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| Di-Sa von 12.30-13.30 Uhr u. ab 17.30 Uhr, So u. Mo Ruhetag |
| Hauptgerichte: 22-40 €, Menüs: 69-99 € |
Kein Wunder, dass das Hotel Papa Rhein schon seit geraumer Zeit auf dem Nachbargrundstück mit umfangreichen Anbau- und Erweiterungsmaßnahmen beschäftigt ist, denn dieses Haus boomt seit seiner Eröffnung im Sommer 2020. Mit der tollen Lage direkt am Rheinufer, der großzügigen Terrasse mit Ausblick auf die Weinberge und das Niederwalddenkmal auf der anderen Flussseite ist das ein echter Hotspot in der Region. Und überhaupt sucht das ganze Hotel, in dem sich das Thema Sand und Wasser wie ein roter Faden stilprägend durchs Gebäude zieht, in dieser Gegend seinesgleichen.
Besonders attraktiv ist für uns das luftig im Vintage-Style designte Restaurant respektive die dort gebotene Küche, für die federführend kein Geringerer als Nils Henkel verantwortet. Der ist ein Koch, den wir bereits zu den allerbesten in Deutschland gezählt haben. Aber gerade die Tatsache, dass er und sein Küchenchef Michel Gietz hier mit ihrem Team eben kein exklusives Spitzenrestaurant bekochen, sondern mit ihrer Expertise ein deutlich bodenständigeres, familientaugliches Gastronomiekonzept realisieren, noch dazu eines mit zwar gehobener, aber durchaus sehr moderater Preisgestaltung, macht es in unseren Augen so interessant.
Man kann hier nach Herzenslust von einer gut bestückten Karte mit knapp zwanzig Offerten, die von simpleren Sachen wie „Bootshaus-Salat“ oder „Segler Snack“ bis zum Kalbstatar mit cremigem Eigelb, grüner Sauce und Remouladenschaum oder Knurrhahnfilet mit Knuspergarnele, Spitzpaprika und Chorizosud reichen, à la carte auswählen. Auch einige kreative vegetarische Optionen wie die „Aubergine Marrakesch“ mit Mojocreme, Taboule und Kräutern in Escabechesud, für die Nils Henkels Kochkunst zurecht überregional bekannt ist, stehen immer zur Disposition.
Zuletzt begeisterte uns das Team mit einer Vorspeise rund um gebeizte und geflämmte Tranchen von der Gelbschwanzmakrele, die auf einem Sockel aus überraschend interessant und pointiert schmeckendem Gemüsetatar (dominant: Rote Bete und Paprika…) thronte und von gegrillter Avocado sowie Avocadopüree eskortiert wurde. Verschiedene Sesamkörner sowie Salzmandeln setzten dazwischen verschiedene nussige Akzente, etwas mayonnaiseartige Creme auf dem Fisch und eine mit Kräuteröl marmorierte Vinaigrette mit samtiger Struktur und viel Geschmack hielten alles mit Schmelz zusammen und sorgten zudem für milde Hintergrundtiefe.
Man erkennt auf jedem Teller sofort, dass hier ein klares Konzept zugrunde liegt und die Kreationen von jemandem komponiert wurden, der genau weiß wie’s geht. Der perfekt saftig und festfleischig-zart auf den Punkt gebrachte Seeteufel etwa war mit einem von Vogelmiere bis Schafgarbe vielsortig bestückten Wildkräutersalat getoppt, in dem zudem geröstete Buchweizenkörner für Crunch und nussige Akzente sorgten. Und er thronte auf einem Rote-Bete-Risotto, der nicht nur eine optimale Beschaffenheit mitbrachte, sondern auch mit Säure und Fruchtigkeit zugespitzt war. Im Zusammenspiel mit einer nicht minder markanten roten Traubensenfsauce ergab das einen spannend dynamischen Background, der den robusten Fisch aber nicht überhöhte.
Nils Henkels Kreationen, von denen sich manche nach wie vor frappierend nah an seinen gefeierten Meisterwerken bewegen, wie man sie noch aus dem Restaurant Schwarzenstein oder einem seiner Kochbücher kennt – nur eben etwas gröber gefasst und mit geringfügig breiterem Pinselstrich aufs Porzellan gebracht – sind stets markant und ausdrucksstark. Und auf den Tellern wird grundsätzlich sehr viel geboten.
So auch beim Hauptgang, der sich um das Fleisch vom „Riedgockel“ aus der Zucht des Ochsenschläger Hofs mit Mais und Chicorée drehte: Vom Geflügel gab’s da nicht nur eine proper festfleischige Brusttranche, sondern auch ein saftiges und eigenaromatisches Stück mit röscher Haut aus der Keule und ein mit Currymayonnaise akzentuiertes Geflügelküchlein. Der Mais fand sich als gegrillte Körner auf einer Art Semmelknödel-Würfel und als flächig auf den Teller gestrichenes Püree auf dem Teller wieder, der Bittersalat als im Ganzen in Orangensaft geschmortes Stück und als Confit. Kraftvoll untermalt und vertieft durch eine mit Vadouvan aromatisierte reduzierte Geflügeljus war auch das ein facettenreiches und in jedem Detail handwerklich und geschmacklich überzeugendes Gericht, das sich eigentlich schon am oberen Ende der 7-Pfannen-Skala bewegte.
Und auch die Desserts erleben wir seit Jahren auf hohem Niveau, was diesmal durch einen pink glasierten Zwetschgen-Donut nebst rotem Shiso-Sorbet, Schokoladenganache und eingelegten Zwetschgen bestätigt wurde. Hier hätte man allenfalls kritisieren können, dass der Komposition ein wenig Saftigkeit gefehlt hat, denn der köstliche Zwetschgensaft war nur in homöopathischer Dosis in die runde Tellerrille gegossen.
Und auch sonst sind es, wenn überhaupt, allenfalls solche Kleinigkeiten, die man finden könnte, wenn man nach dem Haar in der Suppe suchen wollte. Da die Küche des Bootshaus Restaurant aber ohnehin schon für deutlich mehr Sein als Schein steht, wäre solches Erbsenzählen hier ganz und gar vermessen. Auch die Weinkarte bietet sehr viel Gutes, nicht nur aus dem Rheingau, und ernstzunehmende alkoholfreie Alternativen gibt es ebenfalls einige.
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