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| Mo ab 18.30 Uhr, Di-Fr von 12-13.30 Uhr u. ab 18.30 Uhr, Sa ab 18.30 Uhr, So Ruhetag |
| Hauptgerichte: 44-78 €, Menüs: 139-169 € |
Das elegante Gourmetrestaurant von Carmelo Greco mit seinem moderat modernen Touch stellt einen starken Kontrast zur Umgebung dar, denn eines der besten italienischen Ristoranti auf deutschem Boden residiert im Erdgeschoss eines Wohn- und Geschäftskomplexes gegenüber einem Baumarkt in Frankfurts Stadtteil Sachsenhausen. Letzterer liefert in dessen Tiefgarage praktischerweise kostenlose Parkmöglichkeiten, so dass es immer entspannt ist, hier mit dem Auto anzukommen, weil man weder eine langwierige Suche nach einer freien Lücke noch Strafzettel fürchten muss.
Beste Voraussetzungen also, um die ambitionierte und kreative italienische Küche des Patrons und seines mittlerweile gleichberechtigt genannten Küchenchefs Benedetto Russo in vollen Zügen zu genießen. Die ist in jüngerer Zeit noch ein bisschen ausgefuchster geworden, wirkt handwerklich noch präziser und kompositorisch nicht nur fokussierter, sondern auch durchdachter. Es gibt zwar auch liebgewonnene Klassiker wie die geniale Kreation von Parmigiano-Royale, Erbsen und Espresso-Orangenreduktion im Repertoire, die zuletzt auch im vegetarischen Menü zu finden war, daneben aber mehrheitlich immer viele gute neue Einfälle des Teams.
Schon mit den Apero-Snacks hatte dieses zuletzt im Sinn, typische, eingängige Geschmacksbilder der italienischen Küche auf etwas andere, elaboriertere Art darzubringen und beispielsweise das Flavour einer Pizza Margarita oder eines Insalata Caprese auf Fingerfoodformat zu komprimieren. Mehr aromatischen Ausdruck hatte allerdings das darauffolgende kleine Löffelgericht um Tomatencreme, Brot-Eis, Tropea-Zwiebel und Olive. Fast noch besser hat uns die Streetfood-Interpretation „Palermo-Asti-Francoforte“ gefallen, für die ein Tatar vom Fassone-Rind zusammen mit fein gehobeltem Tuma Persa Käse, Störkaviar, Trüffelcreme und Kräuteröl als Sandwich zwischen zwei zartkrosse Briochescheiben gepackt wurde.
Noch elaborierter, feiner und komplexer, aber in keiner Weise konstruiert und gebastelt, kam als erster warmer Gang eine hervorragende gebratene Jakobsmuschel mit gegrilltem Fenchel daher. Die Muschel war belegt mit etwas Vitello und Tonnato sowie einem Stück Sardelle und eingelegtem Kürbis, was bei bewusstem Probieren verschiedene Geschmacksverläufe bescherte, der Fenchel wurde von der vegetabilen Süße der Petersilienwurzel als Creme und Sud umspielt und damit kongenial ergänzt.
Wie sehr hier die außergewöhnlich guten Produktqualitäten gefeiert und wie feinsinnig die Texturen und Proportionen mittlerweile aufeinander abgestimmt werden, konnte man zuletzt auch an den hauchdünnen, mit einer Farce von Steinpilzen und Ricotta gefüllten Ravioli sehen, die mit dem süßlich-jodigen Fleisch roher Mazara-Garnelen und Scheiben von Norcia-Trüffeln bedeckt auf einer Reduktion von Portwein und Marsala platziert waren. Da griff alles köstlich ineinander, ergänzte sich alles perfekt und es blieb jeder Komponente Raum zur freien Entfaltung.
Dass hier trotz der ausgeprägten eigenen Handschrift oft und gern die einschlägigen Produkte von der Gourmet-Palette den Weg auf die Teller finden, ist nicht spielentscheidend für die hohe Bewertung. Wir sind uns sicher, dass das Team den hervorragenden Fischgang, bei dem ein auf den Punkt gebratener wild gefangener Steinbutt mit den Aromen von Amalfizitrone, Kapernblatt und Pecorino aus Sizilien zusammen mit etwas säuerlich abgeschmecktem Mangold und zarten Gnocchetti in einer milden rahmigen Bagna-Cauda-Sauce baden durfte, auch mit einem weniger exklusiven Hauptdarsteller auf ähnlich begeisterndem Niveau kredenzt hätte.
Aber natürlich darf man dennoch darüber diskutieren, ob es in einem Restaurant, dass erfreulicherweise nicht im Sterneküchen-Mainstream mitschwimmt, sondern sich mit kreativer und trotzdem authentischer italienischer Küche hervortut, unbedingt japanisches Wagyu-Rindfleisch geben muss? Und trotzdem war das schmelzig zarte Stück vom Gunma-Filet, dass da mit einem Püree von der Feige sowie Trüffel getoppt neben einer lieblichen Mousse-Praline von Gänseleber und Feige mit knusprigem Parmesan-Boden, rahmig eingelullten Schwarzwurzelstücken, fließender Kürbiscreme und perfekter reduzierter Glace zum Hauptgang aufgeboten wurde, ein besonderer Gaumenkitzel. Aber auch hier sind wir sicher, dass das Ganze zum Beispiel mit einem Stück vom Chianina- oder Fassone-Rind nicht weniger raffiniert und sogar noch markanter ausgefallen wäre.
Nach einem Cremesorbet von der Mandarine in der eigenen Schale unter Espuma von der Amalfizitrone – beides herrlich aromatisch und sich perfekt ergänzend, zeigte auch die Patisserie mit ihrer Eigeninterpretation einer Cassata siciliana zum Finale nochmal jede Menge unaufgesetzte Kreativität. Und selbst wenn es auf diesem Niveau sicherlich einige Küchen gibt, von denen die Kreationen handwerklich noch akkurater und feingliedriger ausgearbeitet sind, so heben wir die des Restaurants Carmelo Greco in diesem Jahr verdientermaßen mit einem Bonuspfeil aus dem Gros der 8-Pfannen-Riege heraus.
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