???

Fotos: Chalet am Kiental

Chalet am Kiental

im Romantik Hotel Chalet am Kiental
Andechsstr. 4
82211 Herrsching
08152-982570

aktualisiert: 07 / 2020
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mo, Di u. Do, Fr  ab 18 Uhr, Sa u. So 12-14 Uhr u. ab 18 Uhr, Mi Ruhetag (Mittagskarte abweichend)
Hauptgerichte: 20-36 €,Menüs: 38-110 €

In den vergangenen Jahren ging es im geschmackvoll gestalteten Restaurant des familiären Hotels Chalet Kiental in Herrsching am Ammersee aus kulinarischer Sicht etwas unstet zu. Vor geraumer Zeit lobten wir noch die klare kulinarische Handschrift des damaligen Küchenchefs Fabian Höckenreiner und auch dessen Nachfolger Rene Maluck war hier sehr ambitioniert am Werk, konnte aber in den vergangenen zwei Jahren nie so richtig an das hohe Niveau des Vorgängers anknüpfen – dennoch ließ er spannende Ansätze erkennen und kochte zuletzt deutlich verbessert. Nun steht mit Hyusein Hyuseinov wieder ein neuer Mann am Herd, unter dessen Führung wir in diesem Jahr ein Menü erlebten, das uns wieder etwas ratlos zurückließ. Ratlos deshalb, weil man einerseits gute Ansätze erkennen konnte, andererseits aber unerklärliche Nachlässigkeiten überwogen, die das Bild trübten.

Man kann freilich nach wie noch gemütlich einkehren im Chalet Kiental. Das einladende Ambiente des Chalets, der freundliche Service, die Weinauswahl – all das wirkt angenehm persönlich und repräsentiert ein Haus, das sich sehr viel Mühe gibt, individuell zu sein. Die erste Kostprobe aus der Küche mit Garnele, Süßkartoffelpüree und Fenchel kann daran leider nicht anknüpfen: Die Garnele ist zwar qualitativ in Ordnung und saftig gebraten, aber allenfalls lauwarm und auch das stückige Püree hat nur Zimmertemperatur und hinterlässt einen faden, pappigen Beigeschmack. Ein nichtssagender Happen, der zudem schwach umgesetzt ist.

Der erste von fünf Gängen steigert das Niveau dann allerdings erst mal: Die Tranchen vom gebeizten Wildlachs aus Schottland sind nämlich von guter Qualität, kein bisschen fischig, leicht floral und nussig aromatisiert. Cremes von Roter Bete und Avocado passen da gut ins Bild und eine Zitrussauce auf Mayonnaise-Basis umspielt den Fisch mit fruchtigen, würzigen und spritzigen Aromen. Ein kurzweiliger Gang, der auch solides Handwerk erkennen lässt. Ein Lichtblick!

Leider geht es mit der Spargelcremesuppe mit Flusskrebsen wieder rapide bergab. Die Suppe selbst ist dabei nicht das Problem, sie ist gut abgeschmeckt und sämig. Von minderwertiger Qualität sind allerdings die winzigen Flusskrebse, die in der Suppe schwimmen. Im optimalen Fall erreichen diese Krustentiere die Größe eines Daumens und müssen sich aromatisch hinter keinem Kaisergranat verstecken. Die winzigen Exemplare, die hier auf dem Teller liegen, sind jedoch trocken, gummiartig und schmecken beißend nach Konservierungs-Lake.

Ein wenig erfreulicher präsentiert sich dann wieder der Zwischengang mit Zander, Chorizo, Sellerie und Safran. Der Fisch ist diesmal von besserer Qualität, schmeckt reintönig und ist saftig gegart, allerdings überlagert der exzessive Einsatz von Pfeffer sämtliche Aromen. Den Safran, der sich wohl im Selleriepüree hätte verstecken sollen, können wir so nicht herausschmecken und der getrocknete Chorizo-Chip, der nicht wie erwartet knusprig, sondern ledrig-zäh ist, bietet wenig Genuss.

Größere Probleme haben wir auch mit dem Hauptgang aus Milchkalbshaxe, Bries, Polenta und Wirsing. Die Haxe selbst ist trocken, faserig und mit einer Kalbssauce bedeckt, die offensichtlich mit sehr viel Stärke abgebunden wurde und deswegen eine unschön schleimige Textur hat. Das Bries ist zwar grundsätzlich sehr gut und im Kern schön zart und saftig, hat aber weder einen spürbaren Eigengeschmack noch Röstaromen aufzuweisen, die so ein Bries ja erst so richtig attraktiv machen. Die Polenta wurde als Taler gebraten und lässt jede Form von Würzung vermissen. Noch größere Schwächen offenbart der Wirsing, der breiig weichgekocht ist und in einer – abermals! – stärkehaltig-pampigen Liaison badet. Somit leider der Tiefpunkt des Menüs…

Aber auch am Ende nochmal ein Lichtblick: die Käseauswahl vom Affineur Waltmann, der viele Spitzenrestaurants beliefert, ist vorzüglich. Ein Ziegenkäse mit Asche, ein alter und sehr würziger Gouda, ein Rotschmier- und ein Blauschimmelkäse. Alle Sorten sind gut gereift, wohltemperiert und herrlich aromatisch. Trotzdem kann der gute Käseteller natürlich nicht den Eindruck des restlichen Menüs kompensieren, das ansonsten nur ein gutes, ein passables und zwei deutlich mangelhafte Gerichte umfasste. Da wir das Chalet am Kiental sehr mögen, würden wir uns nichts sehnlicher wünschen, als dass das Team am Niveau der Lachs-Vorspeise anknüpft und künftig überwiegend solche Teller produziert, die mit natürlichen Aromen, Frische, Ausgewogenheit und guter Produktqualität überzeugen können.



Das GUSTO-Lexikon der Köche

Hier finden Sie einen Großteil der Küchenchefs, deren Restaurants im GUSTO-Führer empfohlen werden. Das Lexikon wird ständig ergänzt.

Das GUSTO-Ranking der besten Restaurants

Hier finden Sie eine tagesaktuelle Übersicht aller im GUSTO-Führer empfohlenen Restaurants - sortiert nach ihrer derzeitigen Bewertung.