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Fotos: Bauernstuben

Bauernstuben

im Hotel Ochsen-Post
F.-J.-Gall-Str. 13
75233 Tiefenbronn
07234-95450

aktualisiert: 01 / 2026
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mo ab 18 Uhr, Di-Sa von 12-14 Uhr u. ab 18 Uhr, So Ruhetag
Hauptgerichte: 13-60 €,
Menüs: 60-100 €

Während hierzulande immer mehr uniforme Fine-Dining-Adressen aus dem Boden schießen, an denen mehr oder weniger überall dasselbe gekocht, oder oft vielmehr arrangiert wird, sterben solche traditionsreich gewachsenen, bodenständigen und dennoch kulinarisch niveauvollen Gasthäuser wie die 1694 errichtete Ochsen-Post im Herzen von Tiefenbronn langsam aus. Umso mehr Freude macht ein Besuch in den charmant verwinkelten, authentisch nostalgischen Räumen mit urigen, dunkel verwitterten Holzbalken, wo auf die elegant gedeckten Tische eine auf souveränem Handwerk und hohem Produktanspruch basierende Küche geboten wird, die überwiegend ganz traditionell und regional, manchmal auch etwas zeitgeistiger und weltläufiger ausfällt, insbesondere aber im heimischen und bodenständigen Bereich begeistert.  

Auch wenn es auf der fast schon anstrengend umfangreichen Karte, die hier jedoch niemanden abschrecken sollte, auch den einen oder anderen Fischgang gibt – Peter und Theo Jost zelebrieren hier ganz bewusst eine überzeugte Fleischküche. Vor allem die Fans kraftvoll zupackender, rustikaler Köstlichkeiten werden hier ganz besonders glücklich. Zumal dann, wenn man seltene Innereien oder weniger populäre Charakterstücke von Rind, Schwein oder Geflügel liebt. Hier sind die Chefs so qualitätsbewusst und so fachlich versiert zugange, dass man fast schon sagen muss: wenn nicht hier, wo dann! Denn die ebenso heimatverbundene wie weltoffene Küchenrichtung in den Bauernstuben zeichnet sich auf jedem Teller durch Produktqualität und Substanz aus. Die eigene Backstube und das im Hause trocken oder im Fettmantel gereifte Fleisch sind nur ein Beispiel dessen, was hier an Aufwand betrieben wird, um vom Einfachen das Beste auf die Teller zu bringen.

Und zwar meist in mächtigen Portionen, was man zwar vorher wissen, aber niemanden davon abhalten sollte, nach Herzenslust zu bestellen. Wie gesagt, man kann sich hier besten Gewissens der hochqualitativen Fleischeslust widmen und sich „Unsere Lieblingsstücke“ aus den eigenen Reiferäumen zu Gemüte führen. Als Vorspeise vielleicht eine Rarität wie den vier Jahre gereiften, über Buchenholz geräucherten Wagyu-Rinderschinken spanischer Provenienz, der mit Tomate, Rucola und Röstbrot aufgetischt wird, oder ein durchaus unübliches „Surf and Turf“ von Schweinskopf und Salzwassergarnele, für das der klassische Presskopf carpacciodünn aufgeschnitten, mit einer fruchtfleischigen Tomatenvinaigrette nappiert und mit knapp glasig gegrillten Garnelen getoppt wird. Auch an der gebratenen panierten Blutwurst vom befreundeten Metzgermeister mit Apfel und Sauerkraut oder den mustergültigen Maultäschle mit Schmelzzwiebeln und Kartoffelsalat kommen wir hier nur schwer vorbei.

Dass hier nicht nur auf die Fleischqualitäten Verlass ist, sondern auch auf die von heikleren Produkten aus dem Meer, bewiesen zuletzt auch wieder gebratene Jakobsmuscheln, die zusammen mit Garnelen einen vietnamesischen Sojasprossensalat mit Mango eskortierten. Allerdings zeigte diese etwas dumpf und nicht sonderlich finessenreich schmeckende Melange auch, dass die größten Stärken der Bauernstuben-Küche nicht in solchen exotischen Ausflügen liegen. Wer auf Nummer Sicher gehen will, bleibt thematisch im Ländle, du dem wir aus kulinarischer Sicht auch das benachbarte Elsaß unbedingt noch zählen würden – und wird beispielsweise mit einer tadellosen, puren Entenleberterrine aus selbstredend eigener Fabrikation mit aromatischer Pflaumensauce und dickblättrigem Feldsalat belohnt. Danach eventuell eine junge ausgelöste Taube mit gebratener Gänseleber, Blattspinat, Périgord-Trüffelsauce und Bratkartoffeln?

Das ist dann von den Produkten schon relativ exklusiv, aber von der Machart her weit von elitärer Gourmetküche entfernt. Nicht weniger attraktiv sind aber auch traditionelle gutbürgerliche Sachen wie die mustergültigen Sauren Nierle in kraftvoll dichter, aber alles andere als plumper und breiter Sauce, die mit animierender Säure und Fruchtigkeit nicht nur die zarten Kalbsnierchen köstlich einlullt, sondern auch die frisch vom Brett geschabten schlotzig-buttrigen Spätzle. Wobei die so gut sind, dass man sie auch ganz ohne Sauce mit Genuss essen kann. Sie passen aber auch hervorragend zum Schmorduett aus Backe und Schwanz vom Rind nebst tiefgründiger Rotweinsauce – auch so ein Hausklassiker mit Kultstatus.

Auch wenn man danach den Gürtel etwas weiter schnallen muss, sollte auf ein Dessert nie verzichtet werden. Vor allem, wenn hausgemachtes Zwetschgenparfait mit lauwarmen frischen Zwetschgen auf dem Programm steht. Sehr gut haben uns die Zwetschen letztens aber auch auf einer feinherben Crème brûlée zu erdnussig-karamelligem Snickers-Eis gefallen. Und in der Weinkarte findet man neben alltagstauglichen Tropfen aus Württemberg und Baden auch Hochherrschaftliches, Gereiftes, etwa aus Frankreich. Und das, wie alles hier, zu absolut angemessenen Preisen.

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