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Fotos: BOK – Brust oder Keule

BOK – Brust oder Keule

Melchersstr. 32
48149 Münster
0251-9179656

aktualisiert: 08 / 2020
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Di-Fr ab 18 Uhr, Sa von 12.30-15 Uhr u. ab 18 Uhr, So u. Mo Ruhetag
Hauptgerichte: 33-39 €, Menüs: 68-110 €

Das nette Souterrain-Restaurant hört nach wie vor auf den Namen „Brust oder Keule“, jetzt aber mit der Abkürzung „BOK“ im Logo. Auch sonst ist so ziemlich alles neu hier: die Gastgeber, aber vor allem auch das jetzt deutlich hellere, moderner und aufgeräumter wirkende Ambiente. Geblieben ist die ambitionierte Küche unter der Leitung von Küchenchef Manfred Roß, der hier zuletzt richtig stark aufkochte und sich mit einigen Kompositionen bereits in den 7-Pfannen-Bereich vortastete.

Viel fehlte wirklich nicht! Ein mit mariniertem weißem Spargel, Verbene und Salzzitrone bestückter Knusperchip, ein mit Tatar vom Heilbutt gefülltes Filoteig-Röllchen mit einer Art Hollandaise zum Dippen und eine herzhaft-schmorwürzige Lammfleischpraline stimmten handwerklich fundiert mit Fingerspitzengefühl gefertigt und vor allem sehr schmackhaft auf das Menü ein. Es gibt insgesamt sieben Gänge, die man entweder alle nimmt, oder sich selbst zusammenstellen kann, was man essen möchte.

Qualitativ überraschend guter Thunfisch, roh mariniert und in erfreulich dicken, fleischigen Tranchen portioniert, lag bei unserer Vorspeise zusammen mit gelben, offenbar eingelegten Tomaten, einem mit Miso-Mayo, Avocadocreme und Zitrus-Gel betupften Brotchip, verschiedenen Kräutern und etwas Zitrus-Kaviar am Rande eines grünen Gazpacho-Suds, der dieser Vorspeise Frische, Leichtigkeit und eine gewisse, an Schnittlauch erinnernde grüne vegetabile Schärfe verlieh. Sehr fein!

Dass hier mit klassischer Substanz und Können gekocht wird, konnte man auch gut an der sehr kraftvollen, fast schon röstwürzigen Fischsuppe schmecken, die rahmig gebunden und luftig aufgeschäumt mit attraktiver Einlage in Gestalt von Rotbarbe, Zander und Wildgarnele sowie einem kleinen luftigen Brotkissen als verfeinerte Version des Croûton daherkam. Womöglich hätten etwas weniger aromatische Konzentration und eine etwas leichtere Bindung das Süppchen noch eleganter und ausgewogener wirken lassen – schlecht war das aber auch so nicht...

Die gute Produktqualität, die auf den BOK-Tellern richtig Bock macht, konnte auch die nachfolgende große Zander-Tranche eindrucksvoll dokumentieren: die war festfleischig, klararomatisch und noch einen Hauch glasig auf einem süffigen Bett aus Perlgrauen angerichtet, an deren Rand die rahmige helle Sauce und eine dunkle Jus zu tiefem, geschmeidigem Wohlgeschmack ineinanderflossen. Und dafür, dass es nicht zu dicht und breit auf dem Teller zugeht, sondern vielmehr locker, leicht und frisch, sorgten nicht nur Kohlrabi und Pfirsich, sondern auch ein Verbene-Gel, das zusammen mit etwas Gel vom Pfirsich fruchtig-säuerliche Kotrastpunkte setzte.

Eingeläutet von einem zarten Schmorkompott unter einer mit Kirschreduktion, Schnittlauchöl und winzigen superkrossen Kartoffelcroûtons applizierten Haube von Kartoffel-/Schnittlauch-Espuma kamen schließlich auf dem Hauptteller des Hauptgangs Rehbock-Medaillons daher. Die lagen zwar schön punktgenau rosa gebraten, aber überraschend hell und aromatisch ausdrucksschwach auf einem auch nicht gerade sehr arttypisch schmeckenden Rucola-Püree auf Kartoffelbasis, denen aber von eingelegten Pfefferkirschen und gebratenem weißem Spargel schmackhaft zugearbeitet wurde.

Deutlich mehr Ideenreichtum und Aussagekraft kam dann aber schon wieder mit dem Dessert auf den Tisch. Einer ziemlich starken Komposition von der Münsterländer Erdbeere mit weißer Schokolade, Süßholz und Fenchel, bei der überraschenderweise vor allem das immer sehr heikle, hier jedoch mit viel Fingerspitzengefühl eingesetzte ätherisch-süßlich-würzige Lakritzaroma in Kombination mit dem als geschmortes „Kraut“ und Sorbet eingesetzten Fenchel für einen spannenden Akkord verantwortlich war.

Das Team hier hat wirklich was drauf und ist sehr ambitioniert! Das konnte man auch an den individuellen drei hausgemachten Kleinigkeiten zum Kaffee sehen und schmecken, die das Menü ebenso niveauvoll ausklingen ließen, wie es begonnen hatte. Die ansprechende europäische Weinkarte hat ihren Schwerpunkt bei Deutschen Gewächsen, aber auch gute Alternativen aus Österreich, Frankreich, Spanien und Italien. Alles fair und trinkfreudig kalkuliert.

Um die Pins anklicken zu können, müssen Sie den Zielort näher heranzoomen.



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