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Fotos: Brockel Schlimbach

Brockel Schlimbach

im Burgrestaurant Nideggen
Kirchgasse 10 a
52385 Nideggen
02427-9091066

aktualisiert: 07 / 2022
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Fr u. Sa ab 18 Uhr, So von 12-13.30 Uhr, Mo-Do Ruhetag
Menüs: 125-140 €

Die Auffahrt hinauf zur mächtigen Burganlage und zum Burgrestaurant Nideggen mit gleich zwei Outlets, Biergarten, Veranstaltungsraum, Take-away ist eindrucksvoll. Bekommt man in der kleinen Gourmetstube, für deren Leistung die beiden Köche Tobias Schlimbach und Herbert Brockel gemeinsam zeichnen, einen Tisch mit gutem Blick nach außen, fühlt man sich ein bisschen wie ein Burgherr des Mittelalters. In jedem Fall kann der Gast hier die Mischung aus rustikaler Tradition (holzvertäfelte Wände) und Moderne (weisse Sessel mit Fellauflage sowie Bilder mit erotischen Motiven an den Wänden) bewundern.

Dass es für die wenigen Gäste nur ein Menü gibt, ist nachvollziehbar. Dass es mit einer Summe zwischen 135 und 155 Euro (fünf oder sechs Gänge plus diverse Kleinigkeiten) durchaus stattlich bepreist ist, fällt auf. Dafür kann man was erwarten. Und es fängt gut an! Zunächst gibt es mal die Tomatenvariation in Gestalt einer sauber gehäuteten Tomate mit aromatischer Brunnenkressecreme, einen Caipirinha mit Tomate, aber ohne Alkohol, und ein schmackhaftes Tomatenkompott mit Sardelle. Das ist alles sehr gut gemacht und ein schöner Auftakt.

Drei Sorten beachtlich gutes Brot kommen im Anschluss mit Zitronenbutter und Erbsencreme als Aufstrich daher. Eine Karotte in Texturen besteht schließlich aus Karottencreme, gegarter Karotte, Karottenröllchen, Chili-Popcorn sowie Schnittlauchöl und zieht ihren Reiz insbesondere aus der Tatsache, dass jede Komponente sehr gut und individuell abgeschmeckt ist. Bei einem weiteren vegetarischen Gang, der aus Aubergine, Fenchelstreifen, Kichererbsen und einem alles bedeckenden Ziegenkäseschaum besteht, fehlt dann leider der rote Faden. Das ist ein sympathischer offizieller Einstieg ins Menü, aber trotz des erfreulich säuerlich-würzigen Kräutersuds kein Geniestreich.

Viel spannender wirkt danach die reizvolle Kombination aus Morcheln und Spargel, weil die sehr guten Pilze eine feste, würzige Füllung besitzen, weil der Spargel (der letzte der Saison!) ausgezeichnet gegart und gewürzt ist, weil dünne Scheiben der Frühlingsrübe dem Ganzen auch noch einen animierenden Frischekick liefern. Die Lachsforelle ist ein saftiges, offenbar bei Niedertemperatur sehr kontrolliert gegartes Stück, das mit einer handwerklich tadellos umgesetzten Haselnuss-Beurre-blanc und Walnüssen, erfrischendem grünem Apfel und Selleriepüree auf Porzellan geschickt wird. Fein!

Die Kalbsbrustwürfel in einem dichten Sud mit einer Dampfnudel und einer dünnen Scheibe von der zarten Kalbszunge obenauf, sind ein perfekt saftig auf den Punkt gebrachtes, süffiges und aromatisch zupackendes Vergnügen. Vielleicht eher ein Winter- als ein Sommergericht, aber sei’s drum, wenn es so herzerwärmend gut schmeckt, wie in diesem Fall. Außerdem waren Kalbsbrust und Kalbszunge eine perfekte Einleitung für den Hauptgang…

Denn bei dem ging es mit einer großartigen Produktparade feinster unpopulärer Teile vom Kalb weiter, nämlich mit Nierenzapfen, Bries und Sparerib, die dann gemeinsam auch eines der Highlights des Menüs bildeten: allesamt tadellos gegart und gewürzt und von einem Dreierlei vom Blumenkohl in Gestalt von Creme, einer Art Couscous und eines angebratenen Stücks flankiert. Das aus Amaranth bestehende Bällchen bringt dem Ganzen indes keinen sonderlichen Mehrwert, die Jus dazu ist fruchtig und recht füllig.

Der Preis für den besten Gang des Abends geht allerdings überraschend an das Joghurtsorbet mit Erdbeersüppchen, Walderdbeeren und etwas Langpfeffer – das ist frisch, nicht zu süß und eindeutig gewürzt. Gekochte Sahne ist schließlich das Bett für Himbeeren, Basilikumsorbet und Paprikaschaum, die darauf ein erfreulich kontrastives Miteinander zwischen Frische und Fülle feiern. Und schließlich ist auch die Trilogie an Süßigkeiten zum Kaffee erfreulich: Kirschsüppchen, eine recht süße Kirschmarmelade mit weißer Luftschokolade und eine mit Nougat gefüllte, in einen hauchdünnen Teigmantel gehüllte und ausgebackene Kirsche.

Insgesamt also wieder ein ansprechendes, wie immer hier eher kraftvolles als feininniges Menü, aufgetragen von herzlichem Service, angenehm saisonal inspiriert und handwerklich souverän umgesetzt. Ein paar kreative Einsprengsel und das eine oder andere noch etwas spannendere Produkt wären dem Gesamterlebnis allerdings auch nicht abträglich. Wir sind jedenfalls schon gespannt auf den nächsten Besuch!

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