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| Do-Di ab 18 Uhr, Mi Ruhetag |
| Hauptgerichte: 28-54 €, Menüs: 52-183 € |
Anders als der Tegernsee oder der Chiemsee sind die beiden Münchner „Hausseen“ Ammersee und Starnberger See mit deutlich weniger anspruchsvollen Destinationen gesegnet. Das Romantik Hotel Chalet am Kiental sticht daher schon allein durch seinen Anspruch an feine Hotellerie hervor. Nachdem man in der Vergangenheit einen regen Küchenchefwechsel zu verzeichnen hatte und auch kulinarisch eher in unruhigem Fahrwasser trieb, war der erste Eindruck bei diesem Testbesuch schon einmal ein sehr positiver. Denn mit Marko Vukovic stand derselbe Mann am Herd, der uns auch schon im vergangenen Jahr bekocht hatte.
Dass sich Vukovic hier offenbar gut eingegroovt hat, zeigte bereits ein frittiertes Parmesanbällchen mit Tomatencremefüllung, das die reizvoll frivole und handwerklich durchaus versierte Gangart des Küchenchefs verdeutlichte. Angenehm natürlich und zurückgenommen war auch ein dünn aufgeschnittener Kalbstafelspitz, der behutsam, aber effektiv mit Kürbiskernmayo und Rettichschaum aus dem Siphon verfeinert und akzentuier wurde. Dazu gab es noch eine süßsäuerliche Brombeersauce, der es gelang, den Teller zu beleben, statt ihn mit Süße zu überfrachten.
Noch stärker war eine Gemüseessenz auf Basis von Tomatenwasser mit mild gepickelten Lauchringen, Gurkenstreifen, Radieschen, Karotte und Schnittlauchöl. Geradezu minimalistisch und rein, aber trotzdem dicht und eindringlich genug. Das war in seiner wohlgeratenen Schlichtheit der beste Gang, den wir im Chalet am Kiental seit langer Zeit gegessen haben.
Deutlich rustikaler und simpler, aber ebenfalls sehr schmackhaft waren zwei Garnelen im Tempura-Teig, die mit einer Paprikacreme serviert wurden. Man hätte durch eine luftigere Panierung oder durch qualitativ außergewöhnlichere Krustentiere natürlich noch mehr aus diesem Zwischengang herausholen können. Aber unterm Strich verdeutlichte er trotz seiner Einfachheit, dass die Küche des Chalets am Kiental völlig fehlerfrei und auf handwerklich grundsolidem Niveau agiert.
Sehr erfrischend war in diesem Sinne auch der Wolfsbarsch, der fachmännisch auf der Hautseite gebraten wurde und eine saftige Konsistenz besaß. Dazu gab es eine natürliche Sauce aus den Fischkarkassen sowie aromatische Rosmarinkartoffeln und wilden Brokkoli. Letzterem konnten wir dank Frittieren ohne Panierung und knisternd-krossen Blütenkäppchen an sich zwar viel abgewinnen, hatten aber das Gefühl, dass diese Garung für die einzelne Gemüsekomponente etwas suboptimal ist, weil dem Teller so etwas die Frische abhandengekommen war.
Sehr gelungen präsentierte sich auch die „Tropische Brise" zum Abschluss, die vor allem dank eines sehr natürlich-puren Kiwieises in Kombination mit sanfter Kokossauce und aromatischer Mangomousse überzeugen konnte. Nachdem wir in diesem Menü gleich mehrfach eine klare Verbesserung im Vergleich zu den Vorjahren erlebten, werten wir das Chalet am Kiental auf und versehen es fortan mit Bonuspfeil. Wir wollen aber auch keinen Hehl daraus machen, dass hier noch ein paar weitere Schritte nach vorne notwendig sind, um die ambitionierten Preise zu rechtfertigen, die hier aufgerufen werden. Vor allem der Zwischengang mit zwei panierten Garnelen und ein paar Klecksen Creme wich dann doch deutlich von dem ab, was man hier in Relation zu dem zu entrichtenden Obolus und im Vergleich mit anderen Restaurants derselben Preisklasse erwarten würde.
Sehr gut aufgehoben fühlten wir uns an diesem Abend bei dem Deutsch-Franzosen Christophe Lhermitte, der das kleine Serviceteam versiert und mit gastfreundlichem Humor leitete.
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