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| Di-Sa von 12-14 Uhr u. ab 18 Uhr, So u. Mo Ruhetag |
| Menüs: 79-109 € |
Mit einem relativ breit gefächerten kulinarischen Konzept lockt das 1811 Carmelo Riccardo Cali direkt im Zentrum von Hofheim am Taunus, unter dem Stadtarchiv zwischen Stadtbücherei und Sparkasse, mittlerweile in seinen im Hochparterre über der offenen Küche gelegenen Gastraum. Die grundsätzliche Ausrichtung ist gehobene italienische Cucina, die allerdings in drei unterschiedlichen Fassungen geboten wird. Immer mittags als „Quick Lunch“ sowie à la carte in relativ klassischer und unverkünstelter Manier, von Dienstag- bis Donnerstagabend als italienische Bistroküche unter dem Motto „ganz entspannt, ganz ohne Chichi“, und schließlich am Freitag- und Samstagabend als bis zu siebengängiges „Experience-Menü“.
Ein interessanter Spot für Feinschmecker jedenfalls, der sich bislang ganz bewusst leicht unterhalb der Fine-Dining-Nische positioniert hatte, mit dem neuen, auf ein einheitliches Degustationsmenü reduzierten Programm aber nun zumindest an den Abenden am Wochenende offenbar doch in diese Richtung möchte. Viel Sinn für Aromen, Texturen und Proportionen, überhaupt für sehr stimmige Kompositionen, beweist das Team um den ambitionierten jungen Chef Carmelo Riccardo Cali aber zu jeder Servicezeit. Im Rahmen des „Experience-Menü“ nur eben alles etwas kleiner, feiner, elaborierter…
Und mit Kleinigkeiten vorneweg, die schon mal dezent Raffinement anklingen ließen: Das Sellerieschaumsüppchen wurde durch Grünkohlöl mit einer originellen herben Note akzentuiert, das saftige Pulled Beef im knusprigen Cornetto von einem fruchtig-pikanten Saucentopping. So richtig interessant wurde es dann aber beim ersten Gang rund um eine sehr gute, aber relativ kleine gebratene Jakobsmuschel, wo mit Salbei und Kapern in verschiedenen Aggregatzuständen von knusprig bis cremig ein spannend ätherisch-würziges Umfeld geschaffen wurde. Einziger kleiner Wermutstropfen war, dass da etwas mehr Jakobsmuschel hätte sein können, um das gelungene Drumherum noch ausgiebiger zu transportieren.
Als ein bisschen zu viel Kleinklein empfanden wir auch den Zwischengang, in dessen Mittelpunkt in dünne Streifen geschnittene und als Ring angerichtete (geräucherte und umamiwürzig lackierte) Entenbrust stand. Drumherum wieder verschiedene Zubereitungen von diesmal Birne, Topinambur, Buchenpilzen und Kerbel – die Birne beispielsweise in Sherry eingelegt und als Gel, die Topinamburknolle als Schaum und Chips, Kerbel als Mayonnaise und die Buchenpilze mariniert. Alles zusammen ein recht gelungenes, mildwürzig-fruchtsüßliches Match, bei dem nur die sehr laue Temperierung nicht ganz optimal war…
In Sachen Proportionen und Temperaturen rundum stimmig präsentierte sich dann der feinblättrige Kabeljau auf einem Bett aus süß-säuerlicher Gelber Bete und Staudensellerie, lackiert mit einer Yuzu-Marinade, abgedeckt mit einer dünnen Folie aus Rote-Bete-Gelee und getoppt mit Kataifistroh. Allenfalls der etwas ausdrucksschwache Krustentierschaum drumherum hätte etwas mehr Druck und Schmelz haben können, aber dem harmonischen Gesamteindruck konnte das nichts anhaben.
Als den stärksten Gang erlebten wir während unserer jüngsten Stippvisite überraschenderweise den Hauptgang, bei dem schon das wunderbar gleichmäßig und saftig auf seinen optimalen Punkt gebrachte Medaillon vom Hirschkalbrücken begeisterte. Zusammen mit einem köstlichen fluffigen gebackenen Ricottaknödel, aus dem wir weniger die annoncierten Amarettini als vielmehr Salbei herausschmeckten, sowie einem Stück sous-vide gegarter Aubergine, etwas Grünkohl und einer Nocke Cranberry-Confit (außerdem verschieden aromatisierten Cremetupfen und einer ausgewogenen Jus) war das eine rundum attraktive Angelegenheit. Ein im Grunde klassisches Geschmacksbild, aber doch alles andere als traditionell zusammengestellt. Und in seiner auch handwerklich sehr gut gelungenen Art in jedem Fall 7 Pfannen wert.
Mit angenehm wenig Süße, eher nussig und erfrischend säuerlich, kam schließlich der Nachtisch daher, bei dem ein mit Pumpernickel unterfüttertes Kürbiskernparfait von Creme aus weißer Schokolade und Kokosmilch sowie Sanddornsauce umspielt wurde. Zu allem serviert das ebenso aufmerksam wie entspannt auftretende Serviceteam auf Wunsch jeweils einen passenden Tropfen aus dem moderat bepreisten Sortiment. Und auch ein paar alkoholfreie Alternativen jenseits der üblichen Softdrinks sind in der Karte zu finden.
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