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Fotos: AMMOLITE - The Lighthouse Restaurant

AMMOLITE - The Lighthouse Restaurant

im Europa-Park-Resort Bell Rock
Peter-Thumb-Str. 6
77977 Rust
07822-776699

aktualisiert: 05 / 2022
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Mi-Sa ab 19 Uhr, So von 12-14 Uhr u. ab 19 Uhr, Mo u. Di Ruhetag
Menüs: 159-189 €

Wegen der Kochkünste seines Küchenchefs Peter Hagen-Wiest hat sich das Ammolite zahlreiche Auszeichnungen erarbeitet und ist in der Szene deshalb als „das Gourmetrestaurant im Europapark“ weithin bekannt. Was jedoch viele, die es nur vom Hörensagen kennen, gar nicht wissen: es liegt zwar auf dem Gelände des größten und beliebtesten deutschen Vergnügungsparks und gehört zum dortigen Hotel The Bell Rock, ist aber auch für externe Gäste, die den Park gar nicht besuchen wollen, frei zugänglich. Es hat sogar einen eigenen Eingang und einen eigenen Parkplatz. Und man muss auch ohne Navi nicht lange danach suchen, denn das Ammolite befindet sich im weiten Rund des Erdgeschosses eines Leuchtturms, der weithin sichtbar und am Abend effektvoll illuminiert ist.

Dort herrscht eine dunkle, durch Raumteiler-Vorhänge fast sogar etwas geheimnisvoll anmutende Eleganz vor, es ist schummrig, aber nicht düster. Und das Wichtigste, nämlich das, was aus Peter Hagen-Wiests Küche auf die elegant eingedeckten und durch gezielte Spots sehr gut beleuchteten Tische kommt, kann man sowieso bestens erkennen. Während es bis vor geraumer Zeit neben dem weltoffenen „Around the World“-Menü noch eine regionalbetonte Speisefolge namens „Black Forest Cuisine“ gab, wurde diese mittlerweile durch ein rein vegetarisches Menü („Green Forest“) ersetzt. Vier der fünf abwechslungsreichen filigranen Petitessen zum Aperitif kamen dann auch beim omnivoren Menü ohne Fleisch und Fisch aus – nur ein fragiles, mit roter Paprikacreme gefülltes Knusperkissen war mit einer knusprigen Chorizo-Scheibe getoppt.

Ansonsten fällt auf, wie extrem präzise und feingeschliffen die Kreationen mittlerweile sind. Das waren sie auch schon in den vergangenen Jahren – man hat aber dennoch aktuell das Gefühl, dass sich nochmal etwas getan hat, denn das Kulinarium im Ganzen und die Kreationen im Einzelnen wirken noch einen Tick scharfgestellter und pointierter. Hatten wir uns im letzten Jahr zum Beispiel etwas schwer damit getan, die aktuelle Bewertung aufrecht zu halten, rückte diesmal zum völlig schwankungsfrei und souverän dargebotenen 9-Pfannen-Niveau sogar der Bonuspfeil in den Bereich des Möglichen. Sollte sich die Performance auf dem aktuellen Level manifestieren, durchaus denkbar. Denn die puristisch, aber dennoch vielschichtig in Szene gesetzten Kreationen besaßen zuletzt noch mehr Ausdruckskraft, was nicht zuletzt durch ein Plus an Tiefenschärfe und die damit noch besser herausgestellten Produkte erreicht wurde.

Das intelligent durchkomponierte Menü folgt auch einer klar erkennbaren Dramaturgie und startete in unserem Fall ganz sanft, rund und weich. Nämlich mit einem Taschenkrebstatar, das mit einer dünnen Schicht Krustentiergelee gedeckelt auf einer Krustentier-Beurre-Blanc angerichtet war und von der maritimen Seite noch durch Herzmuscheln und Imperial-Kaviar, von der Landseite durch etwas Kopfsalatcreme ergänzt wurde. Keine scharfen Kontraste, dafür milde Harmonien und ein süffiges Gesamtbild. Trotzdem nicht eindimensional, sondern durchaus vielschichtig.

Die saftigen, satt mit reduzierter Jus glasierten Sot-l’y-laisses kamen in Begleitung einer hierzulande (noch) relativ seltenen Gemüsezutat, nämlich der auch als Zimtkartoffel bekannten Cubio, die hier den festfleischigen kleinen Nuggets knackig und fruchtig-säuerlich mariniert in kleinen Würfeln assistierten – was auch gut zum grünfrischen Aroma des rahmigen Brunnenkressesüppchens passte, mit dem das Ganze aufgegossen wurde. 

Wie lohnend es sein kann, hier auch mal auf Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte zu verzichten und das vegetarische Menü in Augenschein zu nehmen, bewies uns beispielhaft ein kleiner Exkurs in Selbiges, der uns knackigen Cima di Rape auf cremiger Polenta bescherte, dessen Dolden raffiniert mit knusprigem Amaranth überzogen waren. Salzzitrone setzten dazwischen als Zesten und Püreetupfen immer wieder herb-säuerliche Nadelstiche und die drumherum aufgestellten Spitzmorcheln erdeten das Ganze auf elegante Weise.

Eine mit relativ viel Säure gekonnt auf Spannung gebrachte Kapernbutter belebte den Zwischengang um zwei knackig-glasige Langustinenschwänze in Idealform, die mit feingewürfelten fleischigen Kalbskopfwürfeln auf jungem Blattspinat thronten. Beim glasierten Kalbsbries in zart-saftiger Perfektion, das maximal puristisch nur auf ein wenig dünnstreifig geschnittenem, mariniertem und geschmortem Spitzkohl thronte, war es neben einer Lasur von der Bergamotte, die in dünnen Fäden auf das Bries gezogen war, auch eine Limettenschaumsauce mit viel Körper, Schmelz und Rückgrat, die für balancierte Frische sorgte.

Aber auch wenn dann mal keine Säure und Frische im Spiel ist, gelingt es dem Chef durch die Präzision beim Komponieren und den millimetergenauen Zuschnitt aller Komponenten, ein Gericht schlank und zugespitzt wirken zu lassen. So geschehen beim feinmotorisch umgesetzten Hauptgang vom Rücken eines Wagyu-Rinds mit Lauch und Lila Kartoffel, aber auch beim Dessert von Banane, Pandan und Vanille – beides lässt auf dem Papier eher an breite, behäbige Aromen denken, beides präsentierte sich auf dem Porzellan jedoch gestochen scharfgestellt.

Als sehr präzise und überlegt erweisen sich auch jedes Mal die Weinempfehlungen von Sommelier und Restaurant in Personalunion Marco Gerlach, der sich ebenfalls dem Leitthema „Around the world“ nicht verschließt und vom 2017 Albariño des Winzers Gerardo Mendez über die Cuvée Monsignori von der griechischen Insel Santorini bis zum 2016er Crozes-Hermitage von Paul Jaboulet zum Wagyu-Beef im Hauptgang ein breites internationales Spektrum präsentiert.

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