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Fotos: Anna Seibert

Anna Seibert

Am Bürgerhaus 5
53359 Rheinbach
02226-8923713

aktualisiert: 07 / 2026
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mi-Fr ab 17.30 Uhr, Sa u. So von 12-14 Uhr u. ab 17.30 Uhr, Mo u. Di Ruhetag
Hauptgerichte: 28-49 €,
Menüs: 69-125 €

Was Gastgeber und Küchenchef Benedikt Frechen seinen Gästen in dem schmalen historischen Fachwerkhaus im Zentrum von Rheinbach schon seit Jahren in sehr zuverlässiger Manier bietet, ist eine reizvolle Mischung aus bodenständiger Gastronomie und Fine Dining. Auf unkomplizierte und sehr zugängliche Art auf ein breiteres Publikum zugeschnitten als die typischen Gourmetrestaurants mit fester Choreografie, meist nur einem einzigen, elaboriert ausgearbeiteten Menü an wenigen Abenden in der Woche und entsprechend hohen Preisen, aber dennoch alles andere als massentauglich oder beliebig. Im Gegenteil wirkt das, was hier in einem charmanten und ausgesprochen atmosphärischen Gastraum mit freigelegtem Holzgebälk und modernen Gestaltungselementen oder im Sommer auf dem Platz vor dem Haus serviert wird, von Jahr zu Jahr immer noch ein bisschen ausgetüftelter und feinsinniger.  

Der Name des Lokals ist übrigens auf Frechens Großmutter Anna Seibert zurückzuführen, die ihm bereits in Kindertagen die Liebe zum Kochen und zu guten Lebensmitteln vermitteln konnte und somit letztendlich einen nicht unwesentlichen Anteil am Werdegang und Erfolg ihres Enkels hat. Damit der seinen Gästen trotz des hohen Anspruchs an Qualität und Zubereitung ein vernünftiges Preis-Leistungsverhältnis bieten kann, verzichtet er bewusst auf allzu exklusive Luxusprodukte und auch enorm preistreibende Verfeinerungsexzesse, die seine Küche bei genauerem Hinsehen und vor allem Schmecken auch gar nicht nötig haben.

Nach zwei kleinen, jeweils sommerlich-fruchtbetonten Apero-Snacks auf dem Löffel startete unser Menü – neben der fünfgängigen Speisefolge in vegetarisch und omnivor gibt es auch eine schöne Auswahl an davon abweichenden Gerichten à la carte – mit einer ganz ähnlich gearteten Vorspeise, die schon ob des facettenreich bunten Farb- und Aromenspiels unterschiedlicher Tomatenvarietäten aus der Eifel sehr ansprechend war. Die aber mit der fruchtigen Süße eingelegter Melonenkugeln, der Pikanterie von Kirschpaprika, dem mildnussigen Schmelz einer Sesamcreme, der ätherischen Kräuterwürze von Estragon und der herzhaften Frische einer auf Basis von Tomaten-Abtropfwasser und Schnittlauchöl zubereiteten Vinaigrette so richtig Fahrt aufnahm. In der nicht-vegetarischen Variante auch noch mit kleinen Stücken von ganz kurz auf zwei Seiten angebratenem Thunfischrücken mit recht hellem Fleisch, die hier aber gar nicht wirklich spielentscheidend waren. Will heißen: das Ganze hätte auch vegetarisch wunderbar funktioniert.

Die kleinen, schmelzigen Pisarei, eine traditionelle Pastasorte aus der Emilia-Romagna, waren von Haus aus in beiden Menüs als vegetarisches Gericht konzipiert und mit einer cremigen, aber überhaupt nicht plumpen Sauce vermengt, der die Würze von altem Gouda und die Gewürzmischung „Cafe de Paris“ ihren herzhaften Geschmack gaben. Feine Hobelspäne von australischer Wintertrüffel fügten sich mit ihrer unaufdringlichen Erdigkeit ebenfalls sehr harmonisch in runde, sanft umarmende Geschmackbild ein.

Der erstaunlich zarte, aber auch keinesfalls zu weiche Pulpo wurde zuvor sanft in Nussbutter confiert und korrespondierte dergestalt prima mit den knackigen Gurkenwürfeln, auf denen er angerichtet war. Dezent aromatisiert mit Jalapeño und kandierter Zitronenschale, harmonisch eingefasst von einem geschmeidigen Nussbutterschaum, war auch das ein sehr attraktives, vollmundiges Gericht mit zarten raffiniert auflockernden und akzentuierenden Nuancen.

Das volle Potenzial der Küche, aber auch ihre natürlichen Grenzen, spiegelte dann der in seiner Vielfalt an separat à la minute zuzubereitenden Komponenten sehr aufwändig gestaltete Hauptgang wider, bei dem vom Maishühnchen gleich drei unterschiedliche Varianten auf den Teller fanden: Brust, Praline und Galantine. Dass hier die Brust, die nicht einfach nur gebraten, sondern auch mit einer Schicht Rucola-Butterbröselmasse gratiniert war, gegenüber der mit Panko panierten und knusprig ausgebacken Praline aus dem Fleisch der geschmorten Keule sowie der mit einer getrüffelten Farce fabrizierten Rouladen-Tranche, etwas trocken wirkte und vom Zubereitungsniveau her hintenanstand, war aber fürs trotzdem sehr gelungene Gesamtbild überhaupt nicht tragisch. Im Gegenteil, stand nämlich auch hier mit einem kleinen Pfifferling-Gerstenrisotto, etwas Püree von geröstetem Blumenkohl und einer mit Dijonsenf aromatisierten Jus auf Geflügelbasis, vermengt mit einer mit Estragon abgeschmeckten Crème de Bresse, unterm Strich eine rundum stimmige Komposition.

Und die untermauerte das abermals leicht gesteigerte Niveau der Küche, das wir in diesem Jahr mit einem verdienten Bonuspfeil zu den 6 Pfannen honorieren, ebenso deutlich wie das Dessert, eine schnörkellose Kompilation von Pfirsich und griechischem Joghurt in unterschiedlichen Zubereitungen. Gegenständlich, leicht, sommerlich und frisch setzte sie das i-Tüpfelchen auf ein sehr ansprechendes Menü, das aufmerksam und professionell serviert und auf Wunsch von attraktiven Getränken begleitet wird. Ob aus der gut sortierten Weinkarte mit heimischem Schwerpunkt oder alkoholfrei: Sommelier Daniel Linden empfiehlt und erläutert unterhaltsam und mit Sachverstand.

Um die Pins anklicken zu können, müssen Sie den Zielort näher heranzoomen.



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