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Fotos: Landlust Burg Flamersheim

Landlust Burg Flamersheim

Burg Flamersheim 1
53881 Euskirchen (Flamersheim)
02255-945752

aktualisiert: 03 / 2026
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mi u. Do ab 17 Uhr, Fr-So ab 12 Uhr durchgehend, Mo u. Di Ruhetag
Hauptgerichte: 23-46 €,
Menüs: 43-99 €

Dass das Gourmetrestaurant Bembergs Häuschen auf dem Gelände der Gastronomie Burg Flamersheim seit 2024 Geschichte ist, heißt noch lange nicht, dass hier nicht mehr auf hohem Niveau gekocht wird. Denn auch wenn es keinen separaten Fine-Dining-Bereich mit ausschließlichem Menüprogramm gibt, so serviert das Team um den Präsidenten der ambitionierten Köchevereinigung Jeunes Restaurateurs weiterhin ein Gourmetmenü, dass jetzt nur eben neben bodenständigen regionalbetonten Traditionsgerichten im großen lichten Gasthaus Landlust mit Backsteinwänden und Holzbalken-Architektur serviert wird. Und zwar nicht nur am Abend, sondern auch zur Mittagszeit.

So genießt man seither in ungezwungenem Rahmen auf der einen Seite Rinderbouillon mit Flädle, Eintopf von Kartoffeln und Grünkohl mit Schwarzkümmelöl, Schnitzel vom Kalbsrücken mit Monschauer Senf und Meerrettich zu Bratkartoffeln mit Speck und Preiselbeeren oder Rindersaftgulasch mit Perlzwiebeln, gebratenen Champignons und Semmelknödelscheiben – auf der anderen Seite Dinge wie Entenleberterrine mit Pfirsich-Rosen-Kompott oder Oliver Röders Signature Dish „Herrengedeck“, eine unterhaltsame Komposition von Ochsenschwanz, Wermuth und Apfel, die wir hier in der Vergangenheit schon mehrfach gegessen und beschrieben haben.

Das saisonal wechselnde Gourmetmenü in 4 Gängen kostet aktuell, gemessen am gebotenen Qualitätsniveau schlanke 98 Euro, startet dafür nach Landbrot mit Aufstrich ohne weitere Umschweife gleich mit der Vorspeise. Bei unserem letzten Besuch handelte die von Eismeergarnele, Quitte, Langpfeffer und Estragon – und hat uns nicht so sehr vom Hocker gerissen, wie der facettenreiche Menüauftakt beim Vorjahres-Testbesuch. Das lag zum einen daran, dass die Krustentierchen als „Ama Ebi Garnele roh“ annonciert waren und glasige, jodig-süßliche Premiumware hoffen ließen, tatsächlich aber stark säure- oder lakegegart und deshalb trocken und fest zusammen mit Quittengel-Dots und Estragonblättchen auf ihrem Podest aus Quittenwürfeln und Sagoperlen lagen. Zum anderen war die Komposition zwar schön leicht und frisch, aber auch sehr eindimensional fruchtig. Es fehlten ihr nach unserem Dafürhalten die Zwischentöne, sowohl aromatisch als auch haptisch.

Die Entenleberterrine mit Kräutersalat und Kompott von Pfirsich und Rose wirkte auf dem ersten Blick recht spartanisch, doch hier fehlte rein gar nichts und sie überzeugte durch Präzision und Qualität. Die schön pure, nicht zu stark marinierte und dezent gewürzte Fettleber hatte eine optimale Beschaffenheit, der Kräutersalat war ansprechend mariniert, das Kompott ausgewogen säuerlich-fruchtig und die warme, zart knusprige, buttrige Brioche-Scheibe hätte man sich auch nicht viel besser vorstellen können. Ein tadelloser frankophiler Klassiker also.

Auch die Lachsforelle mit Sellerie und Schnittlauch überzeugte voll. Die auf der Haut gebratene Filetschnitte des Fisches wurde von einer mit haselnussiger und nussbuttriger Selleriecreme gefüllten und mit Hasennussbröseln beflockten Sellerietasche eskortiert und auf einer mit Forellenkaviar und Schnittlauch vermengten Beurre blanc angerichtet. Letztere brachte auch ein schön straffes Säurespiel mit, so dass dieser Zwischengang dynamisch frisch aufgelockert und nicht bloß nussig, erdig und buttrig gewirkt hat.

Oliver Röders Gourmet-Teller kommen vollkommen schnörkellos und unverkünstelt, fast schon pragmatisch daher, überzeugen aber eigentlich immer in den wesentlichen Punkten: Produktqualität, Sorgfalt, Geschmack. So auch der Hauptgang rund um die Produkte Eifler Reh, Getreide, Rote Bete und Apfel. Zwei Medaillons vom Rücken und etwas Filet vom Reh waren ganz naturell und klassisch gebraten in perfekter knackig-zarter, saftiger (und eben nicht wie so oft zu mürber, breiig-trockener…) Konsistenz und wurden von einer fleischig-puren, eher schmorwürzigen und breiten als prägnant zugespitzten Wildjus begleitet. Dafür war die Creme von der Roten Bete fruchtig-säuerlich angespitzt und bot dem Wild und dem ähnlich wie ein Risotto dargebotenen Urgetreide zusammen mit einer Scheibe von geschmortem Apfel das nötige Frischemoment.

Stark fanden wir auch den Nachtisch, eine flache Mousse-Tarte von der Original Beans Schokolade mit einem dünnen Boden aus Nougatkrokant und einem Überzug aus Ganache, die umkreist von eingelegtem Pflaumen und Pflaumengel sowie aromatischen gerösteten Haselnüssen ein sehr attraktives und ausgereiftes Dessert abgab.

Dass die bodenständigeren Gerichte aus dem Gasthaus-Repertoire ebenso empfehlenswert sind, nur bisweilen nicht ganz an das Niveau der Gourmet-Offerten, die hier für unsere Bewertung ausschlaggebend sind, heranreichen können, liegt in der Natur der Sache. Wir schätzen solche „Mischkonzepte“ sehr und sehen kein Problem darin, das eine vom anderen zu unterscheiden und auch bewertungsmäßig zu differenzieren. Immerhin haben heutzutage die meisten Gourmetrestaurants ja auch nur ausschließlich ein einziges, festes Menü zu bieten…

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