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| Di-Sa ab 17.30 Uhr, So von 11.30-13.30 Uhr, Mo Ruhetag |
| Hauptgerichte: 20-40 €, Menüs: 36-120 € |
Das heimelige Wort „Stuben“ sollte nicht zu der falschen Annahme führen, dass es sich um ein rustikales Lokal mit entsprechender Wirtshausküche handelt. Vielmehr sind die erst 1998 eröffneten Bestenheider Stuben im gleichnamigen Ortsteil von Wertheim ein zeitgemäß ausgestattetes Hotel mit allen Annehmlichkeiten und eben einem zugehörigen Restaurant mit einer modern ausgerichteten Küche, für die mit Lars Häfner jüngst ein erfahrener und ambitionierter Küchenchef gewonnen werden konnte. Bei einer Einkehr freitags oder samstags ist (auf Vorbestellung!) sogar ein bis zu achtgängiges Degustationsmenü erhältlich, während an allen anderen Tagen und auch ohne Anmeldung eine etwa zwanzig Gerichte umfassende Auswahl à la carte offeriert wird.
Daraus stellten wir uns eine saisonal geprägte Menüfolge zusammen, die mit klassischem Rinderfilet-Carpaccio eingeläutet wurde. Dafür wurde Rohfleisch, das, obwohl es sehr dünn aufgeschnitten war seinen mineralischen Geschmack gut behaupten konnte, unter erstaunlich viel Beiwerk in ansprechender Optik platziert. Neben reichlich Frisée und Parmesanchips fiel dabei vor allem die Vielzahl verschiedener eingelegter Pilze auf, unter denen der Buchenpilz eine Hauptrolle einnahm. Das war prinzipiell eine sehr gute Idee auch durchaus schmackhaft – mit optimaleren Proportionen (weniger Pilze und sonstiges Beiwerk, etwas dicker geschnittenes Fleisch…) hätte man aber aus dieser Idee auch noch mehr rausholen können.
Mehr Fingerspitzengfühl ließ die Küche bei einer kühlen Gazpacho erkennen, in der sich Texturen von Gurke und Tomate als Einlage wohltuend bemerkbar machten. Die typischerweise mit Tomate und Paprika aromatisierte kalte Rohkostsuppe überzeugte uns allein schon durch die optimale Temperierung und die vorzügliche Konsistenz, doch als eigentlichen Clou fügte die Küche noch ein Basilikumsorbet hinzu, das mit seiner intensiven duftigen Kräuterwürze und einer sehr dienlichen Süße eine spannende Komplementärwirkung entfaltete.
Ein mediterranes Geschmacksbild zeichnete auch das Hauptgericht: mit perfekt gebratener Lachsforelle, bei der das Fleisch unter der pergamentdünnen krossen Haut wunderbar schmelzig und saftig blieb. Den Geschmack des Mittelmeers brachte das Podest, auf dem der Fisch angerichtet war, auf den Teller: ein herzhaftes Ragout von mürben Artischocken mit Tomatenpesto, Knoblauchblüten und Oliven; frittiertes Kartoffelstroh on top sorgte zudem für auflockernd knusprigen Texturkontrast. Nur die arg zahme, rahmige Beurre blanc, die durchaus noch straffere Weißweinsäure vertragen hätte, blieb bei diesem ansonsten hervorragenden Gericht ein wenig hinter den Erwartungen zurück.
Wer sich noch Kapazitäten aufspart, kann zum süßen Finale ebenfalls sehr apart angerichtete Desserts bestellen. In unserem Fall drehte sich das um eine luftig-schmelzige Mousse von Holunderblüten und ein erfrischend schlankes, cremiges Limetteneis auf Sauerrahmbasis, die durch fein eingearbeitete Details wie Minze, Trauben, Himbeergel und Gelee von Brombeere, die mit Ätherik und straffer Säure für erfrischende Momente sorgten, als gelungene Komposition zur vollen Entfaltung kamen. Außer knusprigen Crumbles von Joghurt und Hafer bereicherte auch noch etwas Schmelz von weißer Schokolade diesen sehr gut abgestimmten Nachtisch, bei dem alle Komponenten geschmeidig ineinandergriffen und trotzdem alle Aromen schön freigestellt waren.
Die Küche bedient also durchaus gehobene Ansprüche, bleibt aber auf dem Teppich, ist sehr zugänglich und voll mehrheitsfähig. Und dank einer gut sortierten Weinkarte ist es auch kein Problem, für jeden Anlass und für jedes Budget den jeweils passenden Inhalt für die Gläser zu finden. Umso schöner, dass das alles auch noch zu kulanten Preisen zu haben ist.
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