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| Di-Sa von 12-14.30 Uhr u. ab 18 Uhr, So u. Mo Ruhetag |
| Hauptgerichte: 19-29 €, Menüs: 48-52 € |
Schon seit weit über 40 Jahren ist die Artischocke mit ihren hohen und hellen, mit großformatiger moderner Kunst ausgestalteten Räumlichkeiten und entspannter Atmosphäre als anspruchsvolles und trotzdem bodenständiges Restaurant im imposanten Bau der Landesbühne für Genießer zur Stelle. Mit Fug und Recht kann man daher in der nicht gerade mit vielen guten Adressen gesegneten Region von einer Institution sprechen. Knapp eine Dekade von derer Geschichte gehen mittlerweile auf die Kappe des jetzigen Gastgebers und Küchenchefs Klaus Schweiß, der die Artischocke 2017 übernommen hat, nachdem er davor schon als Sous-Chef dort gekocht hatte.
Als Klaus Schweiß noch à la carte gekocht hat, sah es eine zeitlang fast so aus, als ob er sich mit besonders gut umgesetzten, perfekt verfeinerten, aber überhaupt nicht verfremdeten süffigen Traditionsgerichten der klassischen deutschen, französischen und internationalen Küche einen Namen machen würde – von Zürcher Geschnetzeltes über klassische Rinderrouladen bis Boeuf Bourgignon, die er seinerzeit neben manch anderem sehr apart als kleine Portionen in der Cocotte kredenzt hat. Damit hätte der Chef fast schon ein Alleinstellungsmerkmal gehabt, weil das kaum noch jemand macht. Mittlerweile gibt es in der Artischocke aber auch abends ein festes Menü in drei oder vier Gängen mit Auswahlmöglichkeit beim Hauptgang (vegetarisch, Fisch oder Fleisch), was freilich kaum Platz mehr für solche Spezialisierungen lässt.
Sein gutes Händchen für traditionelles Handwerk ließ er aber zuletzt auch schon bei köstlichem hausgemachtem Rillette aufblitzen, das zusammen mit Zitronenbutter als Aufstrich für das überdurchschnittliche Baguette gereicht wurde. Die Dattel im Speckmantel mit Gurke, Tomate und Heidelbeersenf als kleiner Küchengruß war ebenfalls sehr schmackhaft, gab aber freilich automatisch weniger über das kochtechnische Vermögen der Küche preis. Wohl aber dann wieder die mitsamt Kopf jedoch leider recht lange gebratene Riesengarnele, die etwas trocken und fest neben einem sehr guten, feinsäuerlich abgeschmeckten Bulgursalat angerichtet war. Damit bekam die neben einem kleinen Salatbouquet ebenfalls auf dem Teller befindliche würzige Aioli von fermentiertem schwarzem Knoblauch eine bedeutendere Rolle als schmackhaften Schmelz liefernder Dip für das übergarte Krustentier.
Die wahren Stärken kamen dann bei der vermeintlich unspektakulären Perlhuhnsuppe zum Vorschein, die mit einer kraftvoll-ausgewogenen Basis und einer schönen Einlage aus akkurat klein gewürfeltem Wurzelgemüse und frischen würzigen Kräutern wie Liebstöckel sowie saftigem ausgelöstem Geflügelfleisch und einer Geflügellebernocke begeisterte.
Der auf der Haut gebratene Zander kam zwar nicht kross, dafür aber schön saftig zart auf den Teller und überzeugte auch in allen anderen Komponenten bis ins Detail. Etwa mit der Beurre blanc, die zurückhaltend elegant mit Schalotten, Senfsaat und Sardelle aromatisiert war, den sauber enthäuteten und aromatisch eingelegten Cocktailtomaten, den schön festen, frischen Passepierre-Quellern, dem perfekt zart knackig sautierten und fein abgeschmeckten Spitzkohl oder dem sündhaft buttrigen Kartoffelpüree. Ein paar Perlzwiebelsegmente und ein oldschoolhaft akkurat tournierter Champignonkopf waren weitere sorgfältige Details auf diesem schmackhaften Teller.
Mit dünner, kakaointensiver Schokoladentarte, marmoriertem Milcheis, Orangenfilets, Blaubeere und Sahne wurde das äußerst kulant bepreiste Menü sehr solide abgeschlossen und machte Lust auf den nächsten Besuch. Wenn eine unaufgeregte, handwerklich sauber gekochte, geschmacklich harmonische Küche ohne Kreativitäts- und Exklusivitätsanspruch gefragt ist, können wir die Artischocke mit allerbestem Gewissen empfehlen.
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