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Fotos: Alte Posthalterei

Alte Posthalterei

im Hotel Alte Posthalterei
Augsburger Str. 2
86441 Zusmarshausen
08291-858220

aktualisiert: 08 / 2020
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Täglich ab 12 Uhr durchgehend, kein Ruhetag
Hauptgerichte: 14-28 €,Menüs: 39-69 €

Die Posthalterei im Herzen von Zusmarshausen, etwa dreißig Kilometer westlich von Augsburg nahe der A8 gelegen, ist ein geschichtsträchtiger Ort. Da das heute gut 6000 Einwohner zählende Städtchen während des 18. und 19. Jahrhunderts an der einzigen Poststrecke von Wien nach Paris lag und in dem stattlichen Gebäude von 1648 schon damals Gäste bewirtet wurden, sollen bereits die damalige österreichische Erzherzogin und spätere französische Königin Marie Antoinette sowie Napoleon hier eingekehrt sein. Nach einer aufwendigen und umfassenden Renovierung hat das erste Haus am Platz nun seit Ende 2019 mit 66 Hotelzimmern wieder geöffnet und empfängt die Gäste im Hier und Jetzt mit einer reizvollen Mischung aus Tradition und Moderne, aus historischer Bausubstanz und zeitgemäßer Architektur.

Und mit gehobenem gastronomischem Anspruch! Denn was in den neuen Gasträumen, die vom stimmungsvollen Gewölbekeller über den lichtdurchfluteten und sich weitläufig auf zwei Ebenen erstreckenden Hauptraum mit Barbereich bis hinaus in den lauschigen Innenhof reichen, unter der Regie des neuen Gastgeberpaars Manuela und Marc Schumacher geboten wird, ist deutlich mehr als üblicher Standard. Das verheißt schon der Blick in die nicht überladene Speisekarte, in der neben einer Handvoll Klassiker wie Wiener Schnitzel mit Pommes, Zwiebelrostbraten oder Kässpatzen hauptsächlich interessantere und unkonventionellere Gerichte offeriert werden.

Auch die Verwendung überwiegend heimischer Viktualien, deren Herkunft explizit genannt wird, wirkt sympathisch und vertrauenerweckend: Forelle und Saibling vom Züchter aus dem nahegelegenen Horgau, Zusser Weidehuhn, Reh aus dem Augsburger Land, Allgäuer Strohschwein, Chorizo von der Landmetzgerei Baur, Käse von Wolfgang Hofmann aus dem Tölzer Kasladen – hört sich alles nicht schlecht an. Und schmeckt: Bereits die Vorspeise des fünfgängigen Sommermenüs, das neben der à la carte-Auswahl einen schönen Querschnitt durch die Küche in schlankeren Portionen verspricht, kommt modern, kreativ und wohlproportioniert daher. Stücke einer geräucherten Forelle schwimmen hier zusammen mit etwas Brunnenkresse, knackigem mariniertem Rotkohl und Tupfen einer Rotkohlcreme in einem leichten, dezent säuerlich abgestimmten Rotkohlsud. Das wirkt ziemlich proper und elegant proportioniert, einzig die kleinen Räucherfischstücke hätten in unserem Fall etwas saftiger sein können.

Ebenfalls sehr elegant umgesetzt waren die mit einer aromatischen Zitronen-/Basilikum-Creme auf Ricotta-Basis gefüllten und nicht zu dickteigigen Ravioli, die mit einer schaumig aufgemixten Grauburgunder-Weißweinsauce nappiert waren. Etwas gröber wirkte der Fischgang um confierten Saibling, der zwar schön zart und saftig, aber dezent unharmonisch bitter (eventuell von zu langem warmem Kontakt mit Zitronenschale) auf dem Teller lag. Und zwar in Begleitung seiner separat gekrossten Haut sowie aromatischer bunter Rüben und grüner Nudelflecken. Die Buttermilch, die hier in Gestalt zweier kleiner Mousse-Blumen zugegen war, hätten wir uns im Nachhinein als laktisch-frischen Sud gewünscht, denn dem Gericht fehlte nicht nur die Süffigkeit, sondern nach unserem Dafürhalten auch etwas Säure.

Ganz im Gegensatz zum Hauptgang um Reh aus dem Augsburger Land, dessen Rücken wunderbar saftig und eigenaromatisch auf seinem Bett aus seidiger Knollensellerie lag und von zweierlei Mangold, Nektarine und reichlich Jus umgeben war. Auch dieser Teller wirkte von der Machart her etwas einfacher und gröber gefasst, überzeugte aber als solches vollauf. Wer auf zupackende Aromen und handwesten Genuss steht, wird auch mit dem Barbecue-Grillteller glücklich, auf dem sich in Begleitung von etwas Grillgemüse diverse Teilstücke von Rind, Schwein und Huhn tummeln, die zuvor im „Big Green Egg“ den typisch rauchigen Grillflavour verpasst bekamen. Passend dazu kredenzt der freundliche Service, der viel zu tun hat und trotzdem den Überblick behält, krosse Wedges, Sour-Cream und fruchtig-würzige hausgemachte BBQ-Sauce.

Das Menü schloss mit einem Joghurtsorbet im filigran verzweigten Schokoladen-Nest nebst Kirsche und Pekanuss auf (viel!) Schokoladenerde recht herb und kakaolastig. Jeden Versuch wert ist übrigens auch der für zwei Personen im Pfännchen servierte Kaiserschmarrn, der sehr schön fluffig und dünn karamellisiert nebst Zwetschgenröster, Himbeer-Rhabarberkompott, Apfelmus und hausgemachtem Vanilleeis aufgetragen wird. Die Weinkarte konzentriert sich weitgehend auf preiswürdige Gewächse aus Deutschland und den Alpenländern und auch im alkoholfreien Bereich gibt es ansprechende Alternativen zur allgemein üblichen Saft- und Softdrink-Palette.   



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