Unterbau brachten. Aufgeräumte und vielleicht gerade deshalb so überzeugende Produktküche, die uns – so viel schon vorweg – in diesem Jahr in Summe sogar noch einen Tick besser gefiel als in den Vorjahren.

Der von Gastgeberin Andrea Gallotti im Anschluss besonders empfohlene, schlicht als „Meeresfrüchte-Risotto“ annoncierte Zwischengang, machte wiederum deutlich, warum das kleine Team am Herd so individuell aufkocht und das Erasmus vom sprichwörtlichen „Italiener um die Ecke“ meilenweit entfernt ist. Denn nicht nur der als Grundlage dienende Sant’-Andrea-Reis aus individuellem Direktimport kam satt von Krustentiersud aufgeladen und perfekt gegart daher, sondern auch das Ensemble von Jakobsmuscheln, Garnelen, Pulpo, Vongole und mineralisch abrundenden Salicornes war nicht nur opulent portioniert, sondern bot auch geschmacklich maritimen High-End-Genuss. Dass hier ausdrücklich darauf verwiesen wird, die gewinnbringend in der Schale gegarten Krustentiere am Tisch aufzubrechen und in Gänze zu genießen, ist sympathischer Ausdruck des unprätentiösen Ansatzes, der Genuss über Etikette stellt.

Ebenfalls herrlich geerdet war der Braten vom biodynamisch aufgewachsenen Zicklein, medium-rosa auf dem Punkt und mit etwas festerem Biss sowie feinem Eigenaroma ausgestattet, den allein schon die handwerklich perfekt reduzierte Sauce aus den eigenen Knochen adelte. Kleine weiße Bohnen aus Umbrien, etwas Brokkoli und einige Zickleinravioli als zurückhaltende Begleitung – mehr brauchte es da letztlich einfach nicht, um dem hochwertigen Demeter-Produkt zuzuarbeiten und einen ebenso authentischen wie individuellen Gang zu komplettierten.

Und auch wenn das Menüfinale für unseren Geschmack ein klein wenig zu sehr auf der süßen Seite platziert war, änderte auch das Mürbeteigküchlein, das mit Spekulatius-Mousse, Apfelkompott und Kastaniencreme gefüllt den Abschluss komplettierte, nichts an unserem diesjährigen Gesamteindruck und der verdienten Aufwertung.

Wenig überraschend listet auch die Weinkarte fast ausschließlich Bio-Erzeugnisse aus Deutschland, Frankreich und Italien und auch beim Wasser ist Nachhaltigkeit das Stichwort: Das Karlsruher Leitungswasser als Menübegleitung ist nämlich kostenloser Bestandteil des Angebots – eine kleine Spende für die Organisation „Viva con agua“, auf die in der Karte dezent hingewiesen wird, dürfte niemandes Budget allzu sehr belasten. Zumal das Erasmus gemessen an der hohen Qualität von Speis‘ und Trank ohnehin ein sehr gutes Preis-Genuss-Verhältnis bietet.

Um die Pins anklicken zu können, müssen Sie den Zielort näher heranzoomen.



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