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| Di-Sa ab 18 Uhr, So u. Mo Ruhetag |
| Menüs: 79-109 € |
Das Restaurant von Inhaber und Küchenchef Chris Bastian Draisbach in den engen Gassen der beschaulichen Ortschaft Dorheim, die zu Friedberg in Hessen gehört und eine knappe halbe Autostunde nördlich von Frankfurt liegt, ist seit Jahren eine sichere Bank für Feinschmecker, die es nicht übermäßig pompös mögen. Was in dem gediegenen Gastraum mit lauschigen Terrassenplätzen im Innenhof davor geboten wird, ist durchaus ambitionierte Gastronomie, aber eben nicht zu exklusiv. Gekocht wird schon mit Gourmetanspruch und zu entsprechenden Preisen, aber es geht trotzdem moderat und eher entspannt zu, die Küche ist nicht allzu fordernd, es kann im Grunde jeder etwas damit anfangen.
„Bastian's Menü“ gibt’s auch vegetarisch, daneben bietet der Chef oft noch eine saisonale Speisefolge wie beispielsweise ein Spargelmenü. Egal, für was man sich entscheidet, zunächst wird mal herzhaftes Selbstgebackenes aufgefahren, wie in unserem Fall eine Bierstange und Röstzwiebelbaguette mit Gewürzbutter. Die Kleinigkeiten zum Apero, ein Spargelsüppchen, ein Parmesan-Churro mit Creme von fermentiertem Knoblauch, oder ein kräuterwürziger Perlgraupenrisotto mit Radieschen, zeigten gleich, dass hier tendenziell eher kraftvoll abgeschmeckt, aber nie übers Ziel hinausgeschossen wird.
Wie farbenfroh und facettenreich die Gerichte sein können, machte dann gleich mal die Vorspeise mit Tataki vom Kaninchenrücken klar, dessen Tranchen mit Verschiedenem von Blumenkohl und Holunder auf und um ein flaches rundes Podest aus Couscous angerichtet waren. Dunkle Frucht von Holunderbeerenragout, Schärfe vom Couscous, herzhafte Rauch- und Röstaromen vom Blumenkohl, blumige Süße vom Holunderblüteneis und die feine Würze vom Fleisch vereinten sich da zu einem gut proportionierten und auch aromatisch fein abgestimmten Arrangement.
Dass hier sowohl handwerklich als auch geschmacklich mit Feingefühl gekocht wird, das zeigte auch die saftig-zarte, mit milder Bärlauchfarce fabrizierte Roulade von der Maischolle, die mit einer eingelegten Bärlauchknospe und einer kleinen Nocke Störkaviar gekrönt auf einem Bett aus Gurkensalat, Kartoffelpüree und Beurre blanc thronte. Letztere hätte zwar mit etwas mehr Zug und Schmelz dafür sorgen können, dass sich die gesamte Kreation noch tiefer am Gaumen eingräbt – aber auch so war dieses konsequent klassische Gericht prinzipiell ein sehr gutes.
So wie auch die mit einer Panierung aus Panko knusprig ausgebackenen Kalbsbries-Nuggets, die mit dem Leipziger-Allerlei-Gemüsetrio Erbsen (als Creme und knackig), junge Möhrchen und Morcheln an einer reduzierten Kalbsjus angerichtet waren. Hinsichtlich einer höheren Bewertung wäre hier neben dem noch ein klein wenig zu kauelastischen Biss vom Bries auch die Präsenz (Geschmack, Konsistenz…) der seltsam säuerlich marinierten und zudem lätschig-weichen Morchelstückchen verbesserungswürdig gewesen. Aber auch das ist natürlich Kritik auf recht hohem Niveau.
Kritik auf etwas niedrigerem Niveau muss sich lediglich eine der Komponenten beim Hauptgang gefallen lassen. Denn die neben einem sehr guten Maibock-Rückenstück, Mairübchen, knackigem und cremigem Romanesco, sowie fluffigen Topfengnocchi außerdem von dem Wild aufgebotene Hackfleischfarce, die als Füllung eines Mairübchens auf dem Teller zu finden war, schmeckte fast schon unangenehm säuerlich und bitter, was wohl in Symbiose mit dem Rübchen passiert ist. Das konnte auch die gute reduzierte Sauce nicht ganz kaschieren und rührte automatisch am Gesamteindruck des Gerichts.
Rein gar nichts zu kritisieren gab es dann hingegen wieder beim Nachtisch, einer Liaison aus Schokolade, Erdbeere, Haselnuss und Nougat. Als Halbring aus mit einer Haselnussschokolade überzogener Ganache sowie Sauce und Mousse von Haselnuss und Nougat, marinierten Erdbeeren und Erdbeersauce, sowie – als kleiner Twist – einem Rahmeis von Balsamico-Essig, der ja traditionellerweise gut mit Erdbeeren harmoniert.
Locker und zugleich professionell erlebten wir auch dieses Mal wieder den Service. Und auf Basis der Offerten einer nicht überbordenden, aber gut strukturierten Weinkarte gibt es auch gut korrespondierende glasweise Empfehlungen, was auf Wunsch auch entalkoholisierte Weine sein können.
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