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Fotos: 9|65

9|65

Zunftstr. 5
76227 Karlsruhe
0721-9416060

aktualisiert: 05 / 2026
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Mittags
Abends
Di-Sa von 12-14 Uhr (Brasserie) u. ab 18 Uhr (Fine Dining), So u. Mo Ruhetag
Hauptgerichte: 32-45 €,
Menüs: 65-90 €

Mit der Übernahme des elterlichen Betriebs durch die nächste Generation im Jahr 2023 ist aus dem ehemaligen Feinkost Mediterrane in der Altstadt von Durlach das Restaurant 9|65 geworden. In vier vollkommen unterschiedlich und sehr individuell gestalteten Räumen von der behaglichen Fachwerkstube über eine Vinothek bis zum modern mediterran anmutenden Gastraum mit farbenfroher zeitgenössischer Kunst an den Wänden, bietet das weitläufige Lokal zwar theoretisch sehr viel Platz für fast 100 Gäste, hat aber rein gar nichts mit Massenabfertigung zu tun. Im Gegenteil: obwohl hier unter der Ägide von Gastgeber Roko Bobanović und Küchenchef Yanik Gukelberger schon eine sehr zugängliche, nicht zu exklusive Art von Gastronomie und Küche geboten wird, ist der hohe Eigenanspruch unverkennbar.

Das fängt beim bemerkenswert umfangreichen und hochwertigen internationalen Weinangebot an, reicht über die Kultivierung eines eigenen, ganz hervorragenden Olivenöls in Kroatien und hört bei der einfallsreichen saisonalen Küche aus überdurchschnittlichen Produkten noch längst nicht auf. Sie Speisekarte listet ein halbes Dutzend animierender Vorspeisen und Zwischengerichte, ebenso viele Hauptgänge sowie zwei Desserts und eine Käse-Selektion von Tourette aus Straßburg, aus denen man sich selbst ein Menü zusammenstellen kann. Jenseits von diesem Menü-Baukasten gibt es auch noch ein paar weitere „Klassiker“, die sich etwas bodenständiger präsentieren, beispielsweise gebackene Blutwurst mit Zwiebelmarmelade und Kartoffelcreme oder Original Wiener Schnitzel mit Bratkartoffeln.      

Im ambitionierteren Programm ging es bei unserem Antrittsbesuch nach sehr gutem Brot und Butter in Gestalt eines sublimen Karoffelschaums mit Kräuterstaub und Schnittlauchöl los, in dem winzige Staudenselleriewürfelchen für Textur und Frische sorgten. Im Grunde ganz schlicht konzipiert, aber aufgrund sehr guter Feinabstimmung dennoch raffiniert. Und mit verhältnismäßig einfachen Mitteln aber den richtigen Kniffen überdurchschnittliche Finesse zu erzeugen, das scheint ohnehin eine große Stärke der Küche zu sein.

So auch bei einer der vegetarischen Vorspeisen, für die ein paar butterzarte Lauch-Zylinder kompakt zum Medaillon zusammengestellt waren und mit einer herzhaften Schalottenvinaigrette, adäquate Fruchtigkeit, Säure und Süße spendenden Traubenstückchen, knusprigen Pankobröseln und einer Haube aus schmelzigen Flocken von aromatischem Comté ein attraktives herzhaftes Törtchen abgaben. Schon das war ein reizvolles Zusammenspiel, bei dem alles sehr gut ineinandergriff und sich gegenseitig ergänze. Doch auch die samtige, mit Lauchöl marmorierte Kartoffelsauce spielte dieser gelungenen Kreation in die Karten.

Das funktionierte auch ganz hervorragend bei kleinen, beherzt röstaromatisch angebratenen und trotzdem noch sehr schön saftigen Kalbsbriesröschen, die auf einem Bett von rahmigen Champignons de Paris, herber Brunnenkressecreme, reduzierter Kalbsjus und nussbuttrigen Croutons als süffiges Soulfood arrangiert waren. Elegant und mit Tiefgang, wieder in perfekten Proportionen und aromatisch in feiner Balance.

Nach einer kleinen Nocke Buttermilcheis mit kroatischem Olivenöl aus eigenem Anbau als erfrischendes Intermezzo vor dem Hauptgang war auch dieser ein überdurchschnittlich guter. Und daran änderte auch die Tatsache nichts, dass der aktuelle „Catch of the Day“, in unserem Fall Meerforelle, einen Tick übergart und deshalb etwas trocken auf seinem Podest, einem gratinierten Polentaring thronte. Denn aus dessen Zentrum ergoss sich süffige Unterstützung in Gestalt einer feinwürzigen Krustentier-Bolognese in den Teller, auf dem außerdem noch marinierter Fenchel und die herbe Frische von Salzzitrone zu einer wohlgelungenen Kombination beitrugen.

Originelle, aber nicht kreativ überdrehte Kreationen prägen auch sonst das Bild, wenn etwa Grießknödelchen mit Lardo, Piemonteser Haselnüsse und Petersilienwurzel einen Hirschrücken aus eigener Jagd eskortieren oder Waldpilz-Polenta, gerösteter Blumenkohl und Ochsenmark-Espuma ein rosasaftiges Roastbeef. Auch die Desserts sind nicht von der Stange und halten das hohe Niveau: egal ob von Schwarzwald-Miso getunter Toffee-Pudding, kombiniert mit Banane und Hafer, oder eine Tarte-Schnitte aus Valrhonas Guanaja-Schokolade, gekrönt mit Salzkaramellmousse und Portweinbirne, flankiert von Birneneis und Birnensauce – fundiertes Handwerk, Sorgfalt und Geschmackssicherheit ziehen sich wie ein roter Faden durchs Programm. Und zur großen Freude ist hier auch das Preis-Leistungsverhältnis ein sehr stimmiges.  

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