| Mo | Di | Mi | Do | Fr | Sa | So | Mittags |
| Abends |
|
|
|
|
|
||
| Do-Mo ab 17.10 Uhr, Di u. Mi Ruhetag |
| Menüs: 255-445 € |
Ohne jeden Zweifel gehört das futuristische Eatrenalin im Europapark in Rust zu den innovativsten und aufregendsten Restaurants in ganz Europa. Wer hier einkehrt, lässt sich auf ein artifizielles und multisensorisches Erlebnis am Puls der Zeit ein, bei dem man während der gesamten Darbietung auf den eigens dafür entwickelten und patentierten „Floating Chairs“ Platz nimmt und durch ein halbes Dutzend an ganz unterschiedlich gestalteten Räumlichkeiten geleitet wird. Dass es angesichts der Flut an visionären, olfaktorischen und akustischen Eindrücken nicht immer leicht fällt, den Fokus auf das Essen zu richten, dürfte dabei den durchschnittlichen Gast im Grunde vor dasselbe Problem stellen wie den Restaurantkritiker, dessen Chronistenpflicht es nun mal ist, sich primär auf die lukullischen Darbietungen zu konzentrieren.
Vor dem Erlebnis wartet man in der Lounge auf den Einlass und bekommt dort die ersten, zuletzt nur mäßig aufregenden Apero-Snacks serviert. Ein getrüffeltes Pastinakensüppchen oder ein mürber Taco mit Tomate, Ziegenkäse und Olive deuteten noch keine größeren Ambitionen der Küche an, die dann erstmals mit dem in einer Tartelette als Ceviche präsentierten Pulpo mit Jalapeñoschaum und Reis greifbarer wurden. In der weiteren Folge reichte man zwischen den vorgetragenen Regeln und Instruktionen für die Gäste eine mit Orange und Shiso abgeschmeckte, leidlich interessante Tomatensphäre, die von dem nächsten Häppchen deutlich in den Schatten gestellt wurde. Auf einem mürben Teig in Fischform hatte das Team um den seit kurzem zumindest konzeptionell auch für die Eatrenalin-Küche verantwortlichen Ammolite-Küchenchef Peter Hagen-Wiest, Thunfisch mit Avocadocreme und Ingwer als Sorbet in kleinteiligen Texturen zu einem wirklich aparten Arrangement drapiert, das in seiner Feinsinnigkeit das namensgebende Adrenalin schon mal leicht in Wallung bringen konnte.
Das erste echte Tellergericht hatte sich das Team von Silvio Germann aus dem Schweizer Mammertsberg als Gastkoch kreieren lassen. Den vielerorts oft bemühten, hier überraschend in klar überdurchschnittlicher Qualität und Frische präsentierten Hamachi kombinierte der mit gelber Bete, einem Kamillensud und einigen geeisten fruchtigen Perlen zu einem bekömmlichen und leichten Einstieg. An spannenden Ecken und Kanten mangelte es dem hochklassigen Beitrag dennoch nicht und das Spiel aus durchaus fordernder Säure im Verbund mit der leichten Bitterkeit des Suds ließ an dieser Stelle eine klare Steigerung des kompositorischen Niveaus erkennen.
Dieses fiel jedoch umgehend wieder ab, denn in einem langatmigen Prozedere von gut zehn Minuten wurden anschließend vier harmlose Gelees zelebriert, die die vier grundlegenden Geschmacksrichtungen bedienten. Dem noch fehlenden fünften Sinn, Umami, war der nächste, japanisch inspirierte Raum gewidmet. Dabei wusste der saftige, leicht geflämmte Kohlenfisch in einer Dashi mit Rettich und Junglauch durchaus zu gefallen, doch auch die auf einer Schnittlauchcreme ruhende Gyoza mit einer Füllung aus Entenklein profitierte erkennbar gut von gebratenen Shiitake-Pilzen und der subtil dosierten japanischen Gewürzmischung Yakumi.
Am Ende eines längeren eingestreuten Showelements rund um einen Raumflug reichte das Team als Erfrischung ein derart kaltes Sorbet von grünem Apfel und Sellerie, dass es die Papillen eher betäubte als sie angemessen auf den Hauptgang vorzubereiten. Selbigen ließ man von einem weiteren Gastkoch entwerfen: Jacob Jan Boerma, niederländischer Spitzenkoch und kreativer Kopf hinter dem Restaurant The White Room in Amsterdam, ließ dazu nicht nur auf einem recht puristischen Teller das magere, knapp gebratene Fleisch vom Iberico-Schwein mit einem Ring aus Creme von fermentiertem Knoblauch anrichten, sondern wagte sowohl mit der meist zu Rindfleisch servierten Kräutermarinade Chimichurri den Blick nach Argentinien als auch mit separat gereichtem Moghrabieh einen Abstecher nach Marokko.
Für den süßen Abschluss wurde auf ein animierend fruchtiges Sorbet von Banane und Passionsfrucht gesetzt, das von einem cremigen Ring aus Caraiba-Schokolade umrundet war, seinerseits mit farbenfrohen Texturen derselben Früchte belegt. Die typisch herben Noten von Pandan wirkten dabei einem allzu gefälligen Eindruck gekonnt entgegen und steuerten ein paar Akzente bei.
Für die Bewertung scheint nicht unerheblich, dass im Laufe eines Abends mit voller Auslastung eine dreistellige Zahl an Personen zu bewirten ist, was der Küche naturgemäß bestimmte Grenzen auferlegt. Dennoch bleiben aus unserer Sicht zwei ernste Mängel bestehen: zum einen wirkt die im Verlauf des Abends praktizierte Stilistik auf den Tellern überaus heterogen und lässt keinen roten Faden erkennen. Zum anderen schwankt das Niveau zwischen den Darbietungen recht auffällig zwischen geradezu profanen Beiträgen einerseits und überraschend elaborierten Gerichten andererseits.
Unstrittig ist, dass seitdem Peter Hagen-Wiest für die Gesamtentwicklung der Kulinarik verantwortlich zeichnet, das Niveau schon binnen kürzester Zeit weiter angehoben werden konnte. Doch vor Herausforderungen wie die oben genannten steht auch er, und es braucht sicher noch eine gewisse Zeit, bis das, was theoretisch und praktisch möglich ist, auch umgesetzt werden kann. Man darf also sehr auf die weitere Entwicklung gespannt sein!
Um die Pins anklicken zu können, müssen Sie den Zielort näher heranzoomen.