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| Mo-Sa ab 17 Uhr, So Ruhetag |
| Hauptgerichte: 30-39 €, Menüs: 75-89 € |
So eine stylishe Location wünscht man sich in mancher Metropole: große Fenster direkt zum Marktplatz, Weinbar und Frontcooking, die Treppe hoch eine Galerie – und draußen unter Arkaden begehrte Sehen-und-Gesehen-werden-Plätze. Das ist das Aifach Reisers, mit dem der umtriebige Gastro-Unternehmer und Koch Bernhard Reiser eine Spielwiese im Herzen von Würzburg geschaffen hat. Wie es für die Toplage des Hotspots anders kaum vorstellbar ist, wird sie auch mittags bespielt, aber mit einem schlichteren Programm als abends, wenn es ein Dutzend À-la-carte-Optionen sowie ein ergänzendes vier- oder fünfgängiges Überraschungsmenü „à la Chef“ gibt, der im Doing Markus Meckel ist.
Das Team ist gut aufgestellt – und das muss es auch sein, denn aufgrund seiner 1-A-Lage ist der Laden hoch frequentiert. Allerdings hatten wir jüngst den Eindruck, dass die offene Küche, von der man von manchen Plätzen am Fenster aus maximal fünf Meter entfernt und an Barhockern sogar direkt davorsitzt, nicht automatisch dazu führt, dass die Köche besonders offen und auskunftsfreudig sind. Auch dass es zum Menü keine Küchengrüße gab, überraschte ein wenig. Aber vielleicht möchte man eine „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ und bei den À-la-carte-Gästen Irritationen vermeiden, die es schon bei der Platzvergabe geben kann, wie wir nebenbei beobachteten.
Los ging es also mit fluffigem Weizenbrot und sehr cremig aufgeschlagener Butter, direkt gefolgt vom ersten Gang des Überraschungsmenüs: Ein schlanker Riegel vom Label-Rouge-Lachs, der mit Frühlingsgemüse und Kopfsalat auch auf der Karte stand, war akkurat abgeflämmt und hatte eine Spur Rauchpaprikacreme on top. Zu sehr knackigen Spitzen vom weißen Spargel gab es auch ein kleines Ragout aus Scheiben, etwas Wildkräutersalat und eine Bärlauchcreme, die ebenso mild wie der Sud war – in der Summe ein angenehmes, harmonisches Geschmacksbild, aber wenig aufregend und gaumenkitzelnd.
Spannender fanden wir das Zwischengericht, das Richtung Soulfood ging. Schade nur, dass die zwei gebratenen Stücke von der Wachtelbrust auf den ersten Biss in ihrer Knusprigkeit zwar Wohlgefühl auslösten, sich aber dann doch als ziemlich trocken, um nicht zu sagen zäh erwiesen. Dazu gab es vielerlei Gemüsefrische, im klassischen Sinne am passendsten mit der sanften Süße von Erbsen. Aber auch Mini-Mairübchen und extrem säuerlich gepickelte Radieschenspalten, die im Gegensatz zu eher milden Blumenkohlröschen richtige Muntermacher waren, machten Spaß. Der Soulfood-Faktor wurde verstärkt durch einen Parmesanschaum, der aus unserer Sicht die eher geschmacksneutrale weiße Creme unnötig machte.
Beim Hauptgericht verhielt es sich mit dem Fleisch umgekehrt: Die zwei kernigen Stücke vom Kalbsrücken waren zwar perfekt rosazart gegart, aber ziemlich lasch gewürzt, was auch eine in wilden Spuren angegossene „Pfeffersauce“ nicht ganz auffangen konnte. Erwartbar machte sich gebratener grüner Spargel mit Estragon-Majo-Tupfern gut dazu. Zur geschmeidigen Dichte eines Pürees gab es zusätzlich noch einen „Salat“ aus der Süßkartoffel, der es in sich hatte. Eigentlich war zusätzlich nur gepickelte Zwiebel angekündigt, aber in der stückigen Nocke steckten mindestens noch Ingwer und Curry, was den eher auf Mainstream ausgerichteten Teller um eine originell markante Note bereicherte.
Das Dessert hatte eine ähnliche Wirkung wie die Vorspeise – es war wohlschmeckend, aber etwas konturlos, zumal sich einige der Komponenten als Löffelgericht in einer Schale vermischten. Eine schöne Frische entstand maßgeblich durch einen Champagnerschaum zuoberst und einen Basilikumsud zuunterst. Dazwischen: Erdbeersalat und -sorbet, Waldbeeren, Mascarpone und Crumble.
Das bestätigte zum Abschluss noch einmal den aktuellen Gesamteindruck, dass man im Aifach Reisers einfach sehr gut essen kann – nicht mehr und nicht weniger. Dies zu einem stimmigen Preis-Leistungs-Verhältnis, das in der erfreulichen Weinbegleitung sogar noch getoppt wurde. Der 2013er Il Rosso von Klaus Gundel aus der Toskana wird zwar auch regulär ausgeschenkt, eine Magnum Chardonnay Reserve vom Weingut Weltner aber wurde extra geöffnet. Darüber hinaus lagern in der „Schatzkammer“ viele Hochkaräter – von heimischen Großen Gewächsen bis hin zu Berühmtheiten aus Frankreich, Italien und Übersee.
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