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Fotos: Chefs Atelier

Chefs Atelier

Im Löwental 60a
45239 Essen
0201-64613366

aktualisiert: 01 / 2026
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mi-Sa ab 18.30 Uhr, So-Di Ruhetag
Menüs: 149-199 €

Die Location unweit der pittoresken Altstadt des ländlichen Essener Stadtteils Werden in einer Art Gewerbegebiet, eingeklemmt zwischen Ruhr, Sportplatz und S-Bahngleisen, ist uns schon ein paar Jahre lang durch das moderne fabrikartige Bürogebäude mit dem Casual-Restaurant „Chefs & Butchers“ bekannt. Im etwas versteckt liegenden Souterrain eröffnete hier zu Jahresbeginn 2025 außerdem das ambitionierte „Chefs Atelier“ mit explizitem Fine-Dining-Programm.

Nach dem Einlass, für den mal klingeln muss, geht es in ein klar und modern, dabei auch sehr hochwertig eingerichtetes Restaurant mit grauem Gussboden, zwei geschwungenen schwarzen Holztischen mit 18 Plätzen, großformatigem floralem Bild und offener Küche. Am Herd steht mit Alexander Hoppe ein alter Bekannter, den wir aus dem alten Wuppertaler „Shiraz“ kennen. Durch schwarze Jalousien merkt man im intimen, lufitgen Kreativkokon nichts von etwaiger Kelleratmosphäre, vielmehr gibt es noch eine Sommerterrasse.

Im Loungebereich mit Bar begleiteten den beim vier- oder sechsgängigen Menü bereits inkludierten Aperitif asiatisch inspirierte Kleinigkeiten – allesamt sehr schmackhaft und pointiert, dabei aromatisch nicht durch Würzhochfrequenz überladen. Hamachi kam als Tatar und Scheibe mit Gurkenrelish voller Schmelz und Frische im Teigknusper, süßlich und leicht thronte Karotte mit Ingwerakzenten auf Dashi-Baiser, zupackend fiel ein Bao Bun mit gezupftem Teriyaki-Ibérico und Krautsalatandeutung aus.

Am Tisch startete nach einer pochierten Gillardeau-Auster „No. 2“, die dezent, doch klar jodig auf die frischen Zitrusnoten in einer Dashi-Espuma traf, das eigentliche Menü. Tadellos, was vielleicht immer auch einen Tick brav beinhaltet, fielen in Soja-Limette marinierter Balfegó-Thunfischrücken und Bauch-Tatar mit eindeutig japanischen Condimenten aus. Die Säure von Ponzu fing harmonisch die Süße ein, zu dieser wiederum wirkten als Korrektiv Frische (Gurke, Daikon-Rettich) und Schmelz aus einem Öl von Miso und Kaffernlimette sowie Avocadocreme.

Einfach lecker – das darf man im Ruhrgebiet gewiss ungestraft sagen! – traf auch auf den nächsten Gang zu. Doch meinten wir Hoppes Küche gerade noch als komplexen Wohlgeschmack mit japanisch-asiatischen Kicks zu dechiffrieren? Mitnichten, denn ein absoluter „Schlotzgang“ klarster Zutatendefinition schlug eine tendenziell klassischere, zart mediterrane Richtung ein. Auf Babyspinatcreme lagen drei al dente gegarte Tortellini mit einer Parmesancreme-Füllung, die sich in einem Vin-Jaune-Schaum suhlten, begleitet von einem mit Madeira und altem Balsamico marinierten Trüffelsalat. Und Trüffel wurde hier nicht andeutet, sondern mit massig hauchdünn gehobelten Herbsttrüffeln überraschend intensiv und frisch zelebriert. Ein beglückendes Gericht zwischen dem Tanaro im Piemont, der Seine im Paris – und eben der Ruhr in Essen-Werden.

Exquisite Fischqualität beim perfekt knusprig und saftig auf der Haut gebratenen Wolfsbarsch „petit bateau“ stand im Mittelpunkt der Kombination mit frisch knackigem Hokkaido-Kürbisgemüse in Brunoises, aromatisch abgeschmeckt mit belüftendem Thai-Basilikum und einer gepickelten Scheibe Butternut-Kürbis, worauf noch eine Salat-Andeutung lag. Was noch sehr gefiel, war das Spiel aus dem Kontrast, den der Fisch bestens abkonnte, einer intensiven, beinahe klebrig reduzierten Fischjus zu den sämig-zartschaumigen Frischeaktzenten einer mit Miso und Yuzu abgeschmeckten Sauce Hollandaise.

Diese Spannung – was andernorts oftmals nicht der Fall ist! – konnte Hoppe auch beim Fleischgang, dem letzten herzhaften Gericht der Menüfolge, spielend halten. Dafür reichte es, dass sich auf dem Hauptteller Challans-Entenbrust des Spitzenzüchters Gérard Burgaud aus der Vendée, die er erst gebraten, dann im Ofen finalisiert und nach dem Glasieren mit feingehackten Haselnüssen und Shiso-Blüten getoppt hatte, sowie hochkonzentrierte Entenjus mit Purple-Curry-Hauch lagen. Letzteres ohne Übersteuerung, wie man es musikalisch von Metallica oder Red Hot Chili Peppers-Alben kennt. Auf den Punkt, definiert und schlotzig, rundete den Gang dazu im separaten Schälchen ein Schwarzwurzelragout mit Maronenschaum-Krönung ab.

Den Dessertauftakt machte ein auf die Qualitäts- und Geschmacksspitze getriebener Milchreis. Allein der perfekte Zustand des in Kokosmilch al dente gegarten japanischen Koshihikari-Rundkornreises ließe so manchem italienischem Restaurant die Schamesröte ins Gesicht steigen. Aber dass wir nicht beim Risotto sind, machte die äußerst gelungene Kombination mit Shiso-Eis, Mango-Ragout und Pandan-Gelee mehr als deutlich. Fragil aufgebaut war das Dessert-Oxymoron, ein leichtes Schokoladendessert, das weder artifiziell verkünstelt noch kompakt schwer gelang. Dafür verantworteten sich zur Mousse aus bitterer „Piura Porcelana“-Schokolade nebst Schokochip und Haselnussganache Mandarine als Ragout, Sud und Gel sowie ein Zitronengraseis.

Dass Hoppe im Gegensatz zu vielen Kollegen ein Liebhaber des Süßen ist und sich dem Patissierhandwerk mit gleicher Verve widmet, demonstrierten nach Pré- und Hauptdessert endgültig die exquisiten Petits Fours, bestehend aus Praline, Madeleine, Apfelstrudel, Lebkuchen und Schwarzwälder Kirsch.

Hocherfreulich ist außerdem, dass Alexander Hoppe scheinbar unsere sanfte Kritik beim letzten Shiraz-Besuch unter seiner Ägide angenommen hat, in der wir resümierten, dass er auf seinen Tellern hin und wieder zu viel will und zu viel macht. So fokussiert er sich nun noch konsequenter auf hervorragende Zutaten in reduzierterer, doch nicht minder komplexer und durchdachter Darbietung. Wenn es hier als Zukunftsmusik bei so viel obenstehendem Lob noch Optimierungspotential gäbe, läge es sicherlich in der Erweiterung der recht kompakten, europafokussierten Weinkarte und der Ergänzung um eine selbstgemachte alkoholfreie Getränkebegleitung.

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