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Fotos: Chalet am Kiental

Chalet am Kiental

im Romantik Hotel Chalet am Kiental
Andechsstr. 4
82211 Herrsching
08152-982570

aktualisiert: 02 / 2022
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mo, Di u. Do, Fr  ab 18 Uhr, Sa u. So von 12-14 Uhr u. ab 18 Uhr (Mittagskarte abweichend), Mi Ruhetag
Hauptgerichte: 20-36 €, Menüs: 38-110 €

Zwischen Braukultur und sonstigen Tourismus-Zielen rund um den Ammersee, die fraglos sehenswert, aber kulinarisch meist nur bedingt reizvoll sind, sticht das charmante kleine Romantik Hotel Chalet am Kiental seit vielen Jahren heraus. Hier verbinden sich ein behaglich elegantes Ambiente mit zugänglicher und doch ambitionierter Küche zu einem Ort, der höhere Ansprüche ans Produkt und handwerkliche Sorgfalt verbindet. An dieser grundsätzlichen Ausrichtung hatte sich über die vergangenen Jahre hinweg trotz wechselnder Küchenchefs nie etwas geändert – wohl aber an der Souveränität und dem Niveau, mit dem die eigenen Ansprüche umgesetzt werden. Nach einer erfolgreichen Phase mit Fabian Höckenreiner und einer schwankenden unter dessen Nachfolger Rene Maluck erlebten wir in der letzten Saison unter Hyusein Hyuseinov einen eher holprigen Einstand und waren deshalb besonders gespannt auf einen neuen Eindruck.

Sicher ist jedenfalls: man sitzt nach wie vor sehr entspannt und gemütlich in den kleinen Gasträumen und wird engagiert umsorgt. Die erste Kostprobe aus der Küche, ein kleines Stück Poularde in Geflügeljus als Appetizer auf dem Gourmetlöffel, zeigte zwar gutes Basishandwerk, aber eben auch nicht mehr. Hier fehlte nach unserer Auffassung zu dem zarten Geflügel mit Sauce noch irgendein weiterer Akzent… Weitaus abwechslungsreicher gelang aber bereits das hauchdünne Carpaccio vom Hirsch, auf dem ein zartes Bouquet aus Babyleafs und Rucola gemeinsam mit Walnuss und Kumquat-Scheiben für markante Kontraste mit einfachen Mitteln sorgte. Dabei waren die relativ dicken Kumquat-Scheiben mit ihrem bitter-ätherischen Aroma zwar etwas vorlaut und das Rohfleisch vom Hirsch kam nur dezent zur Geltung, insgesamt entstand aber dennoch ein animierender herbstlich-frischer Eindruck.

Thematisch ebenfalls herbstlich gehalten, zeigte die folgende schaumig-leichte Topinambursuppe einerseits gekonntes Handwerk mit guter Balance zwischen dichtem Körper und feiner Säure, andererseits war das elegante Süppchen leider von artifiziellem Trüffelöl-Aroma geprägt. Zwar nicht extrem, aber doch so deutlich, dass der Produktgeschmack der Topinambur dabei in den Hintergrund gedrängt wurde und wir einmal mehr darin bestärkt wurden, dass (selbst noch so „hochwertiges“) Trüffelöl eines der überflüssigsten Gourmetprodukte ist, die es auf dem Markt gibt. Denn ohne diese Zugabe hätte das Süppchen zwar sicher anders und nicht so vermeintlich prägnant „trüffelduftig“ geschmeckt, aber nach unserem Gusto ganz sicher besser.  

Licht und Schatten gab es dann auch beim Hauptgang rund um Stör, Rote Bete und Meerrettich: durchweg intensiv aromatisch und individuell auf dem Punkt waren die verschiedenen gerösteten Gemüse von Brokkoli, über Karotte, bis Kürbis und auch der körnig-cremige Graupenrisotto mit Roter Bete traf dazu gut die Balance zwischen erdig und fruchtig. Weniger überzeugend fielen dagegen der wegen gerade noch durchschnittlicher Frische und deutlich verpasstem optimalem Garpunkt eher strohig-trockene Stör (inklusive nicht parierter Transchicht) und der allzu milde, sich schnell verflüchtigende Meerrettichschaum. Das zeigte eine gewisse Nachlässigkeit, sowohl bei der Produktauswahl als auch bei der Zubereitung, die nicht ganz zum selbst formulierten Anspruch passt.

Generell wirkt es so, als wären die eher bodenständigen Gerichte in der Karte, die sich abseits des kreativer und weltoffener gedachten „Chalet Menüs“ bewegen, die bessere Wahl – beispielsweise eine Herrschinger Festtagssuppe inklusive Kalbsbrät, Pfannkuchenstreifen und Gemüse oder ein Tafelspitz vom Milchkalb nebst Bouillongemüse, Spinat und Meerrettich. In diesem Sinne gelang auch der süße Abschluss auf ebenso schlichte wie gekonnte Art wieder deutlich überzeugender und präsentierte uns seit längerem mal wieder eine mit leichter Cremigkeit und hauchdünner Karamellschicht perfekt zubereitete Crème brûlée, deren vanilleduftige Süße von einem kompakt-intensiven Himbeersorbet und roten Johannisbeeren reizvoll aufgebrochen wurde.

Unterm Strich kommen wir damit aber wieder zum gleichen Fazit wie im letzten Jahr, weil die Küche einerseits viele gute Ansätze zeigt, andererseits aber wegen vermeidbarer Nachlässigkeiten den eigenen Ansprüchen hinterherhinkt. Was im Übrigen nicht für die sowohl glasweise als auch bei den Flaschenweinen mit einer guten Mischung aus Basisqualitäten renommierter Erzeuger und hochwertigen, teils auch gereiften Bouteillen aufwarteten Weinkarte gilt. Darin findet sich für beinahe jeden Anspruch und Geschmack etwas Passendes.

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