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Fotos: Die Reichsstadt

Die Reichsstadt

im Designhotel Die Reichsstadt
Engelgasse 33
77723 Gengenbach
07803-96630

aktualisiert: 07 / 2025
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Di-Sa ab 18 Uhr, So u. Mo Ruhetag
Hauptgerichte: 35-60 €,
Menüs: 69-90 €

Wenn man durch die Altstadtgassen von Gengenbach mit ihren Fachwerkhäusern schlendert und dann vor dem Hotel Reichsstadt steht, ahnt man nicht, wie modern und weitläufig das Gebäude ist, das im 16. Jahrhundert als Brauerei des Benedektinerklosters errichtet wurde. Etwas rustikaler wie auch das Speisenangebot ist die Brasserie Cocotte, elegant mit viel Holz und dunklem Leder das Gourmetrestaurant. Geradezu paradiesisch steht im Sommer der üppig begrünte Gartenbereich zur Verfügung.

Das kulinarische Programm im Haus unter der Leitung von Gerhard Hummel und seinem Küchenchef Mathias Schley scheint im ständigen Wandel zu sein. Bei unserem jüngsten Besuch war die Karte mit je drei Vorspeisen, Zwischengerichten und Desserts sowie fünf Hauptgängen geschrieben, die sich zu einem Drei-Gänge-Menü kombinieren ließen. Besonders gastfreundlich fanden wir auch das Taste-Menü, in dem man sechs Gänge in kleinen Portionen geboten bekam.

Um die für eine Bewertung maßgeblich hochwertigste Auswahl zu haben, stellten wir uns dennoch ein Drei-Gänge-Menü zusammen, das wir mit einem Dessert erweiterten. Ziemlich zügig kamen Brot mit Tomatenbutter und Kräutercreme sowie gleich darauf ein Küchengruß: Ein gut gewürztes Lachstatar war auf eine Kohlrabitasche gesetzt, deren Füllung mit Trüffelfrischkäse nicht nur eine schöne Tartufo-Note, sondern auch eine leichte Schärfe mit sich brachte.

Schon bevor der Wein auf dem Tisch stand, wurde der erste Gang serviert. Eine argentinische Rotschwanzgarnele von sehr guter Qualität, gegrillt und geflämmt, wurde mit einem tiefgründigen Hummersüppchen übergossen, in dessen hellem Schaum vorne Kokos zu ahnen war und sich hinten raus dunkle Würze und Schärfe mit langem Nachhall ausbreiteten. Gut Paroli bieten konnte dieser sehr puristischen Atlantik-Power ein „El Palomar“ Albarino aus der Bodega Zarate von über 150 Jahre alten Rebstöcken mit seinem dichten Aroma.

Etwas leichter präsentierte sich der zweite Gang: Unter und rund um eine große Kugel cremig zerfließender Burrata gab es sautierte Steinpilze, deren erdiges Aroma sich schön entfalten konnte. Überraschend dazu waren Schnitze von fermentierten Weinbergpfirsichen – auch, weil in deren nicht nur süßem, sondern auch würzigem Sud gelegentlich ein Hauch von Knoblauch aufblitzte. Grün-Grasiges kam durch ein Olivenkräuteröl dazu, Frisch-Kräuteriges durch Brunnenkresse obenauf.

Statt eines Duetts vom Maibock oder vom Kalb hatten wir uns als Hauptgang für ein maritimes Doppel entschieden: Seeteufel und Jakobsmuschel. Deren Interpretation brachte eine gewisse kompakte Schwere mit sich, zumal ein sehr französisch-buttriges Kartoffelpüree den Sockel bildete. Sowohl der Fisch als auch die Coquille waren gegrillt oder gebraten und anschließend halbiert worden und mit dem blütenweißen Inneren nach oben gerichtet. Dazu und darüber gab es aber nicht etwa eine säurefrische Beurre blanc oder Vinaigrette, sondern eine dunkle Fischglace, die dem erneut gut gewürzten Gericht einen kräftigen Stempel aufdrückte. Dazwischen waren noch vermutlich ebenfalls gegrillter, längs halbierter grüner Spargel und Croutons, die für ein wenig Crunch sorgten. Insgesamt aber wirkte das Gericht auch in seiner Portionierung recht rustikal.

Umgekehrt verhielt es sich mit dem süßen Ausklang, den wir in seiner reduzierten Ausführung eher als Pré-Dessert gesehen hätten. Dominiert wurde es von einem überproportionalen Basilikum-Joghurt-Eis, das zweifelsohne einen schönen Frischeeffekt hatte. Aber die Beigaben aus weißer Schokoladenmousse, marinierten Erdbeerspalten und Passionsfruchtgel waren dagegen so winzig, dass kein aromatisches Gleichgewicht entstehen wollte. Etwas kleines Süßes hätte uns auch als Extra zum Kaffee gefreut, blieb aber leider aus.

Auch wenn dies der letzte Eindruck war, bleibt die Reichsstadt als verlässliche Genussadresse dennoch in guter Erinnerung. Im vielköpfigen, aber unterschiedlich kenntnisreichen Serviceteam behält die Chefin Carmen Hummel charmant den Überblick und geht sympathisch flexibel auf Sonderwünsche auch bei der Platzwahl ein. Dass der Rhythmus in der Küche bei vielen À-la-Carte-Gästen mal verrutschen kann, ist verständlich.

Die rund 150 Positionen umfassende Weinkarte bietet vieles Gutes zu genussfreundlichen Kursen, aber auch hochpreisige Raritäten. Einige Weine als glasweise Begleitung zu unserem Menü waren sogar hochwertiger als in so manch deutlich renommierterem Gourmetrestaurant.

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